Socialism is the only way to be happy
10.05.2005: Beschluss der 31. Bundeskonferenz 2005 zu den Leitlinien der SJ-Ring-Arbeit.
Wo stehen wir?
"Keep you doped with religion and sex and TV And you think you're so clever and classless and free” Lennon
In Zeiten, in denen durch den Umbau des Sozialstaates die Lebenssituation vieler Menschen in der Bundesrepublik weiter verschlechtert wird und diese Reformen von den meisten Betroffenen mit Zustimmung zur Kenntnis genommen werden, ist die Verbreitung sozialistischer Gesellschaftskritik notwendiger denn je. Die Gründe für die gesellschaftliche Armut, die einen sozialstaatlichen Eingriff erst notwendig machen, sind im Erfolg der kapitalistischen Produktionsweise und nicht in ihrer Krise zu suchen. Der tätige Mensch mit seinen Bedürfnissen wird in ihr reduziert auf seine wirtschaftlichen Funktionen als Produzent und Konsument. Dabei scheint er ohnmächtig gegenüber vermeintlichen Sachzwängen - der Wirtschaft, der Globalisierung - die in Wirklichkeit Resultate politischer Zwecksetzungen sind.
Und obwohl daher keiner, der zur Bewältigung seiner Alltagsnöte auf den Verkauf seiner Arbeitskraft angewiesen ist, einen Vorteil aus dem System der Lohnarbeit zieht, wird diese Herrschaftsform noch immer von viel zu wenigen in Frage gestellt. Die Zwänge des bürgerlichen Alltags, einen Job finden, Geld verdienen, den Groschen zweimal rumdrehen und den Gürtel enger schnallen, sind keine Naturgesetze. Es sind Zwänge einer Gesellschaftsform, die wir ändern können.
Die Funktion der Sozialistischen Jugend muss es daher sein, einen organisatorischen Rahmen zu bieten, in dem Kinder und Jugendliche ein solides Handwerkszeug von kritischer Erkenntnis, begründeter Hoffnung und praktischen Fertigkeiten erwerben können, um dieser Gesellschaft und ihren Mitgliedern mit handfesten Gründen entgegentreten zu können. Sie soll Lust machen aufs Nachdenken und Mut machen zum Widersprechen.
Wo wollen wir hin?
"Verärgerte Bürgerliche sind noch keine Revolutionäre"Kurt Tucholsky
Politisches Selbstverständnis klar benennen
Das Wissen um analytische Kapitalismuskritik soll der Hauptstrang der inhaltlichen Auseinandersetzung der nächsten beiden Jahre sein. Als Sozialistische Jugend ist es für uns notwendig, uns nicht nur unserer geschichtlichen, sondern auch unserer theoretischen Wurzeln bewusst zu sein, die uns die Argumente für unserer Gegnerschaft zum Kapitalismus liefern. Dabei ist es wichtig, immer die Lebenssituation der Jugendlichen im Kopf zu behalten und die Angebote entsprechend zu gestalten.
Schule im Kapitalismus
Schule im Kapitalismus stellt ein staatliches Bildungsinstrument mit dem Mittel der Selektion und dem Zweck der Hierarchisierung von Berufen und damit letztendlich der Hierarchisierung von Menschen dar. Die Trennung von geistiger und körperlicher Arbeit findet ihren Ausdruck in einem dreigliedrigen Schulsystem, welches gesellschaftliche Verhältnisse reproduziert. Die Benotungen ergeben sich dabei aus Richtlinien, die in erster Linie ökonomisch verwertbares Wissen vorgeben und somit durch den Zwang der ökonomischen Verwertbarkeit aus sich heraus Leistungsdruck erzeugen. Die Ergebnisse hängen nicht vom Potential der Schülerinnen ab, sondern vielmehr vom Bildungsstand und der sozialen Zugehörigkeit der Eltern. Das entscheidet dann letztendlich darüber, ob jemand BandarbeiterIn werden muss oder noch ProfessorIn werden kann. Der Konkurrenz- und Leistungsdruck, der auf den SchülerInnen lastet, hat in den letzten Jahren noch weiter zugenommen und wird weiter zunehmen, wenn sich an der Ausbildungssituation nichts Entscheidendes ändert.
