Für eine antisexistische Bildungsarbeit aus feministischer Sicht!

10.03.2014: Redebeitrag von Josephin Tischner, Bundesvorsitzende, am 8. März 2014 bei der Demo zum Frauenkampftag 2014.

"But why do all the girls have to buy pink stuff and all the boys have to buy differenct colour stuff?”


Girls have to buy pink stuff Das Video mit der vier Jahre alten Riley, die in einem Spielzeugladen steht und sich über das vermeintlich geschlechtstypische Angebot aufregt.

Link zum Video: www.youtube.com/watch?v=-CU040Hqbas

"Das Video [...], fasst unser Problem ganz gut zusammen: Der Geschlechterterror betrifft Kinder ab ihrer Geburt. Von Anfang an wird entschieden: Junge oder Mädchen. Kinder sind von ihrer Geburt an rosa oder blau. Das entscheiden nicht die Kinder selbst. Manchmal auch nicht die Eltern. Sondern die ganze Gesellschaft zusammen.

Und alle wirklich alle sind sich sicher: Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten. Das nächste Problem ist: Mädchen und Jungen werden unterschiedlich erzogen. Sie werden konsequent dazu aufgefordert, sich dem einen oder dem anderen Rollenbild zu fügen. Das betrifft Jungs, die stets ihre Männlichkeit unter Beweis stellen müssen. Das betrifft aber auch Mädchen, die besonders gelobt werden, wenn sie still sitzen und malen. Oder eben mit dem Puppenwagen spazieren gehen.

Warum müssen alle Mädchen Prinzessinnen kaufen und alle Jungs Superhelden?

Manche Mädchen mögen Prinzessinnen und manche mögen Superhelden!

Das fragt sich Riley in dem Video weiter. Unser Problem mit dieser sexistischen Erziehung ist folgendes: Mädchen werden auf ihre Rolle als Frau vorbereitet. In dieser Rolle erledigen sie den Haushalt, erziehen die Kinder, schminken sich hübsch und begeistern alle mit ihren Kochkünsten. Alle diese Sachen können Spaß machen und sind teilweise sehr wichtig für uns als Gesellschaft. Alle diese Sachen werden aber zum Problem, wenn frau es sich nicht aussuchen kann. Es entsteht ein Zwang, der zur Unterdrückung wird. Und das ist für uns das Problem!

Wenn dann alle ganz genau wissen, ob sie ein Mädchen oder ein Junge sind und alle ganz genau verstanden haben, wie Jungs und Mädchen so sind, geht es weiter mit der Schule. Es stimmt, dass Mädchen bessere Ergebnisse in der Schule erzielen als Jungen. Sind sie deswegen schlauer als die Jungs? Ist die Schule schlecht zu Jungen? Müssen wir bessere Chancen in der Schule für Jungs fordern? Natürlich nicht!

Wir müssen genauer hinschauen. Wie ist die Schule organisiert?

Welche Kompetenzen werden gebraucht? Wer schnell versteht, was verlangt wird und sich schnell entsprechend verhält, hat klare Vorteile. Eigenschaften, die besonders Mädchen anerzogen werden, sind Eigenschaften, die in der Schule abgefragt werden. Die Anforderungen in der Schule passen zum weiblichen Rollenbild. Das heißt noch lang nicht, dass es den Mädchen besser geht. Erstens leiden Mädchen deutlich häufiger unter psychischen Krankheiten. Zweitens sind die beruflichen Laufbahnen von Mädchen und Frauen trotz besserer Bildungserfolge nicht besser, sondern schlechter als von Männern. Weniger Aufstieg, weniger Verantwortung, weniger Gehalt.

Deswegen finden wir, dass es nicht Jungenförderung braucht. Es braucht eine fundierte Schulkritik! Schule unterdrückt Kinder und Jugendliche. Schule ist ein sexistisches System.

Dabei ist Bildungsarbeit so wichtig für die Emanzipation von Frauen und Mädchen. Die politischen Kämpfe, die hier und anderswo geführt werden, müssen von kritischer politischer Bildung begleitet werden. Unser Konzept der Sozialistischen Erziehung bedeutet antisexistische Bildung aus feministischer Sicht.

Für eine Welt, in der alle Geschlechter ohne Unterdrückung existieren können!"
Josephin Tischner