Falken Ziel von Schmierereien und Pöbeleien

13.12.2006: Die Berliner Morgenpost berichtet von rechtsextremen Übergriffen auf Jugendeinrichtungen der Falken.

Berlin, Neukölln: Druck von Rechts

Besonders in ihrem Jugendclub an der Gutschmidtstraße spüren die Mitstreiter des sozialistischen Jugendverbandes seit Monaten den Druck von rechts. Erst kürzlich konnte nach Einschätzung der Jugendclubbetreiber ein von den Rechtsextremen geplanter Überfall durch schnelles, rechtzeitiges Eintreffen der Polizei verhindert werden.

Folge auf den Einzug der NPD in die Kommunalpolitik

Jugendclubmitarbeiter François Tendeng ist der Meinung, dass sich die Rechtsextremen nach dem Einzug der NPD in die Neuköllner Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) besonders stark fühlen. So habe es in den letzten zwei Monaten drei Vorfälle gegeben: Am 3. Oktober, dem Tag der Einheit, waren Hinweisschilder zum Jugendclub, Findlinge im benachbarten Park und Straßenlaternen mit Keltenkreuzen beschmiert worden. Am Zaun des Jugendtreffs stand der Spruch "Linke Jugendzentren zerschlagen". Zuvor gab es Pöbeleien und kürzlich wurde ein Angriff auf den Jugendclub befürchtet. "Abends sammelten sich etwa 40 Jugendliche am U-Bahnhof Britz-Süd; schwarz gekleidet mit der Aufschrift ,Anti Antifa' auf dem Rücken." Zwei seien zum Ausspähen des Hauses vorgeschickt worden, sagt ein Clubbesucher. Da habe man die Polizei gerufen. Die Gruppe fuhr dann mit der U-Bahn Richtung Rudow, einem Treffpunkt der rechten Szene in Berlin. "Wir sollen wohl eingeschüchtert werden. Aber unsere linke Jugendarbeit geben wir nicht auf", so Tendeng.

Verfassungsschutz: Anstieg der Delikte

Der Berliner Verfassungsschutz verzeichnet in seiner Statistik unter "Politisch motivierte Kriminalität - rechts" einen deutlichen Anstieg dieser Delikte: 2005 gab es 30 Prozent mehr ähnlicher Fälle als ein Jahr zuvor. Die Zahl stieg auf 1551.

Tendeng will das Thema Rechtsextremismus im Bezirksamt thematisieren - bei den Mitarbeitern der Jugendförderung und den Bezirksverordneten.

Berlin, Lichtenberg: Kiezaktion gegen rechts gestört

Auch die "Falken" in Lichtenberg und Wedding klagen über Beleidigungen durch Rechtsextreme. Deren Hochburg in Lichtenberg ist die Weitlingstraße nahe dem "Falken"-Haus. "Im Sommer vor unserer Kiez-Aktion gegen Rechts rotteten sich 20 zum Teil bekannte Neonazis vor unserer Tür zusammen und wollten rein", erzählt Jugendclubleiter Tim Scholz. Die Polizei habe das dann verhindert.

Falken planen Netzwerk

Holger Gräber vom Landesverband der "Falken" beschreibt die Lage in Neukölln bereits als "dramatisch". "Die rechte Gruppe in Britz-Süd hat einen sehr organisierten Eindruck gemacht", so Gräber. Nun planen die "Falken" in Britz ein antifaschistisches Netzwerk, wollen mehr Aufklärungsarbeit leisten und die Anwohner sensibilisieren. Schmierereien haben sie übermalt und Anzeige erstattet.

Über die kürzlich verhinderte "Großaktion" der Rechten ist Gräber froh. "Das muss aufhören. Schon jetzt trauen sich einige Musik-Bands kaum noch in die Probenräume in Britz." Dabei baut er auf die enge Zusammenarbeit mit der Polizei. "Die Abschnitte stehen in intensivem Kontakt mit den betroffenen Jugendclubs, um schnell eingreifen zu können", bestätigt Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. Inzwischen denken die "Falken" an der Gutschmidtstraße über Kameras an ihrem Zaun nach.

"Ansonsten ist politische Strategie und Überzeugungsarbeit gefragt, um den Neonazis das Wasser abzugraben", meint "Falken"-Sprecherin Candida Splett. Die Jugendorganisation hat in neun Bezirken Treffpunkte für ihre 11 000 Berliner Mitglieder.

Aus der Berliner Morgenpost vom 7. Dezember 2006, nachlesen.

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