Reiches Land - arme Kinder
15.02.2004: Flugblatt des Monats. Argumente gegen Sozialabbau.
Der Bundesvorstand der SJD-Die Falken bietet für Gliederungen der Falken regelmäßig eine Flugblattvorlage für Diskussionen vor Ort. Hier der Flugblatttext "Reiches Land - arme Kinder".
Immer mehr arme Kinder in Deutschland
2003 lebten etwa eine Million Kinder in Deutschland in Familien, die Sozialhilfe erhalten. Etwa doppelt so viele lebten in Familien, die über weniger als 50% des Durchschnittseinkommens verfügen. Das ist jedes siebte Kind!
Zweiter Armutsbericht im Herbst
Im Herbst diesen Jahres wird die Bundesregierung ihren 2. Armuts- und Reichtumsbericht vorstellen. Wir fürchten, dass es keine positiven Überraschungen bringen wird. Die derzeitigen "Reformen" im Arbeits- und Sozialbereich, insbesondere die Zusammenlegung der Arbeitslosen- mit der Sozialhilfe, wird zu mehr Kinderarmut in Deutschland führen. Kinder stellen in Deutschland ein Armutsrisiko dar: Mit der Geburt eines Kindes sinkt der Lebensstandard in der Familie.
Die Folgen sind vielfältig:
- Schlechtere Gesundheit: Arme Kinder werden öfter krank.
- Schlechte Bildungschancen: Kinder aus armen Familien sind im Bildungssystem benachteiligt. Und wer im Bildungssystem benachteiligt ist, hat auch weniger Chancen, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen.
- Schlechte Ernährung: JedeR LehrerIn, aber auch jedeR HelferIn kann bestätigen, dass in den letzten Jahren zunehmend Kinder hungrig in Schule oder Gruppenstunde kommen. Auf Freizeiten wird deutlich, dass immer weniger Kinder es gewohnt sind, drei Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten zu bekommen.
- Unzureichende Beteiligung am gesellschaftlichen Leben: Kinder aus armen Familien beteiligen sich seltener an gesellschaftlichen Prozessen. Durch die erschwerten Bedingungen im häuslichen Umfeld und die schlechtere Bildung können arme Kinder ihre Interessen noch weniger vertreten als nicht-arme Kinder in unserer Gesellschaft.
Schluss mit Sonntagsreden
Das ist ein Skandal, für den sich diese Gesellschaft schämen sollte! Wenn Politiker in ihren Sonntagsreden die Bedeutung der Kindheit hochhalten und sich gerne mit Kindern schmücken, dann ist das angesichts ihrer Politik, die Kinder ärmer macht, eine glatte Lüge! Kinder haben ein Recht auf ein Leben in Würde, auf Bildung und auf soziale und politische Beteiligung! Dieses Recht haben sie nicht nur, wenn es in den Medien wirksam und bildschön zu zeigen ist, sondern immer und überall!
Wir fordern daher:
- Reformen, die das Armutsrisiko von Kindern erhöhen, müssen zurückgenommen werden! Familien dürfen durch Kinder nicht an ihr Existenzminimum getrieben werden. Soziale Unterstützungsleistungen und Steuersysteme müssen berücksichtigen, dass die klassische Familie mit Geldverdiener und Hausfrau als Eltern längst nicht mehr der Regelfall ist.
- Kinder müssen als eigenständige Subjekte bei Unterstützungsleistungen behandelt werden!
- Jugendverbände können einige der Folgen der Armut punktuell mildern. Dazu müssen sie aber mit den entsprechenden finanziellen und organisatorischen Mitteln ausgestattet sein. Wer hier kürzt, kürzt kommende Generationen in eine Armutskarriere und in die Unmündigkeit!
- Schulen müssen endlich an der Integration armer Kinder arbeiten statt oft schon nach der vierten Klasse zu selektieren! Je länger in gemeinsamen Klassen unterrichtet wird, umso geringer ist das Risiko, schon früh einen Bildungsweg einzuschlagen, der alle Zukunftschancen verbaut!
- Alle Kinder müssen als eigenständige Subjekte anerkannt und an den Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden! Und zwar nicht nur in Vorzeigeprojekten, sondern ernsthaft und immer und überall!






