Irak-Veteran Chris Capps-Schubert beim Ringtreffen 2010

11.11.2010: Chris Capps-Schubert war als US-Soldat im Irak-Krieg. Als er nach Afghanistan verlegt werden sollte, desertierte er aus der Armee. Beim Ringtreffen 2010 erzählte Chris über seine Erlebnisse.

von links nach rechts: Chris Capps-Schubert, Immi Benz und Michi Dehmlow

Was waren deine wichtigsten Gründe zu desertieren?

Während meiner Zeit im Irak-Krieg habe ich viel gesehen. Nicht direkt im Kampf. Aber ich habe genug Soldaten aus Kampfeinheiten und Menschen aus dem Irak getroffen, um mir mein eigenes Bild von der Situation im Krieg machen zu können.
Als ich aus dem Irak zurückkehrte und hörte, dass ich bald nach Afghanistan versetzt werden sollte, entschied ich mich, die Army zu verlassen.

Wie findest du das deutsche Modell der Wehrpflicht?

Ich finde, Menschen sollten nicht gegen ihren Willen zu einem Militärdienst verpflichtet werden. Von daher bin froh zu hören, dass die Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft werden soll.

Andererseits wird die Bundeswehr weiterhin Soldaten für ihre Armee brauchen. Deshalb wird es wohl eine sogenannte "Freiwilligenarmee" geben. Das heißt:

1. Bei dem Versuch junge Menschen zu werben, wird die Bundeswehr stärker in den Alltag der Menschen eindringen, egal ob durch wirksame Auftritte von Militärkapellen vor Fußball-Spielen oder durch Public Relations, wie z.B. durch Werbung oder Sponsoring.

2. Die Bundeswehr wird versuchen, diejenigen zu werben, die am Rande der deutschen Gesellschaft leben - also Menschen, die sonst kaum Perspektiven haben. Um diese Menschen anzusprechen, wird die Bundeswehr verstärkt in Schulen und beim Arbeitsamt präsent sein.

Was würdest du jungen Menschen raten, die vor der Entscheidung stehen, zur Armee zu gehen?

Ich kann niemandem vorschreiben zum Militär zu gehen oder nicht. Das muss jedeR für sich selbst entscheiden. Aber ich denke es ist wichtig, dass die Menschen die Wahrheit über den Militärdienst und die Realität hinter der Werbung und den Worten der Jung-Offiziere kennen sollten.
Ich persönlich bin mit der Vorstellung in die Army gegangen, nie in einen Kampfeinsatz gehen zu müssen. Ich hatte auch nie einen Ahnung davon, dass die Selbstmordrate unter Veteranen so astronomisch hoch ist. Es ist wichtig, den Leuten diese Wahrheiten zu sagen. Nur so können sie eine informierte Entscheidung treffen und müssen sich nicht auf die Propaganda des Militärs verlassen.