24 Stunden sind kein Tag: Klassenpädagogik

12.04.2022: Das Heft Nr. 46 berührt unsere Praxis im Kern: Wir sind ein Arbeiter*innen-Jugendverband. Aber was bedeutet das heute, für unsere politische Arbeit. Lest rein.

LIEBE GENOSS*INNEN, LIEBE LESER*INNEN,

"24 Stunden sind kein Tag" zu Klasse und Klassenpädagogik ist ein erstes Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem Thema, das durch den Leitantrag der Bundeskonferenz 2021 angestoßen wurde. Das Thema berührt unsere Praxis im Kern: Wir sind ein Arbeiter*innenjugendverband. Aber was das eigentlich genau bedeutet, ist heute oft unklar. Für eine erfolgreiche politische Arbeit braucht es diese Klarheit auch nicht unbedingt, eine lebendige Kontroverse ist oft sogar besser als starre Definitionen. Aber anders als Begriffe wie "feministisch" oder "antirassistisch", die oft unklar sind, weil es lebendige und harte Auseinandersetzungen darum gibt, was genau sie bedeuten sollen, ist unsere Identität als "Arbeiter*innenjugend" nur selten ausartikuliert. Das kann viele Gründe haben. Für manche ist sie vielleicht selbstverständlich. Andere stellen sich dem Problem vielleicht nicht, aus Angst davor, dass die liberalen Stimmen Recht haben könnten, wenn sie sagen, dass es heutzutage überhaupt keine Arbeiter*innen mehr gibt. Aber was auch immer der Grund ist, es ist an der Zeit, sich unserer Verbandsidentität wieder bewusst anzunehmen und zu diskutieren, was das heißen soll: Klasse.

Das bedeutet aber auch, dass wir mit dieser Ausgabe erst am Anfang der Diskussion stehen. Viele Texte sowohl im Theorie wie auch im Praxis-Teil verwenden unterschiedliche Begriffe, um die vielen Probleme der Klassengesellschaft auf den Punkt zu bringen: Klassen, Milieus, Schichten, Elite, Bildung und Bürgertum. Es geht bei der Diskussion um Klasse bei uns im Verband aber noch gar nicht darum, uns auf eine Theorie der Beschreibung zu einigen, sondern vor allem darum, dass diese Kategorien wieder eine Rolle in unserer Praxis spielen und wir sie selbstbewusst anwenden können.

Der Theorieteil beginnt daher mit Artikeln, die den Klassenbegriff unterschiedlich beschreiben und seine Bedeutung für uns als Verband herausarbeiten. Im Praxisteil geht es darum, wie wir uns als Klasse organisieren, wie Unterschiede in der sozialen Herkunft bei uns im Verband wirken und wie unsere Strukturen damit umgehen. Und schließlich kommt der Methodenteil, beziehungsweise in dieser Ausgabe der "Strategieteil". Wir haben uns entschieden, dieser Ausgabe keinen Methodenteil anzuhängen. Das liegt nicht daran, dass wir etwas gegen Methoden haben (wir sind ja immerhin der Bundes- F-Ring). Warum haben wir das also gemacht? Weil Klassenpädagogik mehr ist als die Behandlung des Themas "Klasse" in unseren Gruppen, Klassenpädagogik ist eine Art und Weise, den Verband aufzustellen. Das Kapitel zu "Strategie" enthält daher Artikel zur barrierefreien Organisation von Demokratiemodellen ebenso wie zur kostenlosen Durchführung eines Zeltlagers oder zur Quartiersarbeit bei den Falken.

Wir wünschen euch viel Freude und Erkenntnis beim Lesen der Artikel, bedanken uns bei allen Autor*innen und ihren Gliederungen für die Einsendungen und hoffen auf eine erfolgreiche Umsetzung bei euch vor Ort und eine rege Diskussion im Bundesverband.

Freundschaft!

Euer Bundes-F-Ring

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