Viva a solidariedade internacional!

01.11.2018: Wir Falken haben mit Schrecken den Ausgang der brasilianischen Präsidentschaftswahl vom letzten Sonntag zur Kenntnis genommen. Internationale Solidarität mit denjenigen, denen der neue Präsident Jair Bolsonaro bereits Verfolgung angedroht hat, ist aktuell wichtiger denn je. Deshalb haben wir unseren Genoss*innen von der Kinder- und Jugendorganisation Mirim Brasil einen Brief geschrieben, in dem wir unsere Solidarität mit ihrem Kampf gegen Faschismus und Unterdrückung ausdrücken.

Viva a solidariedade internacional!

Dear comrades of Mirim Brasil,

we were shocked to learn the results of the Brazilian presidential election last Sunday. The victory of Jair Bolsonaro’s far-right campaign is yet one more indicator of a world coming apart at the seams. Fuelled by nationalist and fundamentalist clerical sentiments, as well as an unforgiving law-and-order-policy, Bolsonaro’s statements have evoked images that remind us of the darkest days of Brazil’s military dictatorship.

We are fully aware, however, that Bolsonaro is not solely a Brazilian problem. Right-wing movements are on the rise all over the world and even though there are always significant differences, there are similarities as well. It is a farce of history that Bolsonaro has managed to portray himself as an anti-establishment candidate, even though his vision is that of an authoritarian police state bolstered by a strictly neoliberal, pro-corporate economic agenda. This fact has been duly noted by international capital. Whereas his political influence is built on a strong alliance with evangelical Christians, armament lobbies and agribusiness leaders, even the Deutsche Bank, Germany’s biggest financial institution, has welcomed his candidacy.

Therefore, we were not surprised to see that the full impact of Bolsonaro’s inflammatory diatribes is not directed against the wealthy and powerful, but against those on the opposite end of the capitalist power structure: marginalized groups such as LGBTQI*, People of Colour, immigrants, poor people and women make for easy targets from the perspective of the right-wing mainstream. These sentiments are very much in line with the European right, with whom he also shares a special hatred for the left, viciously attacking left-wing organizations, parties and trade unions. In that regard, there is no doubt in our minds that when he outrightly announced to purge the "red criminals” in a "cleanup the likes of which has never been seen in Brazilian history”, he is to be taken seriously.

Despite the striking similarities between Bolsonaro’s upcoming fascist administration and the European far-right, we can only begin to appreciate the situation in which you now find yourselves. We would like to use this opportunity, however, to assure you that you are not alone. As socialists, we have always practised international solidarity not as a mere turn of phrase, but as a political obligation to our comrades everywhere around the world - to learn from each other wherever we can and to aid one another whenever the need arises. For over 90 years the youth of the international labour and socialist movement has defined this relationship in a single word: Friendship. In times like these, we want to turn our international efforts to re-strengthening the relationship with our comrades abroad, especially in the Americas.

The Left has always been at the forefront of the fight against tyranny and oppression and now more than ever the youth will have to play an important part in the struggles ahead. In the battle for the hearts and minds of young people, it falls to youth organisations such as yourselves to combat the regime’s propaganda, to provide places for young people to express themselves freely and to learn how to organise in their own right and according to their own interests.

This is surely a task of gigantic proportions but within the International Falcon Movement and beyond, our solidarity is with you and the Brazilian youth.

Amizade!

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Liebe Genoss*innen von Mirim Brasil,

mit Schrecken haben wir den Ausgang der brasilianischen Präsidentschaftswahlen vom letzten Sonntag zur Kenntnis genommen. Der Erfolg von Jair Bolsonaros Rechtsaußenkampagne stellt das aktuelleste Zeichen einer Welt dar, die im Begriff ist aus den Fugen zu geraten. Angetrieben von einer nationalistischen und fundamentalistisch-klerikalen Stimmung, bringen uns die Aussagen von Bolsonaro Bilder aus den finstersten Tagen der brasilianischen Militärdiktatur zurück ins Gedächtnis.

