internationaler Tag für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen

24.11.2018: Heute ist der internationale Tag für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen*. Im letzten Jahr wurden 147 Frauen* in Deutschland letztes Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Dazu kommen zehntausende Fälle von einfacher und gefährlicher Körperverletzung. Für uns gilt deshalb heute wie an jedem anderen Tag: Kein Friede mit dem Patriarchat! Wider die Gewalt gegen Frauen*!

Als im letzten Jahr die #metoo-Debatte wie ein Blitz in die Welt der Medien einschlug entlud sich mit einem Mal der geballte Frust über eine Tatsache, die immer schon bekannt, aber noch nie so breit diskutiert worden war: Die Gewalt von Männern gegen Frauen* ist keine Randerscheinung, sondern ständiger Begleiter unserer Biografien in einer patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft. Nach dem Bekanntwerden der sexuellen Übergriffe in Hollywood teilten unzählige Frauen* ihre Trauer und Wut über die eigenen Erfahrungen von sexueller Gewalt, aber auch ihre Solidarität untereinander über die sozialen Medien mit. Und #metoo zeigte Wirkung. Nicht nur weil viele Täter*innen zur Verantwortung gezogen wurden, sondern weil wir mit unserer Stimme Gehör fanden. Doch während in den Medien nun endlich breit über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz berichtet wurde, gab es leider kaum Debatten über den Ort, an dem Gewalt gegen Frauen am häufigsten geschieht: Zuhause.

Das Bundesfamilienministerium hat nun Zahlen vorgelegt: 147 Frauen* wurden in Deutschland letztes Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Fast jeden zweiten Tag eine. Dazu kommen 68.544 Fälle von leichter Körperverletzung und 11.788 Fälle von schwerer Körperverletzung von Frauen* durch ihren Partner. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Dabei wird die eigentliche Ursache häuslicher Gewalt häufig unsichtbar gemacht. Geht es um migrantische Familien, dann ist von Ehrenmorden die Rede. Wenn es um deutsche Familien geht, dann ist es ein Familiendrama. Ereignet sich Gewalt in einer einkommensschwachen Familie, dann ist es eben ein Unterschichtenproblem.

Dabei belegen Studien auch: Häusliche Gewalt ist weder eine Frage des Bildungsabschlusses noch des Einkommens oder der sozialen Schicht. Sie ist auch keine Frage der Herkunft. Beinahe jede vierte von uns hat in ihrem Leben bereits häusliche Gewalt erfahren und das einzige was all diese Erfahrungen gemeinsam haben: Es handelt sich um Gewalt, die von Männern gegen Frauen* ausgeübt wird.

Deshalb wehren wir uns - jeden Tag aber besonders heute, am internationalen Tag für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen, gegen jede Verharmlosung und gegen jede Vereinnahmung - gegen jeden Versuch die Gewalt gegen Frauen* zu einem Bagatellvergehen zu machen und gegen jeden Vorstoß rechter und reaktionärer Kräfte, die sich für diese Gewalt nur dann interessieren, wenn sie zufällig von Migranten ausgeht. Wir verurteilen ebenso die ständige Umkehr von Tätern und Betroffenen, der immer wieder die Schuld bei den Frauen* selbst sucht.

Als Frauen* sind wir solidarisch. Wir kämpfen gemeinsam gegen jede Form von patriarchaler Gewalt - egal von wem sie ausgeht und egal wen von uns sie betrifft. Aus diesem Grund haben wir uns auch mit dem Bund der Katholischen Jugend im Deutschen Bundesjugendring erfolgreich für eine Positionierung zur konsequenten Umsetzung der Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt eingesetzt.

Es ist für uns absolut nicht hinnehmbar, dass die deutsche Bundesregierung hier nach wie vor einen Vorbehalt geltend macht "durch welchen es geflüchteten oder migrierten Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind oder als Zeuginnen in Strafverfahren aussagen, nicht möglich ist, ein eigenständiges Aufenthaltsrecht zu erlangen. Dadurch, dass sie die Ehebestandszeit von drei Jahren erfüllen müssen, um einen eigenen Aufenthaltstitel zu erhalten, sind diese bereits von Gewalt betroffenen Frauen weiterhin einem hohen Gewaltrisiko ausgesetzt."

Als Frauen* sind wir solidarisch. Wir wissen die Gewalt einer patriarchal eingerichteten Gesellschaft ist weder Zufall noch Randphänomen, sondern tief in die Menschen eingeschrieben, die in dieser Gesellschaft aufwachsen. Gerade wir als sozialistischer Kinder- und Jugendverband arbeiten deshalb auch immer an einer geschlechterreflektierenden Pädagogik und einer Praxis, die auf Solidarität zielt, statt auf Vereinzelung und der Verinnerlichung von Gewalt.

Heute und an jedem anderen Tag: Schluss mit der Gewalt gegen Frauen*! Kein Friede mit dem Patriarchat!