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Prävention sexualisierter Gewalt

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jeglicher Form von Gewalt ist für uns als Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken essentiell.

In unserer Satzung steht:

Die Achtung, der Schutz des Wohls der Kinder und Jugendlichen sowie ihre körperliche und psychische Unversehrtheit sind elementare Grundsätze unserer verbandlichen Arbeit.

Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche bei uns vor sexualisierter Gewalt geschützt sind.

Sexualisierte Gewalt gibt es überall, auch in linken und demokratischen Einrichtungen. Ein emanzipatorisches Selbstverständnis reicht nicht aus, um Gewalt zu unterbinden.

Deshalb arbeiten wir aktiv daran, Präventionsstrategien auf allen Ebenen des Verbandes zu implementieren. Auf diesen Seiten findet ihr grundlegende Informationen zum Themenfeld sexualisierte Gewalt sowie Informationen dazu, was Prävention bei der SJD – Die Falken konkret bedeutet.

 

Inhalt

  1. Definitionen und Begrifflichkeiten
  2. Unsere Grundsätze
  3. Ansprechpersonen und Organe
  4. Beschwerdemöglichkeiten
  5. Dokumentation von Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt
  6. Hilfreiche Links

 

 

1. Definitionen und Begrifflichkeiten 

Sexuelle bzw. sexualisierte Gewalt

Sexualisierte bzw. sexuelle Gewalt ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor einer Person entweder gegen ihren Willen vorgenommen wird oder der die Person aufgrund ihrer körperlichen, seelischen, geistigen, sprachlichen oder anders gearteten (empfundenen) Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann.­

Wir verwenden die Begriffe sexuell und sexualisiert synonym. Für die Verwendung des Begriffs ‚sexualisiert‘ spricht die Analyse, dass sexuelle Übergriffe meist nicht den sexuellen Bedürfnissen des Täters, sondern dem Wunsch nach Machtausübung gegenüber Schwächeren entspringen. Allerdings sind die Handlungen für die Betroffenen durchaus reale sexuelle Handlungen, die gegen ihren Willen an ihnen ausgeübt werden. Um diese Debatte nicht die wesentlichen Fragen überschatten zu lassen, verwenden wir beide Begriffe synonym.

Sexueller Missbrauch

Wenn es um sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen geht, werden häufig die Begriffe ‚sexueller Missbrauch‘ oder ‚Kindesmissbrauch‘ genutzt. Wir sprechen uns gegen diese Begriffe aus und verwenden stattdessen die Begriffe sexuelle und sexualisierte Gewalt. Denn der Begriff Missbrauch impliziert, es gäbe einen möglichen richtigen Gebrauch von Menschen. Indem wir den Begriff Gewalt nutzen, legen wir den Fokus darauf, dass der Tat ein Machtverhältnis zugrunde liegt.

Es ist allerdings wichtig zu wissen, dass im strafrechtlich relevanten Bereich von sexuellem Missbrauch gesprochen wird, wenn Kinder und Jugendliche die Betroffenen sind. Darüber hinaus wird dieser Begriff auch nach wie vor teilweise in der (Fach-)Öffentlichkeit genutzt.

Betroffene*r

Wir nutzen den Begriff Betroffene*r für Personen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben.

Täter(*in)

Die Person, die einen sexualisierten Übergriff begangen hat, bezeichnen wir als Täter(*in). Indem wir die gegenderte Form in Klammern setzen, verweisen wir darauf, dass sexuelle Gewalt in den meisten Fällen von Männern ausgeht. Gleichzeitig macht diese Schreibweise darauf aufmerksam, dass es auch nicht-männliche Täter*innen gibt. Kinder sind niemals Täter(*innen). Ihr Verhalten wird immer pädagogisch oder ggf. therapeutisch bearbeitet.

Person unter Verdacht

In konkreten Verdachtsfällen sprechen wir im Klärungsprozess nicht von Täter(*inne)n, da dies eine Vorverurteilung bedeuten würde. Wir nutzen stattdessen den Ausdruck „Person unter Verdacht“.

Darstellungen von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen

Darstellungen von sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind Abbildungen, Filme oder Texte, die sexualisierte Gewalt an Kindern oder Jugendlichen durch Erwachsene darstellen. In der Öffentlichkeit wird häufig der verharmlosende Begriff ‚Kinderpornos‘ verwendet.

