Global Governance for Peace

30.03.2004: Bericht von Tim Scholz über den IUSY-Kongress 2004 in Budapest

Fikile Mbalula wurde neuer IUSY-Präsident

Unter dem Motto "Global Governance for Peace" fand der 25. Weltkongress der sozialistischen Jugendinternationale IUSY Ende Februar in Budapest statt. Mehr als 350 Delegierte aus den über 140 IUSY-Mitgliedsorganisationen hatten sich zu diesem alle zwei Jahre stattfindenden Ereignis versammelt, um gemeinsam über ihre Vorstellungen von einer weltweiten Friedenspolitik zu diskutieren.

Konflikt mit Europäischen IUSY-Mitgliedern um Militärpolitik

Wie sich herausstellt, ist eine Mehrzahl der europäischen Organisationen der Fehlauffassung, dass man Frieden mit Waffengewalt erzwingen kann und man deshalb eine weltweite schnelle Eingreiftruppe schaffen müsse, um Konflikte militärisch zu lösen. Wir als SJD - Die Falken gemeinsam mit den deutschen Jusos, den österreichischen GenossInnen, der polnischen FMUP und einigen anderen haben zwar immer wieder versucht, die VertreterInnen dieser Meinung von ihrem Irrweg zurückzuholen, ohne Erfolg. Leider war der entsprechende Beschluss, der zu diesem Thema gefasst wurde, nicht der einzig enttäuschende Punkt. Jegliche Versuche, eine Kritik an der Militärmacht EU zu üben, fanden keinerlei Mehrheit, was uns den EUrozentrischen Charakter der IUSY verdeutlichte. Das ist umso spannender, als die westeuropäischen Organisationen zurecht gerne George Bush und bisweilen auch Tony Blair als Kriegstreiber bezeichnen. Aber über den zunehmend militaristischen Charakter der EU schweigen sie gerne oder verneinen ihn auch mit so schönen Beschreibungen wie "Europa - ein Modell für den Frieden in der Welt" - sehr schön diese Vogelstraußpolitik.

Fikile Mbalula erster afrikanischer IUSY-Präsident

Aber es gab auch viele positive Aspekte. Allem voran die Wahl des neuen Präsidenten der IUSY: Comrade Fikile Mbalula von der ANC Youth League aus Südafrika. Damit ist zum ersten Mal ein Genosse vom afrikanischen Kontinent zum Vorsitzenden der IUSY gewählt worden: ein kleiner Schritt zur Überwindung des EUrozentrismus der IUSY. Auch inhaltlich ist diese Wahl zu begrüßen. Wie Fikile in seiner Rede ankündigte, werde er die Schwerpunkte der IUSY in den nächsten beiden Jahren auf den Kampf gegen die wirtschaftliche Ausbeutung des Südens durch den Norden, auf eine stärkere Kooperation mit den neuen sozialen Bewegungen gegen den herrschenden Neoliberalismus sowie den Kampf gegen Sexismus und die Benachteiligung der Frau legen.

Marten Jennerjahn in die Kontrollkommission der IUSY gewählt

Auch als SJD-Die Falken können wir wieder ein wichtige Funktion in der IUSY wahrnehmen. Mit Marten Jennerjahn, dem ehemaligen Vorsitzenden der SJD - Die Falken, wurde wieder ein Falke als Leiter der Kontrollkommission gewählt. Er trat die Nachfolge von Tim Scholz an.

Frauenquote im IUSY-Präsidium erhöht

Gerade der letzte Punkt richte sich ganz deutlich auch an die IUSY-eigenen Strukturen. Eine in diesem Zusammenhang für uns wichtige und positive Veränderung war die Erhöhung der in den Statuten fixierten Frauenquote von 30 auf 45%des neunzehnköpfigen IUSY-Präsidium. Aber 45% Frauen im Präsidium ist natürlich nicht das Maximum.

Gespräche mit Partnerorganisationen

Neben den offiziellen Diskussionen bot der Kongress wie immer zahlreiche Möglichkeiten zu Gesprächen mit Mitgliedern anderer Organisationen. Mittlerweile traditionell sind ja schon die engen Kontakte der SJD-Die Falken zur FMUP aus Polen und dem Mladi Forum aus Slowenien. Ein sehr interessantes Gespräch habe ich mit der französischen MJS geführt, die sich zur Zeit in einer Strategiediskussion befindet und gemeinsam mit anderen das Netzwerk Courage in Frankreich aufbaut. Wir haben ihnen von KidsCourage in Berlin und unserer Zeltlagerarbeit berichtet. Die französischen GenossInnen waren davon sehr begeistert und würden sich das Ganze gerne mal in der Praxis ansehen. Deshalb haben wir sie in das Camp des LV Berlins nach Roche-les-Clerval und auch zum Pfingstcamp nach Berlin eingeladen.

Bundespfingstcamp in Berlin ist auch international attraktiv

Aber nicht nur die französischen GenossInnen wollen zu Pfingsten nach Berlin kommen, alle waren von der Idee des Pfingstfestivals begeistert und werden jetzt schauen, ob und wie sie ihre Teilnahme realisieren können.

Trotz der teilweise negativen inhaltlichen Entscheidungen des Kongresses war dieses Treffen wieder eine großartige Erfahrung. GenossInnen aus mehr als der Hälfte aller Staaten der Erde zu treffen, mit ihnen zu diskutieren, inhaltlich zu streiten, zu lachen und zu feiern, das ist erlebter Internationalismus.

Tim Scholz