Die Kommunikation mit den MedienvertreterInnen
26.07.2002: Laut werden - Über (Massen-) Medien kommunizieren 2
Journalisten sind auch nur Menschen, die regelmäßig informiert, eingebunden und gut bedient werden wollen. Deshalb ist die Pflege der Pressekontakte das A und O der Pressearbeit. Je nach Anlass und Situation könnt ihr dabei auf ein ganzes Maßnahmenbündel zurückgreifen, das wir euch hier vorstellen wollen. Da gibt es die regelmäßige Information per Telefon, die Einladungen zu Pressekonferenzen oder Hintergrundgesprächen bei wichtigen Anlässen oder das Verfassen und Versenden von Pressemeldungen (s.o.) zu aktuellen Anlässen. Besuche in der Redaktion sollten nur am Anfang in Betracht gezogen werden. Ihr könnt auch GesprächspartnerInnen für Hintergrundberichte vermitteln.
Der Presseverteiler
Der Aufbau eines Presseverteilers, d. h. einer Adressenliste mit allen in Frage kommenden Zeitungen, Anzeigenblättern, Hörfunk- und ggf. auch Fernsehredaktionen, erleichtert euch die Öffentlicheitsarbeit. Optimal ist es darüber hinaus, einen festen Ansprechpartner in den Redaktionen zu haben, um die zuständige Redaktion ohne große Streuund Zeitverluste über eure Aktionen informieren zu können. Am besten legt ihr im Büro eine Kartei an (mit Karten oder am Computer), damit auch der Vorstand, der nach euch kommt, die Kontakte weiter nutzen kann und nicht wieder von vorne anfängt.
Wenn ihr neu in die Öffentlichkeitsarbeit eurer Gliederung einsteigt, ist die Gelegenheit günstig für eine konkrete Kontaktaufnahme zu den Redaktionen. Verschafft euch zunächst einen Überblick. Zu welchen Medien und JournalistInnen hatte euer Büro, der letzte Vorstand regelmäßig Kontakt? Welche Medien wollt ihr ansprechen? Welche regionalen und überregionalen Zeitungen? Welche Fachblätter (z.B. Jugendringzeitschriften etc.)? Welche eigenen Medien, Verbandszeitschriften und Websites müssen mit Nachrichten und interessanten Berichten versorgt werden? Welche Szenezeitschriften oder Anzeigenblättchen drucken Berichte oder Veranstaltungshinweise? Welche (regionalen) Nachrichtenagenturen oder Info-Dienste kommen in Frage? Welche Behörden, Institutionen, befreundete Verbände oder Dachorganisationen etc. sollen informiert werden?
Dann schaut euch in den Medien an, wer regelmäßig jugendpolitische Berichte schreibt oder redigiert. Erkundigt euch in den Redaktionen(3) , wer hinter den Kürzeln steht, mit denen Artikel gekennzeichnet sind. Dort könnt ihr auch nachfragen, welche MitarbeiterInnen (auch freie) für ein Thema arbeiten. Und dann geht ’s los: Ruft eure/n potentielle/n AnsprechpartnerIn an - oder falls ihr noch keine/n habt - den RvD ("Redakteur vom Dienst"). Vereinbart einen Termin, zu dem ihr euch mit eurem Verband und besonderen Aktivitäten vorstellen wollt. Lasst euch nicht abwimmeln, sondern fragt im Zweifelsfall, ob ihr zu einem anderen Zeitpunkt anrufen könnt. Fragt er oder sie nach dem konkreten Anlass, dann sage einfach, dass du gerade den Job als PressesprecherIn übernommen hast und dich vorstellen willst! Bringe zum Termin dann einige eurer schriftlichen Informationen mit und deine Visitenkarte, damit die Kontaktaufnahme nachher leichter fällt. Bringe im Gespräch dann in Erfahrung, was dein Gegenüber in der Redaktion für Aufgaben hat, was in der Redaktion für Seiten/Sendungen produziert werden, wen kinder- und jugendpolitische Themen in der Redaktion sonst noch interessieren, wann eure Nachrichten und in welchem Umfang in der Redaktion sein müssen, welche Themen besonders interessieren und welche freie MitarbeiterInnen noch an diesen Themen arbeiten.(4)
Fotos und O-Töne
Ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte. Bildmotive zu schaffen sollte daher ein wichtiger - oft vergessener - Teil der Pressearbeit sein. Themen wie "Kinder forderten gewaltfreie Erziehung", "Tag des Kindes war ein großer Erfolg" oder "Kampagne gegen Rassismus gestartet" werden von JournalistInnen eher angenommen, wenn es dazu gutes Bildmaterial gibt, das die emotionale Seite unserer Aktion transportiert. Es ist gut, wenn ihr auf Zeltlagern und Aktionen gezielt Fotos aufnehmt, die sich zur Illustration eignen und einen hohen Informationsgehalt haben. Diese Fotos solltet ihr nach den Aktionen auf der Rückseite per Aufkleber beschriften mit Ort und Zeit der Aufnahme, Thema/Veranstaltung sowie dem Namen der Fotografierten/ Fotografin. Vorsicht ist bei Einzelporträts geboten, die nicht ohne Einwilligung der Abgebildeten veröffentlicht werden dürfen. Klärt, ob euch die Fotografin oder der Fotograf die Rechte zur Veröffentlichung überlässt.