Trotzdem sind nur wenige SchülerInnen außerhalb des Verbandes politisch interessiert und dieses Interesse geht auch nicht notwendigerweise mit einer kapitalismuskritischen Grundhaltung einher: Liberale und auch konservative Auffassungen sind auf den Pausenhöfen keine Minderheitenmeinungen. Auch SchülerInnen haben nicht selten großen Glauben an ideologische Scheingesetze: Wer leistungsbereit und -willig ist, wird schon Erfolg haben.
Es ist uns in den letzten Jahren nicht gelungen, SchülerInnenvertretungen als Verband zu beeinflussen. Das hat auch zur Folge, dass Politisierungspotenzial ungenutzt bleibt.
Gerade in der Schule ist es jedoch nicht einfach, politisches Werbematerial in Umlauf zu bringen. Besonders an den Schulen, wo kein Kontakt mehr zu den SVen besteht (und damit ein umso stärkerer, verbandlicher Handlungsbedarf besteht), ist dies besonders schwierig. Bei einem bundesweiten Ringtreffen sollen daher Vorschläge erarbeitet werden, wie eine inhaltliche Kampagne zum Thema "Schule" vor Ort aussehen kann. Ziel ist es zum einen, den Aktivisten vor den Schultoren die rechtlichen Rahmenbedingungen mit auf den Weg zu geben, die sie bei solch einer Aktion betreffen. Handlungsszenarien für den Fall, dass gerade unerfahrene, junge Genossen im Rahmen der Kampagne in Konflikt mit der Lehrerschaft oder (anderen) staatlichen Gewaltorganen kommen, können dabei helfen, Ängste abzubauen, aber auch argumentativ Stärke gegen die vermeintlichen Autoritäten zu zeigen. Zum anderen sollen in der Arbeitsgruppe Ideen gesammelt werden, wie das Verteilen der Materialien besonders wirkungsvoll stattfinden kann und nicht (allein) als plumpe Werbekampagne für den Verband wahrgenommen wird. Hier ist vor allen Dingen eine Form zu finden, die uns stark von den derzeitigen Werbekampagnen von "rechten Gruppierungen" auf den Schulhöfen abhebt, diese jedoch gleichzeitig argumentativ aufgreift.
Es gilt die Aufgaben von Schule und ihre Selektionsmechanismen aufzudecken. Jedoch ist die hierzulande existierende Schulform nur ein Symptom des Kapitalismus, der per staatlichem Erziehungsauftrag, seine Sprösslinge zu funktionellen Staatsbürgern erziehen will. Deswegen beinhaltet Kapitalismuskritik eine grundlegende Kritik an der Ausrichtung des Systems Schule. Dementsprechend sollte es uns nicht nur darum gehen, die Institution Schule zu thematisieren, sondern vielmehr an Schulen mit unseren schul- und allgemeinpolitischen Positionen präsent zu sein. Gerade für die Arbeit mit SchülerInnen ist es deswegen wichtig, dass die SJ-lerInnen und HelferInnen ein linkes, d.h. Kapitalismus kritisches und soziales Profil zeigen können. Nur so kann Jugendlichen Argumente an die Hand geben werden, die deutlich machen, warum die Sozialistische Jugend Deutschland - Die Falken der Verband ist, in dem es sich zu engagieren lohnt. Deswegen muss es ein zentraler Bestandteil unserer Verbandsarbeit sein, die Schulen als politisches Handlungsfeld für uns zurück zu erobern. Für Haupt- und Berufsschüler müssen die Methoden der Verbandsarbeit und unser Auftreten so verändert werden, dass es für diese Gruppe von Jugendlichen attraktiv wird.
Studiengebühren sind sozial selektiv!
Natürlich gilt es auch den Kampf gegen jegliche Form von Studiengebühren fortzusetzen. Studiengebühren sind sozial selektiv! Wir wehren uns gegen die populistische Kampagne der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" und gegen die rückwärtsgewandte Neudefinition des Bildungsbegriffs" Bildung ist mehr als eine Investition in das eigene Humankapital, Bildung soll sich nicht nur an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientieren, sondern Menschen Entwicklungsmöglichkeiten bieten.
