8. Mai - Tag der Befreiung!

23.02.2005: Beschluss des Bundesausschusses vom 20.2.2005 in Werftpfuhl

Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken feiert den 8. Mai 2005 als 60. Jahrestag der Befreiung. Vor 60 Jahren erlebte die Menschheit mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 die militärische Zerschlagung des deutschen Faschismus. Dieses Datum markiert den Sieg über das menschenverachtende Regime des Nationalsozialismus. Mörderischer Rassenwahn und Vernichtungskrieg wurden durch das Handeln der HitlergegnerInnen gestoppt:

  • Die Angehörigen der Streitkräfte der Alliierten zerschlugen diese Bedrohung militärisch.
  • Die PartisanInnen und WiderstandskämpferInnen in allen okkupierten Ländern setzten ihr Leben für die Freiheit ein.
  • Auch deutsche AntifaschistInnen kämpften illegal in Deutschland, in den Reihen der PartisanInnen oder gemeinsam mit den alliierten Streitkräften für die Befreiung.

Der 8. Mai war Tag der Befreiung

Der 8. Mai war der Tag der Befreiung für die überlebenden Jüdinnen und Juden Europas; der Befreiung Europas vom Krieg, vom Rassenwahn und von den Weltherrschaftsplänen des deutschen Faschismus; der Befreiung der Länder Europas von der Ausplünderung durch deutsche Konzerne; der Befreiung aus Konzentrationslagern, Zuchthäusern, Gefängnissen und ZwangsarbeiterInnenlagern; der Befreiung politisch und weltanschaulich Andersdenkender; der Befreiung eingeschüchterter, gedemütigter, unterdrückter und gequälter Menschen; der Befreiung auch der Zivilbevölkerung aus Angst, Not, Hunger und Leid. Für 50 Millionen Menschen kam die Befreiung zu spät.

Unsere Tradition und Verantwortung als Sozialistische Arbeiterjugend

Eine der Wurzeln des Widerstands gegen Verfolgung und Krieg, des Überlebenswillens und des demokratischen Wiederaufbaus war die Sozialistische ArbeiterInnenjugendbewegung. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln war ihre Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit war ihr Ziel. Diesen Kampf fortzuführen ist unsere Tradition und unsere besondere Verantwortung als Sozialistische Jugend in Deutschland: Nie wieder Faschismus - Nie wieder Krieg!

Neofaschismus entgegen treten

Dem immer unverschämteren Auftreten stolz und offen an diesem Tiefpunkt der Menschheitsgeschichte anknüpfender NeofaschistInnen in Stiefeln und in Nadelstreifen widersetzen wir uns mit aller Kraft. Ihre Gewalt und ihre menschenfeindlichen verhetzenden Parolen werden wir weder auf der Straße noch in Parlamenten, weder im Internet noch in den Schulen und Betrieben unwidersprochen hinnehmen. Ihrem wachsenden Einfluss setzen wir unseren Widerstand, unsere Gegenargumente und unsere demokratische und solidarische Gegenkultur entgegen. Wir fordern das Verbot aller faschistischen Organisationen. Kein Fußbreit den FaschistInnen!

Die Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen nicht dulden

Entschieden widersprechen wir allen Versuchen der Verharmlosung und Relativierung der Verbrechen des deutschen Faschismus und einer "Normalisierung", die das Verdrängen und Vergessen jeder Schuld und Verantwortung, das Verwerfen aller Lehren aus der Geschichte und das Wiedererstarken alter Großmannssucht meint. In mancher Hinsicht sind die skandalösen Ausfälligkeiten der Neonazis im sächsischen Landtag nichts anderes als die konsequente Zuspitzung einer in der bürgerlichen "Mitte" ohnehin verbreiteten Umdeutung deutscher Geschichte, die das Ende und die Folgen des Zweiten Weltkriegs als Niederlage und als Tragödie für Deutschland ins Bewusstsein rückt, Ursachen, Schuld und Verantwortung verdrängt und letztlich Täter und Opfer der Aggression vertauscht oder zumindest verschwimmen lässt. Auschwitz und Sobibor, Guernica, Warschau, Belgrad und Coventry waren vor Dresden!

Nie wieder!

Der Nationalsozialismus an der Macht wäre ohne Begeisterung und Verblendung, aktive Teilnahme und MitläuferInnentum, Führergläubigkeit und Untertanengesinnung eines großen Teils der Deutschen nicht möglich gewesen. Auch unter ganz anderen historischen Bedingungen sind emanzipatorische politische Bildung, demokratisches Engagement und Zivilcourage deshalb entscheidende Konsequenzen aus dem Bekenntnis "Nie wieder!".

Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll zum Faschismus schweigen

Ebenso notwendig ist die Erinnerung an eine weitere Grundübereinstimmung der antifaschistischen Kräfte nach dem Tag der Befreiung: Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll zum Faschismus schweigen! Als SozialistInnen sehen wir im Faschismus eine Form der bürgerlichen Klassenherrschaft. Die aggressive Kriegspolitik und die Zerschlagung der ArbeiterInnenbewegung dienten insbesondere den Interessen der mächtigsten Teile des Großkapitals. Für ihren Erfolg entscheidend war ein Bündnis des Großkapitals mit den bürgerlichen Eliten in Staatsapparat und Militär und mit um ihre soziale Stellung gebrachten bzw. fürchtenden Angehörigen aller Klassen. Doch ohne die politische Unterstützung und das Geld der deutschen Schwerindustrie und der Großbanken, ohne die Hilfe der Thyssen, Krupp, Siemens und IG-Farben hätten die Nazis niemals an die Macht kommen können.

Wir unterstützen die Forderungen der ehemaligen ZwangsarbeiterInnen nach einer unverzüglichen und angemessenen Entschädigung durch alle Unternehmen, die von Zwangsarbeit profitiert haben.

Deutsche Außenpolitik muss auf Gewalt verzichten

Den 60. Jahrestag der Befreiung vom verheerenden Weltkrieg, der seinen Ausgang in Deutschland nahm, nehmen wir zum Anlass, unsere Forderung zu bekräftigen, dass deutsche Außenpolitik eine Politik des Gewaltverzichts sein muss. Wir lehnen den Umbau und den Einsatz der Deutschen Bundeswehr als Interventionsarmee, die Militarisierung der EU und den Aufrüstungszwang des EU-Verfassungsentwurfs ab und fordern die unverzügliche Einstellung aller kriegerischen Einsätze der Bundeswehr.

Gegen Antisemitismus zur Wehr setzen

Eine entscheidende Lehre aus dem Holocaust ist es, dass wir uns vehement gegen jegliche Strömungen des Antisemitismus einsetzen. Neben dem solidarischen Verhalten mit den in Deutschland immer wieder scharfen Angriffen ausgesetzten jüdischen Gemeinden zählen wir hierzu auch, sich gegen jegliche Versuche zu wehren, das Recht Israels auf eine Existenz in Sicherheit und Frieden in Frage zu stellen.

Den Anfängen zu wehren heißt für uns, jede alltägliche rassistische Ausgrenzung ebenso abzulehnen wie staatliche rassistische Politik. Wir fordern gleiche Rechte für alle, die hier leben und eine Flüchtlings- und Einwanderungspolitik, die der Humanität und dem Schutz vor jedweder Verfolgung verpflichtet ist.

Am 8. Mai Farbe bekennen

Am 8. Mai 2005 gilt es für die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken wie für alle Demokratinnen und Demokraten Farbe zu bekennen, unsere Forderungen zu erheben und vor allem, jedem öffentlichen Auftritt der Neonazis entschieden entgegen zu treten. Zu einem NPD-Aufmarsch darf es weder am Brandenburger Tor in Berlin noch sonst wo kommen!

Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken wird am 8. Mai Präsenz zeigen

  • in Berlin als Teil des "Bündnis zur Vorbereitung des 8. Mai 2005 - 60. Jahrestag der Befreiung", in dessen Rahmen u.a. eine breite antifaschistische Demonstration durch Berlin Mitte, ein großes Befreiungsfest mit angeschlossenem Kinder- und Jugendfest am sowjetischen Ehrenmal sowie die an Bertolt Brecht angelehnte Antikriegsaktion "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIERö vorbereitet werden,
  • anlässlich der Befreiungsfeier im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen gemeinsam mit der Sozialistischen Jugend Österreich an den Gedenktafeln für die Opfer aus der ArbeiterInnenjugendbewegung,
  • und zum Abschluss der 31. Bundeskonferenz in Düsseldorf mit einer öffentlichen und kämpferischen Aktion ein deutliches Zeichen gegen Faschismus und Krieg setzen,
  • sowie an vielen anderen Orten.
  • Nie wieder Faschismus - Nie wieder Krieg!

[Beschluss des Bundesausschusses der SJD - Die Falken, 19./20.02.2005]

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