IUSY 2003: No socialism without internatialism, but national flags for peace
26.07.2003: Freitag morgen, 9.30 (mehr oder weniger), Schauplatz "action for peace"-tent in Kammena Vourla, Griechenland.
Falken at the Festival
Das Thema: Friedensbewegungen im Nahen Osten.
Die Planung: Ein Sprecher zum Thema "Das Friedenslager in Palästina", ein Sprecher zum Thema "Das Friedenslager in Israel". Das ganze eingebettet durch die Einleitung der internationalen Sekretärin der norwegischen Arbeiterpartei. Eigentlich alles ganz vielversprechend.
Die Durchführung: Martin Sandgren (im IUSY-Präsidium verantwortlich für den Bereich Nahost) erklärt uns das intensive Engagement der IUSY in Nahost und berichtet stolz über die gemeinsame Resolution der Konfliktpartner. Katharina aus Norwegen erläutert uns, dass politischen Jugendorganisationen und Friedensorganisationen im täglichen Leben dafür kämpfen, dass mehr und mehr Menschen für eine friedliche Zukunft mobilisiert werden. Anwesend im Zelt neben TeilnehmerInnen des IUSY-Festival auch die Nationalflaggen von Israel und Palästina.
Der Hauptteil beginnt. Der erste Redner ist Nisam von der Fatah-Jugend. Gespannt lauschen wir den Ausführungen des Scheitern des israelischen Friedenslagers. Wir warten auf die Einführung und die Übersicht über das Friedenslager in Palästina. Wir warten vergeblich. (Nicht, dass es dieses Friedenslager nicht in Form kleiner NGOs geben würde, aber der Referent kam wohl einfach nicht dazu, uns dies zu erzählen.....). Und die palästinensische und die israelische Fahne wehten im Wind.
Obwohl Nisam das Thema seines Folge-Redners vorweggenommen hat, gibt uns Yair von der Meretz-Jugend erstmal eine Grobübersicht über das breite Spektrum des israelischen Friedenslagers. Wobei auch hier die Schuldzuweisung an die andere Seite nicht fehlt. Seiner Meinung nach ist die Friedensbewegung momentan in der Minderheit, weil der palästinensische Terrorismus den kleinen Hoffnungsschimmer ins Dunkel zurück drängte. Dennoch sieht er einen großen Erfolg, den das Friedenslager bislang erreicht hat. Dass es irgendwann Anfang der 90er Jahre eine Mehrheit innerhalb der israelischen Bevölkerung für eine zwei-Staaten-Lösung gab, führt er auf die Arbeit der verschiedenen Friedensorganisationen zurück. Kleinster gemeinsamer Nenner der Organisationen war das Ende der Okkupation.
Die vordringliche Aufgabe des - soweit noch vorhandenen - israelischen Friedenslagers heute sieht er darin, die öffentliche Meinung dahingehend zu beeinflussen, die Siedlungspolitik und deren Akzeptanz abzulehnen. Seiner Meinung nach kann nur dadurch ein Bürgerkrieg bei Aufgabe der Siedlungen verhindert werden. Yari formuliert aber auch seinen Anspruch an ein palästinensisches Friedenslager: dieses muss gegen den Terrorismus arbeiten, da Terror für ihn kein Weg gegen die Okkupation sein kann. Sein Ziel ist eine gute Zusammenarbeit der Staaten Palästina und Israel in der Zukunft, mit weitgehenden Kooperationen in allen Bereichen. Die Aufgabe "der Friedensbewegung" im Nahen Osten kann daher nur sein, einen neuen gemeinsamen Traum zu finden und zu verwirklichen. Und die Fahnen wurden geschwenkt.
Viele Kommentare lagen uns auf den Lippen, viele Fragen hätten wir gerne an die Experten gerichtet, um neue Mosaiksteine in unser begrenztes Wissen einzufügen. Einiges hätten wir auch gerne diskutiert (um genau zu sein nicht wenig). Aber schließlich war es erst einmal wichtig die Kommentare der anwesenden teilnehmenden GenossInnen aus der Region zu hören. Wo, wenn nicht auf einem IUSY-Festival (und beim Gruppenaustausch natürlich), bekommen wir diese schon direkt präsentiert. Es scheint, dass die meisten unserem Ansatz folgten. Der schöne Satz "the floor is open" (was allgemein indiziert, dass "die Bühne frei" ist zur Diskussion) wurde im wahrsten Sinn des Wortes genutzt. Auf der Bühne tümmelten sich im folgenden die Vertreter der Arbeiterjugend und der Fatah-Jugend, die dieselbe dann auch ausgiebig nutzten um der jeweils anderen Seite die Schuld zuzuweisen. Neue Argumente gab es nicht. Die Stimmen derer, die einen eher konstruktiven (und die Gemeinsamkeiten hervorhebenden) Ansatz vertraten, wurden geflissentlich überhört und erstickt. Und die Fahnen flatterten unruhig.
Beim IUSY-Festival treffen sich bekanntlich die sozialistischen Jugenden der Welt. Sozialismus ohne Internationalismus ist - zumindest bei Falkens - nicht denkbar. Der Frieden scheint Nationalflaggen zu brauchen?!? aber eines dürfen wir dabei natürlich nicht vergessen: Allein die Tatsache, dass sich die Organisationen aus der Region miteinander beim IUSY-Festival "action for peace" treffen ist zum derzeitigen Zeitpunkt ein großer Schritt. Und trotz allem negativ scheinenden Inhalt dieses Artikels kommen wir zu dem Schluss, dass wir diese Form des Schlagabtausch auch schon mehrfach wesentlich heftiger erlebt hatten. Und die Fahnen? Hinter ihnen steht viel, für beide Seiten. Sicherlich werden sie nicht verschwinden oder getauscht werden, aber vielleicht wehen sie ja in den nächsten Tagen etwas näher zusammengerückt. Wir werden sehen....