Bei unserer Positionierung berufen wir uns auf den BA-Beschluss vom Februar und auf die Forderungen und Publikationen des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS), dem wir angehören, um unter anderem einen Dammbruch bei der Akzeptanz von Studiengebühren zu verhindern. Auch Langzeit- und nachgelagerte Gebühren, sowie "Studienkonten" und Bildungsgutschein-Systeme erschweren den Zugang zur Hochschulbildung - vor allem für sogenannte "bildungsferne Schichten" - und werden entsprechend von uns abgelehnt.
Wissen wo man steht!
Als linker Kinder- und Jugendverband gehört es zu unseren Aufgaben, uns regelmäßig tagespolitischen Themen zu stellen und Positionen zu beziehen. Auch in den nächsten zwei Jahren werden eine Fülle von Themen die Tagespolitik bestimmen. Dabei ist es wichtig, dass wir uns innerverbandlich auf ausgewählte Themen konzentrieren, anstatt uns von einer Themenflut erschlagen zu lassen. Es ist zu erwarten, dass wir als sozialistische Jugendorganisation innerhalb der sozialdemokratischen Bewegung beispielsweise im Zuge der nächsten Bundestagswahlen in einen verschärften Positionierungsdruck geraten werden. Wenn wir uns diesem Positionierungsdruck stellen wollen, muss es uns nicht nur in den Wahlkampfzeiten 2006 gelingen, gemeinsam mit Bündnispartnern dem farbenfrohen Strauß politischer Alternativlosigkeiten einige kapitalismuskritische Argumente entgegenzusetzen. Hierfür reicht es jedoch nicht aus, dass bei allen Falken das Herz links schlägt. Wir brauchen dafür einen überregionalen verbandlichen Rahmen - Maßnahmen und Publikationen - welcher Raum für inhaltliche Orientierung bietet.
Bundesweite Arbeit muss sich vor Ort auszahlen
Es gilt Orte, in denen sich die politische Kultur der Sozialistischen Jugend auf Bundesebene entfalten kann, zu erhalten und auszubauen. Gemeinsame bundesweite Bildungsarbeit, Camps und politische Debatten sind für eine sozialistische Jugendarbeit unverzichtbar. Doch bundesweite Angebote und die Arbeit vor Ort müssen immer in einer lebendigen Wechselwirkung zueinander stehen. Denn die Angebote des Bundesverbandes können nie ohne Ideen und praktische Beteiligung einzelner Gliederungen verwirklicht werden und der Erfolg bundesweiter Angebote ist an ihrer Bedeutung für die Arbeit in den Gliederungen zu messen.
Deswegen halten wir das jährliche "Rosa & Karl" - Seminar und ein Bundespfingstcamp im Turnus von zwei Jahren für unverzichtbare bundesweite Angebote, die der Bundesvorstand jedoch nur bei entsprechender aktiver Beteiligung aus den Gliederungen weiter erfolgreich durchführen kann. Dies gilt auch für das "Ringtreffen", das weiterhin wichtiger Bestandteil unserer Arbeit sein muss. Priorität sollte die Entwicklung eines Konzeptes haben, wie das Interesse in den Gliederungen gesteigert werden kann. Dem Bundesvorstand muss es, vor allem in Anbetracht der Umstrukturierungen durch den Umzug des Bundesbüros nach Berlin, in den nächsten zwei Jahren mehr um die Stabilisierung der bestehenden Angebote als um die Verwirklichung neuer Projekte gehen.
Wie setzen wir das um?
"Kämpfen, aber mit Freuden! Dreinhauen, aber mit Lachen!"
Kurt TucholskyUm die oben genannten Ziele zu erreichen, wollen wir folgende Arbeitsschwerpunkte in den nächsten Jahren setzen:
- Die Bundespfingstcamps haben sich in den letzten Jahren über Gliederungsgrenzen hinaus als der Ort an dem Verbandskultur erlebt werden kann, erwiesen. Sie dienen dem Austausch, intensiven thematischen und politischen Diskussionen und dem Kennenlernen unterschiedlicher Arbeitsformen. Aus diesem Grund will der Bundesvorstand im zweijährigen Turnus SJ-Pfingstcamps zum festen Bestandteil des Bundesverbandsarbeit machen.
