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Artikel

11.05.2023

Loreen Schreck kandidiert erneut als Bundesvorsitzende

Der Kandidatinnenbrief von Loreen Schreck

Loreen Schreck
Loreen Schreck

Liebe Genoss*innen,

die Bundeskonferenz 2023 steht vor der Tür und ich freue mich, dass diese glücklicherweise wieder wie üblich live stattfinden kann. Auch wenn wir alle dazu beigetragen haben, dass die hybride BuKo vor zwei Jahren gut über die Bühne gegangen ist, kann ich euch sagen: Ich freue mich euch dieses Jahr wieder alle an einem Ort und nicht nur in Zoom-Kacheln zu sehen, wenn ich mich ein zweites Mal als Kandidatin für den Bundesvorsitz vorstelle und nochmal für zwei Jahre um euer Vertrauen bitten. Ich unterschreibe diesen Brief mit meinem bürgerlichen Namen Loreen Schreck, aber ihr wisst ja: Freund*innen und Genoss*innen nennen mich Lolo.

Auch die letzten zwei Jahre sind nicht gerade ereignisarm gewesen. Die krisenhaften Erscheinungen rund um die Corona-Pandemie steckten und stecken uns allen – vor allem auch den Kindern und Jugendlichen, die sich bei uns organisieren – in den Knochen. Dann überfiel Russland die Ukraine und die scheinbare Sicherheit des Friedens in Europa ist letztlich gescheitert. Dies hinterlässt Verunsicherung und Angst in der Bevölkerung.

Als Verband haben wir es auch in dieser Zeit geschafft, gemeinsam solidarische Debatten zu führen, uns eine Meinung und Haltung herauszubilden und diese in angemessener Form in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. In der innerverbandlichen Meinungsbildung haben wir an die antimilitaristische Perspektive unseres Verbands angeknüpft, Übersetzungsarbeit geleistet, die längst überfällig war und auch über inhaltliche Differenz hinweg das Wichtigste – unsere gemeinsame Praxis im Interesse der Arbeiter*innenkinder und -jugendlichen – nicht aus den Augen verloren. Die gesellschaftliche Meinungsbildung war bald abgeschlossen und hat sich seither kaum mehr bewegt, außer im Ruf nach noch mehr und noch schwereren Waffen. Unsere Position darin war von Anfang an eine einsame; erst als „vulgär-pazifistisch“ belächelt, mittlerweile als „Vaterlandsverrat“ verhasst. Doch genau das ist der Punkt: Als Sozialist*innen haben wir kein Vaterland! Wenn eine ganze Gesellschaft sich wieder einen (militärisch) starken Nationalstaat wünscht, bereit ist, sich dem komme was wolle unterzuordnen und dabei die Auswirkungen auf die arbeitende Klasse völlig ignoriert, dann ist das der Moment in dem wir vernunftgeleitet widersprechen müssen.

Dem haben wir uns als Verband selbstbewusst gestellt und ich bin mir sicher, dies werden wir auch weiterhin. Ich freue mich darauf, mit euch den Leitantrag, den der Bundesvorstand vorgelegt hat, zu diskutieren, um genau das zu tun, woran der Rest der Welt gerade scheitert: Einen solidarischen Diskurs zu führen, offen für die Argumente der anderen zu sein, gemeinsam unsere Analyse weiter zu schärfen und damit den Grundstein für die kommenden zwei Jahre zu legen. Im Gegensatz zum Rest der Welt tun wir das als Erziehungs- und Bildungsverband immer mit einer praktischen Perspektive.