Pädosexualität

Pädaosexualität ist eine Störung der Sexualpräferenz, die sich in einer Fixierung auf Kinder ausdrückt. Wir raten von der Verwendung des Begriffs ‚Pädophilie‘ ab, da ‚-philie‘ (griech.) Liebe bedeutet. Der Begriff Pädosexualität hingegen rückt die sexuelle Präferenz in den Vordergrund.

 

2. Unsere Grundsätze

Kampf dem Patriarchat

Als Ursache und wesentlichen Grund für sexualisierte Gewalt sehen wir das patriarchale Geschlechterverhältnis. Zwar hat sich im letzten Jahrhundert viel an den Geschlechterverhältnissen in unserer Gesellschaft verändert – in den meisten Ländern der Welt sind Frauen und Männer heute rechtlich gleichgestellt; Frauen sind nicht mehr alleine zuständig für die reproduktive Arbeit; sexualisierte Gewalt wird in der Öffentlichkeit besprochen. Doch wir leben nach wie vor in einem patriarchalen Gesellschaftssystem, d. h. in einem System, das Menschen in zwei Geschlechter einordnet – Männer und Frauen – und Frauen strukturell benachteiligt. Im Patriarchat haben Frauen weniger Macht und Ressourcen als Männer. Ihnen wird die reproduktive gesellschaftliche Arbeit zugewiesen, diese geschlechtliche Arbeitsteilung wird durch Ehe und Familie institutionalisiert.  Die Geschlechtertrennung und die patriarchalen Verhältnisse werden legitimiert, indem Männern und Frauen vermeintlich natürliche männliche und weibliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Sexualisierte Gewalt ist ein zentraler Bestandteil des Patriarchats: Machtausübung in Form von sexualisierter Gewalt sichert die bestehenden patriarchalen Machtverhältnisse. Der Kampf gegen sexualisierte Gewalt bedeutet daher auch immer, sich gegen patriarchale Verhältnisse zu wenden – und umgekehrt.

Betroffenengerechtigkeit 

Betroffenengerechtigkeit heißt für uns als Verband: Wir stellen bei sexualisierter Gewalt die Perspektive der Betroffenen in den Vordergrund. Wir wollen durch unsere Haltung und unser Handeln größtmögliche Gerechtigkeit für Betroffene herstellen. Betroffene sollen sicher sein können, dass sie ernst genommen werden, wenn sie sich aufgrund erfahrener sexualisierter Gewalt beim Verband melden. 

Betroffenengerechtigkeit bedeutet auch, dass die Betroffenen bestimmen, welches Verhalten für sie sexualisierte Gewalt ist - denn was als sexualisierte Gewalt wahrgenommen wird, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. 

Außenstehende, die von Vorwürfen sexualisierter Gewalt erfahren, wollen häufig wissen, was “wirklich” passiert ist, forschen nach Gründen für oder nach Einzelheiten der Tat oder wollen die Unschuld der Person unter Verdacht beweisen. Dies stellt die Wahrnehmung der Betroffenen in Frage und ist ein wesentlicher Grund, warum es für viele Betroffene sexualisierter Gewalt sehr schwierig ist, jemandem vom Erlebten zu erzählen. 

Wichtig ist, dass die Betroffenen nicht die Verantwortung für Konsequenzen tragen, die der Verband zieht. Dies kann zu Überforderung und im schlimmsten Fall dazu führen, dass Betroffene sich gar nicht erst melden. Entscheidungen über Interventionen müssen von den Verantwortlichen im Verband getroffen werden. Hierbei ist es wichtig, Betroffene in alle Entscheidungen und Prozesse einzubinden und diese möglichst im Sinne der Betroffenen zu gestalten. 

Betroffenengerechtigkeit bedeutet für unsere Verbandspraxis, dass wir uns auf die Seite der betroffenen Menschen stellen. Dies bedeutet nicht, dass wir die Person unter Verdacht verurteilen. Wir als Verband sind nicht für die Aufklärung und die Ermittlung von Straftaten zuständig. Wenn uns Betroffene von erlebter sexualisierter Gewalt erzählen, glauben wir ihnen und ziehen als Verband Konsequenzen, die die Betroffenen schützen und mit denen wir uns klar gegen die Tat positionieren.

Orientiert an:  Elisa Kassin & Holger Specht, inmedio

 

3. Ansprechpersonen und Organe

Auf Bundesebene gibt es eine ständige Arbeitsgruppe Prävention sexualisierter Gewalt, die eine Gesamtstrategie für den Verband entwickelt hat und Gliederungen berät. Des Weiteren ist ein*e hauptamtliche politische*r Sekretär*in für das Thema zuständig.

