Niemand ist vergessen. Gedenkveranstaltung für die ermordeten Genoss*innen auf Utøya, 22. Juli 2011.

19.07.2018: Wir gedenken der ermordeten jungen Sozialist*innen, die am 22. Juli 2011 durch den norwegischen Rechtsterroristen Anders Breivik ermordet wurden und rufen zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung in Berlin auf.

Am 22. Juli 2011 ermordete der norwegische Rechtsterrorist Anders Breivik 77 Menschen. Nachdem er acht Personen bei einem Bombenanschlag vor einem Regierungsgebäude in Oslo getötet hatte, verschaffte er sich Zugang zur kleinen Insel Utøya, auf dem unsere norwegische Schwesterorganisation Arbeidernes Ungdomsfylking (Liga der Arbeiter*innenjugend, AUF) ihr jährliches Sommerzeltlager mit Hunderten von Teilnehmer*innen beging. Binnen 90 Minuten erschoss Breivik dort kaltblütig 69 Jugendliche und ihre erwachsenen Helfer*innen - weil sie Sozialist*innen waren.

Die jungen Genoss*innen, die von Breivik ermordet wurden, waren nach Utøya gekommen mit dem Ziel gemeinsam zu feiern, zu lachen, sich kennenzulernen, aber auch um zu streiten und zu diskutieren - darüber wie wir diese Welt gemeinsam aus den Angeln heben können. Der Rechtsterrorist Breivik suchte sich die Jugendlichen nicht zufällig aus. In seiner menschenverachtenden Weltsicht sind Linke und "Kulturmarxisten" die Wurzel allen Übels, verantwortlich für die "Islamisierung Europas" und all jene "fremden Einflüsse", die es rigoros zu vernichten gilt.

Damit ist er nicht allein. Die rechtspopulistischen und rechtsradikalen Bewegungen, die überall in Europa auf dem Vormarsch sind, die rassistischen Schläger*innenbanden, die Jagd auf Geflüchtete machen und viele in der vermeintlich bürgerlichen Mitte denken ähnlich. Auch der NSU dachte so und der Gerichtsprozess gegen Beate Zschäpe und ihre Helfer, sowie die Erinnerung an das Komplettversagen der Behörden vor dem rechten Terror, führen uns die schrecklichen Ereignisse auf Utøya gerade in diesem Jahr noch einmal mit besonderer Dringlichkeit vor Augen.

Wie in jedem Sommer sind wir auch diesmal in den Gedanken bei den Familien und Freund*innen der Opfer sowie bei den Überlebenden, die durch diese schändliche Tat traumatisiert zurückgelassen wurden. Wir sind bei ihnen in dem Bewusstsein, dass unsere gemeinsame Solidarität über alle Ländergrenzen hinweg auch diese Tragödie überstanden hat und dass wir weiterhin an unseren gemeinsamen Zielen festhalten: Eine Welt in der wir alle ohne Angst verschieden sein können. Wir werden weiter gemeinsam gegen alte und neue Nazis auf die Straße gehen und uns dem Zeitgeist von Hass und Ausgrenzung widersetzen. Wir werden weiterkämpfen.

Wir möchten euch aus diesen Gründen auffordern, am Sonntag, dem 22. Juli 2018, an dem sich das Massaker von Utøya zum 7. Mal jährt, um 17 Uhr zusammen mit den Jusos und uns Falken zu den Nordischen Botschaften in der Rauchstraße 1 zu kommen, wo wir unserer Trauer und unserer Wut gemeinsam Ausdruck verleihen wollen. Kommt zur Gedenkkundgebung.

Erinnern heißt kämpfen. Niemand ist vergessen.