Und genau das ist die Stärke unseres Verbands: Wir schaffen die Verbindung von Theorie und Praxis, von Politik und Pädagogik in unserer Sozialistischen Erziehung. Sozialistische Erziehung bedeutet, Kinder und Jugendliche in ihren Erfahrungen ernst zu nehmen und ihnen einen Raum zu bieten, in dem sie sich ausprobieren und sich solidarisch mit anderen organisieren können. Das bedeutet, einen Raum zu bieten, in dem Kinder und Jugendliche erkennen können, dass wir alle in dieses kapitalistische System eingebunden sind und die Meisten von uns dabei nur verlieren können. Das bedeutet, einen Raum zu bieten, in dem Kinder und Jugendliche mit dieser Erkenntnis der eigenen Verstricktheit in das System erkennen können, dass es nicht ihr individuelles Versagen ist, sondern strukturell angelegt, wenngleich verschleiert durch ein neoliberales Glücksversprechen. Das bedeutet, einen Raum zu bieten, um einen gemeinsamen politischen Willen heraus zu bilden, aber auch, um Freund*innen und Genoss*innen zu finden, mit denen man Spaß haben und sich gegenseitig Kraft geben kann, um gemeinsam für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen.

Ich will mit euch allen für eine bessere Welt streiten. Dafür müssen wir die aktuellen gesellschaftlichen Gegebenheiten genau analysieren, unsere Kritik formulieren und uns gemeinsam organisieren. Aus meiner Sicht müssen wir dafür unsere Staatskritik neu denken. Wir müssen endlich auch sozialistische Antworten auf die Klimakrise finden, damit es weiterhin eine Lebensgrundlage für die Arbeiter*innen weltweit geben kann. Gleichzeitig müssen wir unsere innerverbandlichen Strukturen so aufstellen, dass wir auch in einer Zeit, in der Massenorganisationen politischen Kampagnen gewichen zu sein scheinen, weiter handlungsfähig sind, ohne unsere Verbandsprinzipien dabei aufzugeben. Denn wir wissen auch, dass es eine gewisse Verbindlichkeit braucht, um gemeinsam etwas zu erreichen. All das macht unsere Arbeit nur noch wichtiger. Ich bin davon überzeugt, dass unser Verband und unsere Praxis der sozialistischen Erziehung sowie der kollektiven Bildung Antworten auf die Probleme dieser Welt liefern können. Das Ziel muss sein, ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Die letzten zwei Jahre, die Klassenfahrt und unsere Auseinandersetzung mit den Themen Klasse und Klassenkampf haben unser gemeinsames Bewusstsein geschärft und uns als Verband vorangebracht. Aber diese Auseinandersetzung darf nun nicht vorbei sein. Wir müssen sie einfließen lassen in unsere Auseinandersetzung mit dem Staat, der uns nicht gerade wohlgesonnen gegenübersteht. Als sozialistischer Kinder und Jugendverband müssen wir gerade jetzt unsere eigene Situation als Teil der nicht-besitzenden Klasse betrachten. Wir müssen uns anschauen, was die so called „Zeitenwende“ und die Militarisierung der Gesellschaft mit uns als Teil der internationalen Arbeiter*innenklasse machen. Wir Falken müssen den Finger in die Wunde legen, uns mit den Arbeitenden dieser Welt zusammenschließen und uns gegen das kapitalistische System organisieren, um es zu überwinden: Unser Ziel heißt Sozialismus. Gleichzeitig müssen wir unsere materielle Basis in den Jugendringen und Jugendhilfeausschüssen verteidigen, denn diese Zeitenwende hat unmittelbare politische Auswirkungen für uns als Verband. Der Staat wird, je ernster es wird, alle zivilen Bereiche den eigenen Zwecken unterordnen. Wie nützlich sind wir für den deutschen Staat, wenn es hart auf hart kommt? Wie lange wird sich der Staat eine womöglich aufmüpfige Zivilgesellschaft noch leisten? Das ist die Situation, in der wir uns befinden. Deshalb ist jetzt die Zeit, um mutig zu sein.

Das ist was ich euch anbiete; meinen Mut, meine Kraft, meine Leidenschaft aber vor allem meine volle Überzeugung, dass es genau unseren Verband braucht, um diesen Sieg zu erringen, den es braucht, damit ein gutes Leben für alle möglich ist.
Dies möchte ich in den kommenden zwei Jahren gemeinsam mit euch tun. Ich setze dabei auf euer Vertrauen, eure Anregungen und eure Kritik.

In diesem Sinne: Freundschaft!

Loreen Schreck

 


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