Die Ausstellung im Luise & Karl Kautsky - Haus

Text von Anke Asfur, Bilder und Grafiken von Gerd Beck

Im Souterrain, dem Seminarbereich der Bildungsstätte, haben die Falken in Zusammenarbeit mit dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung und dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Ausstellung zu Leben und Wirken von Luise und Karl Kautsky und zu Aspekten der Geschichte der Arbeiterjugendbewegung installiert.

Die Ausstellung verfolgt im Wesentlichen folgende Ziele:

  • Sie soll den Besucherinnen und Besuchern den Bezug des Hauses verdeutlichen, d. h. Leben und Wirken des Ehepaars Kautsky erläutern.
  • Sie stellt die Tradition des Hauses als Ort der lebendigen Diskussion, als Ort der wissenschaftlichen und theoretischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Fragen der Zeit, als Ort zur Entwicklung praktischer Lösungsansätze heraus.
  • Als Bundesgeschäftsstelle und Bildungsstätte der SJD-Die Falken soll das Haus ein Ort der Identitätsbildung des Jugendverbandes sein (Selbstvergewisserung durch den Blick auf die eigene Verbandsgeschichte) und diese Identität auch nach außen vermitteln.

Inhaltliches Konzept

Die Ausstellung vermittelt einerseits Leben und Wirken der Namensgeber des Hauses und liefert andererseits vor dieser (historischen) Folie Impulse für eine aktive Auseinandersetzung innerhalb der politischen und gesellschaftlichen Jugendarbeit. Das heißt, es wird ein Bogen gespannt vom historischen Kontext der Kautskys zur aktuellen politischen Bildungsarbeit. Den (jugendlichen) Betrachtern soll ersichtlich werden, dass die damals in diesem Haus durch die "Großen" der Sozialdemokratie diskutierten Fragen noch immer aktuell sind und weiterer Lösungsansätze bedürfen. Die beiden Themenkomplexe "Kautsky" und "Arbeiterjugendbewegung" werden dabei nicht getrennt dargestellt, sondern direkt thematisch miteinander verknüpft.

Die Leitmotive

Zwei Leitmotive bilden den inhaltlichen Rahmen der Ausstellung: Die "Kaffeetafel" ist das Einleitungsbild der Ausstellung und dient der Vermittlung des roten Fadens "Offenes Haus der lebendigen Diskussion und der Bildung".

Die "Kaffeetafel". Historische Persönlichkeiten sind Ausgangspunkt für die Ausstellung

Die "Kaffeetafel". Historische Persönlichkeiten sind Ausgangspunkt für die Ausstellung

Die Idee dahinter: Das Haus der Kautskys war ein Haus, in dem nachweislich viele führende Vertreter der deutschen und der europäischen Arbeiterbewegung verkehrten. Mit August Bebel und Rosa Luxemburg verband die Kautskys sogar eine sehr enge, freundschaftliche Beziehung, die auch von der unmittelbaren Nachbarschaft lebte.

Diese faktische Überlieferung eines gastlichen Hauses, in dem über die Ziele der Arbeiterbewegung diskutiert wurde, wird erweitert in einem Bild, in dem mehrere maßgeblich an den Debatten der Zeit beteiligten Personen an einer Tafel versammelt sind, rund um das Ehepaar Kautsky als Gastgeber. Damit ist die Kaffeetafel nicht mehr faktisch, sondern fiktiv. Vermittelt werden soll ein Bild lebendiger und durchaus kontroverser Diskussion. Um eine Brücke zur heutigen Nutzung zu schlagen, finden sich im Bild der Kaffeetafel auch Personen des 21. Jahrhunderts wieder - so, wie sie sich in den Gruppen der SJD - Die Falken finden könnten.

Das andere Leitmotiv der Ausstellung ist die Einteilung in Themenkomplexe, die diachron, im zeitlichen Längsschnitt, behandelt werden. Eine Verbindung von Luise und Karl Kautsky mit der Geschichte und Gegenwart der Arbeiterjugendbewegung lag vordergründig so erst einmal nicht auf der Hand - außer natürlich die Tatsache, dass beide auch in den Organen der Arbeiterjugendbewegung publizierten und dass die Schriften von Karl Kautsky (bspw. zum Thema Marxismus) durchaus gründlich von den Jugendlichen rezipiert wurden.

Auf der anderen Seite sind die Themen, mit denen sich die Kautskys auseinandergesetzt haben, immer auch Themen der Arbeiterjugend gewesen und sind es bis heute. So kann an jedem Themenkomplex dargestellt werden, welche Sichtweise Luise und/oder Karl Kautsky vertraten, wie - teilweise kontrovers - das Thema innerhalb der Arbeiterbewegung diskutiert wurde, und wie sich die Arbeiterjugendbewegung seit über 100 Jahren mit den Themen auseinandersetzt.

Jedes dieser Themen lässt sich mit mindestens einer Person an der "Kaffeetafel" verbinden, die maßgeblichen Einfluss auf die zeitgenössische Debatte hatte. Häufig nahmen diese Personen dabei konträre Standpunkte zu den Kautskys ein.