Auch auf Gliederungsebene gibt es in vielen Gliederungen Arbeitsgruppen und Schutzkonzepte. Helfer*innen werden vor Zeltlagern geschult und das Thema sexualisierte Gewalt auf altersgerechte Art und Weise mit den Teilnehmer*innen besprochen.

 

Bundessekretär*in Prävention sexualisierte Gewalt

Im Bundesbüro ist eine politische Sekretär*in für den Bereich Prävention sexualisierter Gewalt auf Bundesebene zuständig.

Die Aufgaben der Bundessekretär*in sind:

  • Vorantreiben der Gesamtstrategie zu Prävention sexualisierter Gewalt des Bundesverbandes
  • Beratung der Gliederungen in Fragen der Prävention sexualisierter Gewalt sowie im Umgang mit sexualisierter Gewalt
  • Organisation von Schulungen/Seminaren zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt
  • Erarbeitung und Aktualisierung von Schutzkonzepten für Veranstaltungen der Bundesebene
  • Dokumentation der Vorfälle im Verband

Die derzeitige Bundessekretärin ist Magda Müssig. Sie ist erreichbar unter: magda.muessig[at]sjd-die-falken.de und 030-261 030-19.

 

Ständige Arbeitsgruppe Prävention sexualisierte Gewalt

2017 hat der Bundesvorstand die ständige Arbeitsgruppe (AG) Prävention sexualisierter Gewalt eingerichtet.

Die AG hat folgende Arbeitsschwerpunkte:

  • Erarbeitung und Umsetzung einer Gesamtstrategie zur strukturellen Prävention sexualisierten Gewalt der SJD – Die Falken
  • Organisation von Schulungen/Seminaren zum Thema Prävention sexualisierter Gewalt
  • Aufbau eines Referent*innen- und Expert*innenpools
  • Lobbyarbeit

Die AG besteht aus Verbandsmitgliedern, die nachgewiesene Kenntnisse, Erfahrungen und Qualifikationen in der Thematik Prävention sexualisierter Gewalt haben. Gegenwärtig sind fünf Personen aus den Gliederungen in der AG, außerdem die Bundesvorsitzende Loreen Schreck sowie die Bundessekretärin für Prävention sexualisierter Gewalt Magda Müssig.

Die AG ist erreichbar unter: psg[at]sjd-die-falken.de

 

Ansprechpersonen in den Gliederungen

Landesverband Baden-Württemberg

Jessica Roth und Peter Sator

Kreisverband Bremen

Merle Willemsen

Kreisverband Bremerhaven

Anna M.

Landesverband Hessen

Sarah Tolba

Landesverband Mecklenburg-Vorpommern

Bildungsreferentin des Landesverbandes

Landesverband Niedersachsen

Christopher Krauß & Rebecca Hellmann

Landesverband Nordrhein-Westfalen

Karla Presch

Landesverband Sachsen

Ildikó Jahn & Marie Kreutel

Landesverband Schleswig-Holstein

Nathalie Kegel

 

4. Beschwerdemöglichkeiten

Personen, die sexualisierte Gewalt bei den Falken erlebt haben, können sich an die Ansprechperson ihrer jeweiligen Gliederung wenden.

Ist dies nicht möglich, können sie sich an die Ansprechperson des Bundesverbandes wenden.

 

5. Dokumentation von (Verdachts-)Fällen sexueller Gewalt 

Wann wird dokumentiert?

  • Ein Kind, ein*e Jugendliche*r, ein*e Helfer*in oder ein*e Erziehungsberechtigte*r schildert Beobachtungen oder eigene Erlebnisse mit anderen Personen, die er*sie*es als sexuelle Gewalt empfunden hat. 
  • Ihr selbst habt eine Beobachtung gemacht, in der ihr das Verhalten einer Person als sexuelle Gewalt wahrgenommen habt.
  • Ihr seid euch unsicher, ob eine Person sexuelle Gewalt ausgeübt hat. Möglicherweise war ein Verhalten unangenehm oder unangemessen und kann pädagogisch bearbeitet werden. 
  • Ihr wollt euch etwas merken bzw. im Auge behalten, das euch komisch vorkam, aber es liegt kein konkreter Verdacht vor („Vermutungstagebuch“). 

