Gewalt gegen Frauen bekämpfen: Frauenhäuser unterstützen!

25.11.2020: In Krisen wie der Coronapandemie sind Frauen besonders von Gewalt im eigenen Zuhause betroffen. Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen machen wir uns für eine größere Unterstützung von Frauenhäusern stark.

Gewalt gegen Frauen bekämpfen: Frauenhäuser unterstützen!

Seit dem 2. November gelten wieder verschärfte Kontaktbeschränkungen: Treffen sind nur noch in Kleinstgruppen möglich und die Orte unseres Soziallebens - Gruppenräume, Jugendzentren, Kneipen, Sportvereine und Freizeiteinrichtungen - sind geschlossen. Während in den Werkshallen und Büros, in denen Home Office für die Lohnabhängigen keine Option ist, munter weiter gearbeitet werden muss, damit die großen Unternehmen unbehelligt Profite machen können, tragen wir die Last der Coronamaßnahmen in unserer Freizeit.

Das ist für alle Lohnabhängigen schlecht, denn einen selbstbestimmten Ausgleich zum Arbeits- und Lernstress haben wir nun kaum noch. Frauen trifft das faktische Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden aber besonders hart: Jede vierte Frau erleidet in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt durch den eigenen Partner. Statistisch gesehen ist das eigene Zuhause für Frauen damit der gefährlichste Ort.

Wir wissen bereits, dass Männer in mit Isolation verbundenen Krisensituationen häufiger Gewalt gegen Frauen und Kinder ausüben. Die psychische Überlastung durch Isolation, Unsicherheit hinsichtlich der eigenen ökonomischen Existenz, sowie fehlende Ausgleichsmöglichkeiten trifft uns alle. Nun müssen wir aber zusätzlich befürchten, dass die ohnehin bereits gigantischen Ausmaße von häuslicher Gewalt gegen Frauen in die Höhe schießen. Bereits 2018 - ohne den Druck der Coronakrise - gab es dem Bundeskriminalamt zufolge 114.393 "versuchte oder vollendete" Gewaltdelikte gegen Frauen durch ihre eigenen Partner. 122 Frauen wurden von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet.

Diese Situation wird dadurch verschlimmert, dass viele Frauenhäuser schon vor der Coronakrise beinahe vollständig ausgelastet waren. Für eine geschützte Unterbringung jener Frauen, die nun durch die Coronakrise zusätzlich von häuslicher Gewalt betroffen sind, fehlen die notwendigen Räume. Gerade aus diesem Grund ist es notwendig, nun praktische Lösungen zur Entlastung der Frauenhäuser zu entwickeln und diese Räume bereitzustellen.

Dazu äußert sich Micki Börchers, Referentin für Mädchen- und Frauenpolitik im Bundesvorstand der SJD - Die Falken:

"Es ist nun drei Jahre her, dass die Istanbulkonvention in Kraft getreten ist. Ein tragfähiges Konzept zum effektiven Schutz aller Mädchen und Frauen haben wir in Deutschland aber immer noch nicht. Wir begrüßen es zwar, dass die Bundesregierung bis 2023 verstärkt in den Ausbau von Frauenhäusern investiert aber wir Mädchen und Frauen sind gerade jetzt in der Coronakrise auf kurzfristige Lösungen angewiesen. Diesbezüglich herrscht seitens der Bundesregierung allerdings bislang nur Schweigen.

Wir fordern die Bundesregierung auf, unverzüglich ein Konzept zu entwickeln, um leerstehenden Wohnraum, sowie ungenutzte Hotels und Ferienwohnungen zu nutzen, um den Frauenhäusern jenen Raum zur Verfügung zu stellen, den sie brauchen, um allen von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen den gebotenen Schutz zu gewährleisten."


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