Struktur

Die Ausstellung im Luise & Karl Kautsky - Haus


Sechs zeitübergreifende Themen werden in der Ausstellung ausführlich behandelt:

  • Antifaschismus über die historische Person Clara Zetkin
  • Antimilitarismus über die historische Person Karl Liebknecht
  • Internationalismus über die historische Person Kurt Löwenstein
  • Marxismus, über die historische Person Eduard Bernstein
  • Demokratie über die historische Person Rosa Luxemburg
  • Geschlechtergerechtigkeit über die historische Person August Bebel


Die Ausstellung im Luise & Karl Kautsky - Haus


Jedes Thema besteht aus folgenden Elementen:
Einleitungstext, historische Debatte, Biografie, Lexikontexte, Sicht der Arbeiterjugendbewegung, und entsprechende Materialien.
Der Einleitungstext bietet einen Einstieg über aktuelle Bezüge zum Thema: Welche Fragen beschäftigen uns heute? Warum ist das Thema heute relevant?Es geht darum, die Besucherinnen und Besucher in ihrer Gegenwart zu erreichen, sie bei eigenen Fragen, bei ihrer eigenen politischen Arbeit abzuholen. Der Text dient auch als Einleitung für den Blick auf die historische Perspektive, den Rückblick auf die Zeit von Karl und Luise Kautsky. Hier wird die Sicht Kautskys im Zusammenhang mit den kontroversen Debatten innerhalb der Arbeiterbewegung erläutert. Wo es möglich war, dokumentieren zeitgenössische Quellen und Bilder das Thema. Die historische Person, die maßgeblich neben Kautskys mit dem Thema verbunden ist, wird mit einer kurzen Biografie und ihren Statements vorgestellt. Besondere Begriffe werden zum besseren Verständnis in zusätzlichen Lexikontexten näher erläutert. Einen wesentlichen weiteren Teil des Themenkomplexes nimmt die Darstellung der Sichtweise der Arbeiterjugendbewegung ein: Wie wurde und wird das Thema innerhalb der Arbeiterjugendbewegung behandelt?
Historisches und aktuelles Quellen- und Bildmaterial dokumentiert die Arbeit des Verbandes.
Das reichhaltige Quellen- und Bildmaterial der einzelnen Themenkomplexe insgesamt stammt aus dem Archiv der Arbeiterjugendbewegung und dem Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, ergänzt durch Fotografien aus dem Bestand des Internationalen Instituts für Sozialgeschichte in Amsterdam.

Umsetzung und Gestaltung

Die einzelnen Themenfelder der Ausstellung - einschließlich der Biografien, der Tätigkeit als Publizisten und der Geschichte von Friedenau - sind inhaltlich sehr komplex. Die Zielgruppe der Ausstellung sind Besucherinnen und Besucher des LKKH, Mitglieder des Jugendverbandes, vor allem aber Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Seminaren. Insgesamt ist von einer kurzen Verweildauer der Ausstellungsbesucher auszugehen, z. B. während der Kaffeepause eines Seminars. Darum war es für die Umsetzung der Ausstellung wichtig, die einzelnen Themenkomplexe in ihrem Kern zu erfassen und möglichst kurz und prägnant darzustellen.

Die Ausstellung. Schiebetafeln laden zur Umgestaltung ein.

Die Ausstellung. Schiebetafeln laden zur Umgestaltung ein.

Wer sich weitergehend mit einem Thema beschäftigen möchte, findet z. B. in der Kautsky-Bibliothek Material.
Die Informationen, Bilder, Quellen, Ausstellungstexte, zu den o.g. Themenkomplexen sind auf Tafeln aufgebracht, die sich Besucherinnen und Besucher durch Verschieben in den Blick rücken können, um so die thematischen Einheiten nach eigenem Wunsch zu erfassen.
Alle Einheiten sind grafisch nach demselben Muster und einer jeweiligen Farbscala gestaltet, so dass es nach einer ersten Orientierung schnell möglich ist, Texte zur Kautsky-Zeit, Lexikontexte oder Darstellungen zur Arbeiterjugendbewegung voneinander zu unterscheiden und in den anderen Ausstellungseinheiten jeweils wiederzufinden.
Die Farbgebung findet sich wiederum auf der "Kaffeetafel" im Empfangsbereich wieder, so wird auch optisch eine Verbindung zwischen der Kaffeetafel und den Ausstellungseinheiten hergestellt.

Leben und Wirken der Kautskys in Friedenau und darüber hinaus

Natürlich kann eine Ausstellung im Hause Saarstraße 14 nicht auskommen ohne den Bezug zu Luise und Karl Kautsky selber. Neben den sechs angesprochenen Themenbereichen finden sich in der Ausstellung darum an zentraler Stelle die Biografien von Luise und Karl Kautsky sowie ein Überblick über ihr Wirken als Publizisten. Zur Verortung des LKKH im Stadtteil gibt es zudem einen Bereich über Friedenau und die Wohnorte der Kautskys, Rosa Luxemburgs und August Bebels. Alle drei Themen werden durch kurze Texte erläutert und mit reichlich Bild- und Textmaterial in je einem digitalen Bilderrahmen ergänzt.

Die Kautskys im Ausstellungsbereicht, digital reich ergänzt

Die Kautskys im Ausstellungsbereicht, digital reich ergänzt

Des Weiteren enthält jedes Thema der Ausstellung Hinweise auf Schriften der Kautskys. Mit diesen Hinweisen wird ein Bezug hergestellt zur Kautsky-Bibliothek im Hochparterre des Hauses. Diese kann genutzt werden, um sich intensiver mit Luise und Karl Kautsky und ihren Publikationen auseinanderzusetzen.


Impressum der Ausstellung

Konzeption:

Sven Frye, Rinske Reiding, Nico Runge (SJD - Die Falken, Bundesvorstand)
Dr. Alexander J. Schwitanski (Archiv der Arbeiterjugendbewegung)
Mario Bungert (Archiv der sozialen Demokratie - Friedrich-Ebert-Stiftung)
Anke Asfur (Zeitkontext - Dienstleistungen für Wissenschaft, Kultur und Medien)
Gestaltung:

Ausstellungs-Design: Markus Zink, Agnes Gensichen, Dirk Lüde
Grafik-Design: Gerd Beck, Christina Hausiel, Jan Tautenhahn

Künstlerische Gestaltung: Stefan Kübler