Ebenso erleichtern wir den Reportern vom Rundfunk die Arbeit, wenn wir direkt an O-Töne (also Zitate von Interviewpartnern) denken, die Journalisten aufnehmen und in ihren Bericht mit einbauen können. Ihr könnt auch Kontakte herstellen zwischen JournalistInnen und interessierten Jugendlichen, die z.B. an einer internationalen Austauschmaßnahme teilgenommen haben.
Archiv
Erstellt regelmäßig einen Pressespiegel, in dem ihr alle Artikel rund um die geplanten Aktionen und Veranstaltungen sammelt, um eure Arbeit hinsichtlich Zielsetzungen und Wirkung überprüfen zu können. Hilfreich ist rund um eine Aktion auch eine Recherche im Internet bei den entsprechenden Tageszeitungen. Hier hilft die Suchmaschine www.paperball.de. Ihr könnt auch beim Falken- Bundesbüro anfragen, da dort ein Zeitungsausschnittdienst zur Dokumentierung aller bundesweiten Falkenaktivitäten abonniert ist. Auch Fotos solltet ihr für eure zukünftige Pressearbeit archivieren. Vielleicht nach Stichworten wie "Kinderzeltlager", "Aktionen", "Konferenzen" oder "Jugendgruppen". Dazu müsst ihr vorher die Fotos einzeln beschriften (s. o.).
Pressegespräch
Das Pressegespräch dient der Kontaktpflege und der Hintergrundinformation. Es ist ein informellerer und persönlicher Rahmen für die Informationsvermittlung. Die Veröffentlichung eines Artikels steht dabei nicht so sehr im Vordergrund. Wenn ihr beispielsweise eure Einschätzungen zu einem jugendpolitischen Konflikt vermitteln wollt oder soziale Entwicklungen im Stadtteil diskutieren wollt, könnt ihr euch bekannte JournalistInnen zu einem Pressegespräch in geeigneter Umgebung mit Getränk und (je nach Tageszeit) Imbiss einladen. Das Gespräch sollte auf höchstens eineinhalb Stunden begrenzt werden. Informationsmaterial und eventuell eine Presseerklärung sollten bereit liegen.
Interview
Die Aufforderung zu einem Zeitungs-, Radio- oder Fernsehinterview kommt meist kurzfristig und überraschend. Es ist eine lebhafte, aber auch sensible Form der Infomationsvermittlung. Eure Aussagen zu einem Sachverhalt gelangen möglicherweise unverändert an die Öffentlichkeit. Im Interview vermischt sich die persönliche Ausstrahlung mit der Information. Wer glaubwürdig sein will, muss also nicht nur informiert sein. Ihr könnt das eigene Auftreten und freie Sprechen im ungezwungenen Rahmen mit FreundInnen, bei einer Winterschule oder in einem Rhetorikseminar erproben und vielleicht noch verbessern. Vor dem Interview könnt ihr euch genau über den Ablauf und die inhaltliche Richtung des Interviews bei der Journalistin erkundigen. Jedoch lässt sich nicht alles im Detail abstimmen. Ein zu stark strukturiertes Interview verliert an Dynamik und Glaubhaftigkeit. Vorbereitung ist trotzdem möglich:
- Informiere dich über Motiv, Form, Inhalt, Fragestellung und Zielgruppe.
- Nimm dir Zeit für die Vorbereitung und verlasse dich nicht darauf, dass dir "schon was einfällt".
