20 Jahre Rostock- Lichtenhagen und nicht vergessen.

21.08.2012: Deutschland 20 Jahre danach: Es ist an uns, mutig zu sein!

Noch immer ist es schwer zu verstehen, was vor 20 Jahren im August 1992 geschehen ist: Tausende AnwohnerInnen machten systematisch Jagd auf Asylsuchende. Mehrere Tage lang belagerte der deutsche Mob das Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen, in dem sich damals die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAst) für Mecklenburg-Vorpommern und das örtliche Ausländerwohnheim befanden. Die mörderische, rassistische Gewalt kannte keine Grenzen und der Staat sah scheinbar hilflos zu.

Die Pogrome in Rostock waren Bestandteil einer menschenfeindlichen Stimmung gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund in ganz Deutschland zu Beginn der 1990er Jahre. Bereits 1991 tobten Ausschreitungen in Hoyerswerda, im November 1992 wurden drei türkeistämmige Menschen in Mölln und 1993 fünf weitere Menschen in Solingen von Neo-Nazis ermordet. Doch anstatt Rassismus und Neo-Nazis wirkungsvoll zu bekämpfen, änderten die damals politisch Verantwortlichen -im rechten Lager fischend- im Nachgang zu den Ausschreitungen und Mordanschlägen die Asylgesetzgebung und das Recht auf Schutz vor Verfolgung wurde ausgehebelt.

Die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen haben am Ende dazu beigetragen, es Flüchtlingen noch weiter zu erschweren, nach Deutschland zu kommen. So sanken die Zahlen der Asylanträge von 1992 bis 2011 von 438.191 auf nur 45.741[1].

Noch immer beherrschen Populismus und Stammtischparolen die Debatten um die Asylpolitik. Nicht zuletzt die Ermittlungspannen bei der NSU-Mordserie haben auch einer breiten Öffentlichkeit klar gemacht, wie sehr die neonazistische Gefahr von staatlichen Organen unterschätzt wird.

Der Versuch der Abschiebung einer Roma-Familie aus Hamburg Ende Juli 2012 hat sehr deutlich gezeigt, wie menschenunwürdig die Behörden vorgehen. Menschen, die in diesem Land Asyl beantragen, haben oft einen langen und schweren Weg hinter sich und sehr gute Gründe ihre Heimat zu verlassen. Sie fliehen vor Verfolgung, Gewalt und Diskriminierung hierher. Und was erleben sie hier? Genau das, wovor sie geflohen sind.

Es ist an uns, Gesicht zu zeigen, genau hinzuschauen, mutig zu sein
- für eine demokratische, soziale und vielfältige Gesellschaft - gegen Rassismus und Vorurteile!

Am 25. August 2012 wird ein breites Bündnis von AktivistInnen mit einer Demonstration durch Lichtenhagen an die Ereignisse erinnern. Der KV Rostock der SJD - Die Falken beteiligt sich daran und organisiert auch die Beteiligung weiterer Falken. Treffpunkt für alle Falken ist um 11 Uhr am Neuen Markt in Rostock. Wenn ihr dabei sein könnt oder weitere Fragen dazu habt, dann meldet euch im Bundesbüro oder direkt beim KV Rostock.

Mehr zum Thema:
Position - Flüchtlings Kinder
Position - NO PASARÁN!
Position Die Integrationsdebatte - Ein rassistischer Blumenstrauß
Bündnis "Hier geblieben!"
Die TAZ, 1992
Dokumentation "Die Wahrheit lügt (liegt) in Rostock" 1993/ D,GB


[1] Die Zahlen beruhen auf Daten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ^

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Aktion "Keine Grenzen für Kinder - Refugees Welcome"