Lüneburg: Wir kaufen uns die FDP!

15.03.2010: Falken-Aktion beim FDP-Landesparteitag in Lüneburg

Zahlreiche Anzugträger strömten in die wohlig warme Mensa der Leuphana Universität Lüneburg, zwei saßen aber auch vor dem Gebäude und zitterten in der Kälte. Michèl Pauly und Malte Sylvester hatten aber nicht vor am 66. Parteitag der FDP Niedersachsen teilzunehmen.

Im Gegenteil: Sie und ca. 25 weitere Personen, unter anderem Mitglieder der Jusos, der Linken Jugend (Solid) und der Lüneburger Falken, versammelten sich, um zu protestieren.

Doch die FDP-Anhänger wurden nicht nur mit Transparenten und Fahnen begrüßt. Ein geschickt inszeniertes Schauspiel der Jugendgruppierungen brachte viele zum Schmunzeln. Bequem saßen Pauly und Sylvester Zigarren-paffend in ihren Chefsesseln, hinter ihnen waren einige Togaträger bemüht, den beiden mit Palmwedeln frische Luft zuzufächern und sie mit Weintrauben zu füttern. Auf dem Tisch vor ihnen stand eine Tüte mit Koks. Natürlich kein echtes, aber das Mehl erfüllte seinen Zweck.

Der Grund für diese Darstellung war die Hartz-IV-Debatte, in der Außenminister Guido Westerwelle äußerte, anstrengungsloser Wohlstand lade zu spätrömischer Dekadenz ein. Laut Pauly, dem Pressesprecher von Die Linke in Lüneburg, ist diese Aussage völliger Unsinn, denn Hartz-IV-Empfänger werden einerseits gedrillt zu arbeiten und von Wohlstand könnte man bei 359 Euro im Monat auch nicht gerade sprechen. "Anstrengungslosen Wohlstand, das bekommen diejenigen, die so aussehen, wie ich gerade gekleidet bin", sagt Pauly grinsend und deutet auf seinen Anzug. Er meint damit die Großerben und Hochverdienenden, welche durch Zinsen und unter anderem durch die, von der FDP umgesetzte Senkung der Hotelsteuern ein angenehmes Leben führen können.

Die Reaktionen auf den kleinen Protest waren unterschiedlich. Philipp Rösler scherzte: "Wollt ihr übertreten?", verschwand dann aber sofort im Mensa-Gebäude, ohne sich den Grund für die Anwesenheit der Jugendgruppierungen erklären zu lassen. Die meisten FDPler schenkten dem Protest eher wenig Beachtung. Anders die Julis, die Jungen Liberalen, sie versorgten die Demonstranten mit Kaffee und Brötchen und begannen lebhafte Diskussionen über Steuer- und Sozialpolitik. Zu der Flipchart, die dem steigenden Umsatz der Mövenpick-Ag zeigte, äußerte sich Konstantin Kuhle, Mitglied der Juli: "Die Jungen Liberalen haben auf dem letzten Bundesparteitag der FDP in Hannover einen Änderungsantrag gestellt diese Mövenpick-Passage zu streichen. Wir sind damit nicht durchgekommen, aber die Julis werden versuchen das zu ändern."

Pauly zeigt sich am Ende der Veranstaltung sehr zufrieden: "Wir haben gezeigt, dass die FDP hier in Lüneburg nicht ohne weiteres, nicht ohne Kritik, tagen kann. Wir haben uns ihnen mit interessanten Aktionen entgegengestellt und sehr interessant waren auch die Gespräche, die am Rande entstanden sind." Aufgrund dieser Gespräche formte sich die Idee im Rahmen einer eigenen Veranstaltung, den Diskurs zwischen Julis und Solid fortzuführen. Der Parteitag in Lüneburg wird also nicht die letzte Begegnung der jungen Politiker sein.


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