"Antifaschismus gelebt" - in Dortmund!

13.02.2009: Ein Jahres-Rückblick durch die antifaschistische Brille:

Ein altbekanntes Thema und trotzdem fechten wir seit Jahren und aus tiefster Überzeugung in Dortmund den Kampf gegen Nazis bei uns, in der Umgebung und überall aus. Die Taktiken der braunen Brut haben sich verändert, aber auch wir gedenken, kämpfen und wehren uns vielfältig, flexibel, kreativ und mit der gleichen Energie wie seit Jahren. Gegen ihren Hass und ihre Gewalt, ihr Auftreten, ihre Köder und Lügen. Und auch gegen jeden, der sie bei ihren Machenschaften unterstützt, sei es aus Überzeugung, aus Achtlosigkeit oder aus purer Dummheit.

Auch dieses Jahr, war ein Jahr des vielfältigen Widerstandes:

  • Wie schon seit langen gedachten wir leise, als wir am Karfreitag die Steinwache in der Innenstand und das Denkmal in der Bittermark besuchten. Diese Veranstaltung soll hartnäckig an die Opfer des zweiten Weltkriegs erinnern, die, obwohl Dortmund schon längst von den Alliierten eingenommen worden war, hier von den Nationalsozialisten erschossen wurden. Besondere Wichtigkeit erlangt dieser Tag im Hinblick auf die Stimmen, die immer wieder laut werden, dass Deutschland endlich vergessen soll, da die wahren Täter längst tot sind. Sicher, von uns hat niemand ein Verbrechen begangen. Aber vergessen, dass dürfen wir niemals. Das zeigen Gewaltangriffe durch Neonazis leider immer wieder.
  • Wir dachten traurig und trotzig schon zum 4. Mal, als wir im März an der Dortmunder Kampstraße aufmarschierten an den Punker Thomas "Schmuddel" Schulze, der am 28.03.05 hier von einem Nazi erstochen wurde. Er ist einer jener Menschen, die gegen die Nazischweine kämpften und diesen Kampf mit dem Tod bezahlen mussten. Denn auch heute gibt es sie noch, die Opfer rechter Straftaten und Gewalt.
  • Wir erinnerten uns nachdenklich und mit einem Gefühl der Leere im Körper, an mehr als 1,1 Millionen Menschen, die in Auschwitz unter größtem Leid zwischen 1940 und 1945 ihr Leben lassen mussten, als wir im Mai gemeinsam mit dem Zug der Erinnerung in Auschwitz eintrafen und den Konzentrationslagerkomplex besichtigten. Für viele von uns war es das erste Mal und ich bin sicher jeder von uns hat Bilder und Worte in sich aufgenommen, die er nicht mehr vergessen wird. Zeitzeugen wird es nicht mehr lange geben, daher ist es wichtig, ihr Wissen über die damaligen Verbrechen zu konservieren und von Generation zu Generation weiterzugeben.
  • Wir waren wütend, laut und voll von Ekel, als im September, kurz nach dem Antikriegstag wieder einmal Nazifüße unsere Stadt beschmutzten und unbehelligt durch unsere Straßen marschierten. Da die Polizei wie gewöhnlich nicht in der Lage war, irgendetwas zu verhindern, außer vielleicht gefährlichen Blickkontakt der bösen, bösen Antifaschisten mit den Nazis, mussten wir selbst aktiv werden. "Bunt statt Braun" als gemeinsames Motto aller Organisationen, die zusammen kamen, um die Demokratie zu schützen, versammelten wir uns auf dem Platz der alten Synagoge.
    Mit Reden und einem Protestmarsch signalisierten aktive Dortmunderinnen und Dortmunder, dass Hass bei uns nie eine Chance haben wird! Leider gibt es noch immer Menschen, denen das dreiste Auftreten der dreckigen Dummköpfe egal, oder zumindest zu heikel für Widerstand ist, wie den Besitzer der Plakatfläche entlang der Nazi-Demoroute, der sich nicht in der Lage sah, den Platz für Protestposter freizugeben.
  • Und schließlich waren wir auch voller Freunde und Triumph, als wir in Köln sahen, dass es auch anders geht. Sitzblockaden, Demomärsche und riesige Protestkonzerte, sogar die lobenswerte Unterstützung des Kölner Polizeipräsidenten verhinderten erfolgreich das Zusammentreffen von Sympathisanten von pro Köln, einer rechtspopulistischen Pseudo-Bürgerbewegung, die dort durch Verhinderung des Moscheebaus versuchte Fuß zu fassen. Doch ihre Kundgebung mit nur erbärmlichen 20 Leuten und der Rauswurf der Rechten aus sämtlichen Taxis, Bussen, Schiffen, Hotels, Bahn- und Flughäfen, sowie ihr jämmerliches Beweinen über diese rüde Behandlung verbuchten an diesem Tag im September keinen Erfolg.

Dies bestätigt uns in dem was wir tun und wir werden weiter machen! Ob pro Köln, nationaler Widerstand oder NPD, wir lassen uns nichts gefallen, wenn es um euch geht, ist bei uns Schluss mit Lustig!!!

Aktuell klären wir auf. Bei Führungen durch die Ausstellung der Friedrich Ebert-Stiftung "Demokratie stärken - Rechtsextremismus bekämpfen" im Fritz-Henßler-Haus zeigen junge Leute Jugendlichen die Wichtigkeit der Demokratie und die Verlockungen durch den rechten Lifestyle, bzw. was dahinter steckt, außerdem kann man lernen, was die beste Reaktion auf Stammtischparolen und abgedroschene Klischees ist.

Antifaschismus beginnt im Kopf. Unsere Köpfe sind stärker als ihre Fäuste. Also bildet euch, bildet andere, bildet Banden und lasst euch nicht unterkriegen!

(Abgedruckt in der FAN, der Falken-News Nr. 13, die im Dezember 2008 erschienen ist. Verfasst von Jana Herrmann, Mitglied im UB-Vorstand der Dortmunder Falken und aktiv im SJ-Ring.)

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