Wir sind uns allerdings vollkommen darüber im Klaren, dass Bolsonaro kein rein-brasilianisches Problem ist. Rechte Bewegungen sind auf der ganzen Welt im Aufschwung und obwohl es immer signifikante Unterschiede gibt, gibt es auch Gemeinsamkeiten. Es ist eine Farce der Geschichte, dass es Bolsonaro gelungen ist, sich als Anti-Establishment-Kandidat zu präsentieren, obwohl seine politische Vision die eines autoritären Polizeistaates ist, der von einer streng neoliberalen Wirtschaftsagenda zu Gunsten der Interessen großer Konzerne gestützt wird. Dieser Umstand ist auch dem internationalen Kapital nicht entgangen. Während sein politischer Einfluss auf einer festen Allianz mit evangelikalen Christen, Waffenlobbies und Agrarkonzernen beruht, hat sogar die Deutsche Bank, Deutschlands größtes Kreditinstitut, seine Kandidatur begrüßt.

Es war für uns also keine Überraschung, dass die volle Wucht seiner hetzenden Brandreden nicht gegen die Reichen und Mächtigen gerichtet ist, sondern gegen diejenigen am anderen Ende der kapitalistischen Kräfteverhältnisse: Aus der Perspektive des rechten Mainstreams sind marginalisierte Gruppen wie LGBTIQ*, People of Colour, Immigrant*innen und Frauen* leichte Ziele für politische Attacken. Dies verbindet ihn mit den Rechten in Europa, mit denen er auch eine besondere Feindschaft gegen die Linke teilt, die sich in hitzigen Angriffe auf linke Organisationen, Parteien und Gewerkschaften ausdrückt. In dieser Hinsicht besteht für uns nicht der geringste Zweifel, dass Bolsonaros unverblümte Aussage, er werde die "roten Kriminellen" einer "Säuberung" unterziehen, "wie sie die brasilianische Geschichte noch nicht gesehen hat", vollkommen ernst zu nehmen ist.

Trotz der offensichtlichen Gemeinsamkeiten zwischen Bolsonaros bevorstehender faschistischer Regierung und der radikalen Rechten in Europa, beginnen wir erst die Situation zu begreifen, in der ihr euch jetzt befindet. Wir möchten diese Gelegenheit aber nutzen um euch zu versichern: Ihr seid nicht allein. Als Sozialist*innen war die internationale Solidarität für uns nie eine bloße Worthülse, sondern politische Verpflichtung gegenüber unseren Genoss*innen auf der ganzen Welt - voneinander zu lernen, wo immer wir können und einander beizustehen, wann immer die Zeit es erforderlich macht. Seit über 90 Jahren hat die internationale Arbeiter*innenjugendbewegung diese Verbindung in einem einzigen Wort ausgedrückt: Freundschaft! Gerade in Zeiten wie diesen, möchten wir unsere internationalen Anstrengungen darauf richten unsere Beziehung zu unseren Genoss*innen in anderen Ländern wieder zu stärken, insbesondere auf dem amerikanischen Kontinent.

Die Linke hat immer an vorderster Front gegen Unterdrückung und Tyrannei gekämpft und mehr als je zuvor kommt der Jugend eine besondere Aufgabe in den kommenden Kämpfen zu. Im Kampf um die Herzen und Köpfe der Jugend, liegt es an Jugendorganisationen wie euch, der Propaganda des neuen Regimes etwas entgegenzusetzen, Orte zu schaffen an denen Kinder- und Jugendliche ohne Furcht zu Wort kommen können und wo sie lernen, sich selbstständig und anhand ihrer eigenen Interessen zu organisieren.

Dies ist mit Sicherheit eine gigantische Aufgabe. Doch innerhalb der internationalen Falkenbewegung und darüber hinaus gilt unsere Solidarität euch und der brasilianischen Jugend.

Amizade!

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