Je nach Gesprächssituation ist es vielleicht nicht möglich, sich während eines Gesprächs Notizen zu machen. Fertigt in diesem Fall am besten zeitnah ein Gedächtnisprotokoll an. Füllt bei der Dokumentation alle Punkte aus, die ihr wisst. Wenn ihr etwas nicht wisst, macht das entsprechend deutlich.

Wer hat sich gemeldet? 

Soweit ihr das wisst, natürlich sind auch anonyme Meldungen möglich.

  • (Name) 
  • Datum der Meldung 

Wer steht unter Verdacht? 

  • (Name) 
  • Funktion 

Um welches Kind/Jugendlichen geht es? Wie viele sind potentiell betroffen? 

Bei der Weitergabe der Dokumentation könnt ihr die Betroffenen anonymisieren, auch wenn ihr sie kennt.

  • (Name) 
  • Gruppe 
  • Alter 
  • Geschlecht 

Was wurde beobachtet und von wem? 

Bitte nur Fakten dokumentieren, keine eigenen Wertungen! Achtet darauf, entsprechend deutlich zu machen, wenn ihr Dinge wiedergebt, die euch mitgeteilt wurden, die ihr aber nicht selbst beobachtet habt. Das bedeutet nicht, dass ihr der Person nicht glaubt, sondern nur, dass ihr sauber dokumentiert. Wenn ihr eine Deutung für wichtig haltet, macht auch hier entsprechend deutlich, dass es eure Interpretation ist.

  • Datum 
  • Uhrzeit 
  • Situationsbeschreibung 
  • Was wurde getan bzw. gesagt? 
  • Worauf gründet sich der Verdacht? 

Wurde über die Beobachtung/den Verdacht schon mit anderen Helfer*innen, Mitarbeiter*innen, Fachberatungsstellen, Polizei etc. gesprochen? 

  • Wenn ja, mit wem? 
  • Name 
  • Institution/Funktion 
  • Evtl. Kontaktdaten 

Absprache 

  • Wann soll wieder Kontakt aufgenommen werden? 
  • Was soll bis dahin von wem geklärt sein? 
  • Wurden konkrete Schritte vereinbart? wenn ja, welche?

Wenn es neue Erkenntnisse gibt und sich der Verdacht als unbegründet herausstellt, ist es wichtig, die Dokumentation nicht wegzuwerfen, sondern zu dokumentieren, wie sich der Verdachtsfall aufgelöst hat. So können auch Vorwürfe im Nachhinein nachvollzogen und ggf. ausgeräumt werden. Bei neuen Vorfällen können diese im Kontext früherer Dokumentationen bewertet werden. 

 

6. Hilfreiche Links

Beweissicherung

Zur Beweissicherung gibt es die Möglichkeit anonymer Spurensicherung.

https://www.frauenrechte.de/unsere-arbeit/themen/haeusliche-und-sexualisierte-gewalt/unterstuetzung-fuer-betroffene/anonyme-spurensicherung

Childhood-Häuser

In einigen Städten gibt es außerdem sogenannte Childhood-Häuser: Diese sind Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche, die Opferzeugen sexueller Gewalt geworden sind. Hier wird interdisziplinär zusammengearbeitet, sodass das Kind seine Geschichte nur einmal erzählen muss und nicht durch verschiedene Institutionen befragt wird. 

https://www.childhood-haus.de 

Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch der Unabhängigem Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) 

Das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch der Unabhängigem Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM)  ist ein Angebot der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Es bietet viele Informationen zum Thema und unterstützt dabei, Hilfe- und Beratungsangebote vor Ort, online und telefonisch zu finden.

https://www.hilfe-portal-missbrauch.de

Willkommen auf unserer neuen Homepage!
Willkommen auf unserer neuen Homepage!

Wir gehen jetzt frisch online mit euch und freuen uns, dass ihr da seid!

Nein zum Krieg, nein zur Zeitenwende!
Nein zum Krieg!

Und Nein zur Zeitenwende.

Termine

06.01.2023, 18:00 bis 08.01.2023, 12:00

Liebesbeziehungen im Patriarchat
Am ersten Januarwochenende 2023, veranstaltet von der Mädchen- und Frauenpolitischen Kommission

13.01.2023, 18:00 bis 15.01.2023, 13:00

Rosa & Karl - Seminar
Ein Wochenende voller Workshops und Begegnungen zu den sozialistischen Vordenker*innen und Kämpfer*innen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, das die SJD - Die Falken traditionell rund um ihre Todestage in unserer Jugendbildungsstätte in der Nähe von Berlin veranstalten.

03.02.2023, 18:00 bis 05.02.2023, 13:00

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