- Das jährliche "Rosa und Karl"-Seminar und ein Pfingstcamp 2006 sind die Veranstaltungen, die uns unsere Schlagkraft und unsere verbandlichen Stärken bewusst werden lassen, aber vor allem unser "Wir"-Gefühl weiterhin stärken. Wir verstehen uns als Linke und die guten Gründe dafür finden wir tagtäglich in unserer Gesellschaft wieder und die Argumente dagegen haben schon einige vor uns zu Papier gebracht. Das können wir uns aber nur dann praktisch vor Augen führen, wenn wir auf diesen Maßnahmen die innerverbandliche Diskussion über unsere politischen Wurzeln fördern. Die Diskussion um unsere politischen Identität, macht auch an unseren Landesgrenzen nicht halt. Der Kampf gegen den Kapitalismus ist international, deswegen ist für die Sozialistische Jugend die Zusammenarbeit mit sozialistischen Partnerorganisationen aus verschiedenen Ländern ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. Die Durchführung von internationalen Jugendmaßnahmen und die Teilnahme an internationalen Camps unserer Dachorganisationen bieten Jugendlichen neue Sichtweisen und ermöglichen ihnen sich des internationalen Zusammenhangs unserer Arbeit bewusst zu werden und Internationalität zu leben. Wir begrüßen (und unterstützen) Beteiligung von Gliederungen am IUSY-Festival 2006 in Alicante. Der Bundesvorstand fokussiert jedoch sein internationales Engagements auf das IFM-Camp "Global Village" in England 2006. Aufgrund der zu erwartenden TeilnehmerInnenstruktur wird das "Global Village" auch für Jugendliche unseres Verbandes eine attraktive Maßnahme sein.
- Die IUSY wird im Jahre 2007 ihren 100. Geburtstag feiern. Der Bundesverband wird sich an den Planungen und der Durchführung der Feierlichkeiten aktiv beteiligen. Auf dem Jugendtreffen 2007 soll an die Tradition der Grundsätze der Geschichte der Sozialistischen Jugendbewegung - sozialistische Erziehung, Antimilitarismus und Jugendarbeitsschutz - erinnert werden, die auf dem internationalen Sozialistischen Jugendkongress 1907 in Stuttgart verabschiedet wurden. Besonderes Ziel sollte es dabei sein, stärker als im Berliner Camp mit unseren Inhalten und Forderungen an die Öffentlichkeit zu treten.
- Um die tagespolitischen und grundlegenden Verbandsdiskussionen zu fördern, ist die AJ eine unverzichtbare Plattform. Ein AJ-Redaktionsteam halten wir deswegen prinzipiell weiterhin für sinnvoll und wichtig. Teamarbeit braucht jedoch ein Forum, indem es als Team wirken und arbeiten kann. Regelmäßige AJ-Redaktionstreffen halten wir deswegen für notwendig.
- Um uns das Handlungsfeld Schule zurück zu erobern, ist der erste Schritt, bereits organisierte SJ-lerInnen zu motivieren und zu qualifizieren, damit sie in die SV-en gehen und dort durch aktive Teilnahme an der SV-Arbeit diese beeinflussen und um neue Mitglieder zu werben. Dies sollte mit den vielfältigen Angeboten des Verbandes unterstützt werden, sei es durch Zeltlager, Winterschulen oder andere Aktionen. Als Beitrag zur aktuellen Bildungs- und Schuldebatte soll eine breite Diskussion um das schulpolitische Programm der Falken (Schriftenreihe der SJD - Die Falken, Dokumente 36, "Schulpolitisches Programm") angeregt werden. Ziel ist es, eine inhaltlich aktualisierte zweite überarbeitete Auflage des Originals zu veröffentlichen.
- In Zukunft sollen über Workshops, die auf Bundesebene von einzelnen Gliederungen angeboten werden kurze und übersichtliche Dokumentation der einzelnen Workshopkonzepte, im nachhinein zur Verfügung stehen. Eine Übersicht über die Dokumentationen sowie Kontaktadressen zu den Workshopthemen finden sich auf der Website des Bundesverbandes. Das halten wir für sinnvoll, weil zum einen die Gliederungen dadurch von anderen Falken lernen und leichter auf die Workshopkonzepte für ihre Arbeit vor Ort zugreifen können. Zum anderen sollen diese Dokumentationen vor allem bei theoretischen Grundlagenworkshops Hilfestellungen geben, damit sich unerfahrenere GenossInnen in Zukunft auch eher an solche Themen heranwagen.






