Das Frauenwahlrecht wurde uns nicht gegeben…

12.11.2018: …wir haben es erkämpft! Ein Kampf der bereits über 60 Jahre andauerte, als heute vor einem Jahrhundert der Rat der Volksbeauftragten die Wahlrechtsreform proklamierte.

Das Frauenwahlrecht wurde uns nicht gegeben…

Das Frauenwahlrecht wird heute symbolisch 100 Jahre alt. Am 12. November 1918 stellte der Rat der Volksbeauftragten, wenige Tage nach dem endgültigen Sturz der Monarchie, sein Regierungsprogramm vor, darin enthalten das Wahlrecht für alle Frauen und Männer ab 20 Jahren. Ein Erfolg nicht nur für die sozialistische Frauenbewegung um Clara Zetkin, die mit der Einführung des Internationalen Frauentags schon seit 1911 dafür auf die Straßen ging. Es löste auch das zuvor im Königreich Preußen gültige Dreiklassenwahlrecht ab, welches sich nach Steueraufkommen richtete und somit den reichen Wählern mehr Macht zuspielte.

Das Recht von Frauen zu wählen und gewählt zu werden, war eine der zentralen Forderungen der sogenannten ersten Welle der Frauenbewegung in Deutschland, schon 1848 wurde es von der bürgerlichen Publizistin Louise Otto-Peters eingefordert. 1891 nahm die SPD das Frauenwahlrecht in ihr Erfurter Wahlprogramm auf und war bis zur Einführung die einzige Partei, die sich kontinuierlich dafür stark machte. Frauenrechtlerinnen wie Zetkin, Anita Augspurg oder Marie Juchacz, die schließlich die erste Rednerin der Nationalversammlung werden sollte, wurden nicht selten verlacht und verhöhnt. Im Jahr 1919 schließlich ziehen erstmals 37 Frauen in die Nationalversammlung der Weimarer Republik ein.

Nachdem die NSDAP 1933 die Macht übernahm, wurde den Frauen das passive Wahlrecht, nicht aber das Recht zu wählen, zunächst wieder entzogen. Nach Ende des 2. Weltkriegs erhalten sie es ohne größere Kämpfe zurück.

Dieser kurze Ritt durch die Geschichte des Frauenwahlrechts kommt zu einem nicht ganz ungetrübten Ende: 100 Jahre später beträgt der Frauenanteil im deutschen Bundestag noch immer nur 30,9%. Frauen sind also noch immer unterrepräsentiert in der politischen Entscheidungsfindung. Wir erinnern uns daher nicht nur heute, sondern auch am 8. März und an jedem weiteren Tag an die mutigen Vorkämpferinnen des Feminismus und fordern: Mädchen und Frauen an die Macht!