- Bei Radio- und Fernsehsendungen bleiben oft nur 30 Sekunden vom Gespräch übrig. Was soll in dieser kurzen Zeit bei den ZuhörerInnen ankommen?
- Notiere dir die wichtigsten Stichpunkte auf einem Spickzettel oder auf Karteikarten. Überlege dir zuerst einen durchgehenden Text von zwei oder drei Seiten, dann filtere die fünf wichtigsten Sätze heraus und schließlich die fünf wichtigsten Wörter oder Begriffe. Die musst du dann im Interview unterbringen!
- Sprich im Interview langsam und ruhig. Eine bildhafte Sprache macht dich einprägsamer. Du darfst auch eine Aussage mit anderen Worten wiederholen.
- Verweigere nicht ohne Begründung die Aussage (siehe Luthe, S.110f ).
Wenn ihr einen Mitschnitt von der Sendung möchtet, ist es sinnvoll zum Interview eine Kassette mitzubringen.
Die Pressekonferenz
Pressekonferenzen sollen nur dann veranstaltet werden, wenn die anderen Wege der Informationsvermittlung nicht ausreichen. Der Anlass muss also den organisatorischen Aufwand rechtfertigen. Anlässe könnten sein:
- Demos und andere Aktionen
- Abschluss einer Landeskonferenz
- Präsentation eines neuen für die allgemeine Öffentlichkeit interessanten Konzeptes (z.B. fürs Spielmobil, für die "Übernachmittagbetreuung" etc.)
- Eröffnung oder Schließung einer Einrichtung des Verbandes
- die Notwendigkeit, auf falsche Aussagen oder Berichte in den Medien zu Falken-Aktivitäten Stellung zu beziehen
Mit der Pressekonferenz können wir einen Beitrag zu Meinungsbildung und Information in der Öffentlichkeit leisten.
Organisation
- Vorbereitung: Im Vorstand und Büro müsst ihr klären, welches Ziel die Pressekonferenz hat, wer hingeht, wer die Redaktionen informiert und einlädt und welcher Termin der günstigste ist. Wer moderiert die PK und wer bereitet die Pressemappe vor?
- Termin: Die meisten Pressekonferenzen finden von Dienstag bis Freitagmittag statt. Die günstigsten Termine sind vormittags um 10.00 oder 11.00 Uhr, damit Veröffentlichungen noch in die Tageszeitung des nächsten Tages kommen können.
- Ort: Gut erreichbar. Kann Bezug zum Thema der Pressekonferenz haben und damit Möglichkeit zur Ortsbegehung bieten. Ausreichende Zahl an Stühlen und Tischen.
- Einladungsschreiben: Über VeranstalterIn und AnsprechpartnerIn informieren. Anlass deutlich machen. Über welche Themen soll gesprochen werden? Information über anwesende Gesprächspartner. Termin, Ort, Anfahrtsweg, Hinweise auf Parkplätze oder Öffentlichen Nahverkehr.
- Pressemappe: Ablaufplan mit Namen der RednerInnen, Selbstdarstellung des Verbandes, Texte der Redebeiträge, Pressetexte, Fotos, Grafiken und Zahlenmaterial, Namen und Funktionen der Anwesenden. Nicht überfrachten! Die Pressemappe kann nach der PK auch an Redaktionen geschickt werden, die nicht vertreten waren.
- Zur Pressekonferenz: Rechtzeitige Überprüfung der technischen Hilfsmittel wie Mikro oder Projektoren. Pressemappe mit Hintergrundinformationen und Presseerklärung bereitlegen. Teilnahmeliste zum Eintragen für spätere Kontakte auslegen. Je nach Tageszeit Getränke oder kleiner Imbiss.
Ablauf: Begrüßung. Anlass rekapitulieren. Ablauf skizzieren. ReferentInnen, Gäste, Vorstandsmitglieder oder MitarbeiterInnen vorstellen. Statements. Fragen und Diskussionen. Abschluss nach höchstens eineinhalb Stunden. Dann Möglichkeit zu Interviews, Nachgesprächen, evtl. Ortsbesichtigungen und Imbiss.
(3) Adressen der Redaktionen, Verlage oder Medienanstalten finden sich im "STAMM”, ein Adressverzeichnis, das in jeder Stadtbibliothek stehen müsste. (4) Mehr zum Thema "Pressearbeit" in Fesenfeld, Bergit, S.176 ff.






