Laut werden für eine gute Ausbildung
06.05.2004: Mit dem neuen Leporello für bessere Berufsausbildung streiten.
Laut werden für eine gute Ausbildung!
Im Rahmen der Mitgliederkampagne hat der Bundesvorstand der SJD - Die Falken einen zweiten Leporello (hier geht es zum Ersten!) mit Argumenten für eine Ausbildungsumlage und eine Reform des Berufsbildungsgesetzes herausgegeben.
<i>Die Leporellos sind im Bundesbüro kostenlos erhältlich und können auf Infoständen und per Infopost an Interessierte verteilt werden!</i> Laut werden für eine gute Ausbildung
Recht auf Ausbildung!
Jedes Jahr im Herbst das gleiche Bild: Es gibt wieder nicht genügend Ausbildungsplätze. Nach viel heißer Luft, großen Versprechen aus der Wirtschaft, aufgeregtem Zählen und medienwirksamem "Klinkenputzen" durch PolitikerInnen bleibt es dabei: Wieder stehen Zehntausende nach dem Schulabschluss ohne Ausbildungsplatz da. Sie können nach Dutzenden erfolgloser Bewerbungen sehen, wo sie bleiben oder dürfen noch einmal eine Warteschleife in sogenannten "berufsvorbereitenden Maßnahmen" - ein anderes Wort für Abstellgleis - verbringen. Inzwischen sind 15% aller jungen Leute unter 27 Jahren ohne jede Ausbildung - damit werden ihnen entscheidende Bildungs- und Zukunftschancen verwehrt. Für viele bleibt bestenfalls eine Karriere als HilfsarbeiterIn - Unsicherheit und Armutsrisiken inklusive.
Wünschen hilft nicht mehr
Unter dem Druck, überhaupt unter zu kommen, muss sich die Hälfte der Azubis gegen den eigenen Wunschberuf entscheiden - das Grundgesetz schützt die freie Berufswahl, und das Bundesverfassungsgericht sieht eine Auswahlfähigkeit, wenn auf 100 BewerberInnen 112,5 angebotene Ausbildungsplätze kommen. Aber Papier ist geduldig. Und ganze Landstriche veröden, auch weil dort kaum ein Jugendlicher einen Ausbildungsplatz findet, der nicht Hunderte Kilometer vom Wohnort entfernt liegt.
Qualifizierte Ausbildungsplätze in der Region
Es muss endlich etwas getan werden. Wir verlangen qualifizierte Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen in Berufen, die ihren Wünschen entsprechen und in der Region, in der sie Leben wollen. Die Berufsausbildung muss zum verbrieften Recht jedes einzelnen Menschen werden. __________________________________________________________________
Wer nicht ausbildet soll zahlen!
Wie fühlt sich ein Mensch, der auf jedes Bewerbungsschreiben hört: "... wir haben ins leider für einen anderen Bewerber entschieden, versuchen sie es doch bitte im nächsten Jahr noch einmal ..." Spätestens wer die zehnte Absage erhält, fängt an, die Schuld bei sich selbst zu suchen, weil sie nichts kann, weil er zu blöd ist... Das geht an die Nieren.
Nur noch ein Viertel der Betriebe bildet aus
Tatsache ist, dass nur noch ein Viertel der Betriebe überhaupt ausbildet. Der Rest lehnt sich mit dem Blick auf die schwarzen Zahlen in den eigenen Bilanzen zurück - um sich später über "Fachkräftemangel" zu beklagen. In nur zwei Jahren wurden noch einmal 15% aller betrieblichen Ausbildungsplätze abgebaut.
Von einem Notprogramm zum nächsten
Im dualen Ausbildungssystem ist der Staat für die Berufsschule zuständig, und die Wirtschaft muss betriebliche Ausbildungsplätze in genügender Anzahl zur Verfügung stellen. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Das hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass der Staat mit teuren Notprogrammen schlecht angesehene schulische Angebote für die Jugendlichen schaffen musste, die wegen des Abbaus der betrieblichen Ausbildungsplätze keine andere Chance auf einen Ausbildungsplatz haben.
Unternehmen, die ausbilden, sollen unterstützt werden
Wir fordern, die ausbildungsunwilligen Unternehmen endlich zur Kasse zu bitten! Wer nicht freiwillig ausbildet, soll in einen gemeinsamen Umlage-Topf einzahlen, aus dem diejenigen unterstützt werden, die überdurchschnittlich ausbilden. Das ist das einfache Prinzip der Ausbildungsumlage: Wer nicht ausbildet - wird umgelegt! So kann einigermaßen unabhängig von konjunkturellen Wellen ein breites Angebot an Ausbildungsplätzen sicher gestellt werden.
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Nicht nur mehr, auch besser!
Aber nicht nur an der Anzahl von Ausbildungsplätzen muss sich viel ändern. Auch die Qualität der Ausbildung muss besser werden. Um das sicher zu stellen fordern wir eine Reform des Berufbildungsgesetzes.
Berufsschule modernisieren
Die Berufsschulen dürfen nicht zum "Museum der Arbeit" werden. Für den Unterricht müssen eine moderne technische Ausstattung und eine ausreichende Anzahl von gut aus- und fortgebildeten LehrerInnen zur Verfügung stehen. Eine Abschaffung des zweiten wöchentlichen Berufsschultags lehnen wir ab. Und wir wollen, dass man am Ende des Berufsschultags nicht mehr im Betrieb weiter arbeiten muss. Auch die Pausen und Wegezeiten müssen voll auf die Arbeitszeit angerechnet werden.
Unsere Forderungen für eine bessere Ausbildung
- Auch die Qualität der Ausbildung im Betrieb braucht klare Kriterien. Die Ausbildereignungsverordnung muss wieder voll gelten. AusbilderInnen müssen sich regelmäßig fortbilden.
- Für berufsausbildungsvorbereitende Maßnahmen müssen gesetzliche Mindeststandards gelten. Dort schon erworbene Qualifikationen sollen angerechnet werden. Lernzeitansprüche für die Weiterbildung müssen verankert werden.
- Statt des Rufs nach immer spezielleren Berufen muss eine breite Qualifikation die Grundlage für Weiterbildungsbausteine legen. Lernzeitansprüche für die Weiterbildung müssen verankert werden.
- Wir wollen ein durchlässigeres Berufsbildungssystem. Auch eine erfolgreiche Ausbildung muss keine schlechtere Voraussetzung für ein Hochschulstudium sein als das Abitur.
- In einem zusammenwachsenden Europa gehören zu einer guten Ausbildung auch die Vermittlung von Fremdsprachen, der Zugang zu Austauschprogrammen und Rahmenbedingungen für die gegenseitige Anerkennung von Ausbildungen und Ausbildungsabschnitten.
Gleiche Chancen!
Wir glauben nicht an das Allheilmittel, mit Blick auf Jugendliche, die als leistungsschwach eingestuft werden, "theoriegeminderte", nur zweijährige Schmalspur-Ausbildungsberufe zu erfinden. Kein zusätzlicher Ausbildungsplatz würde geschaffen, die einzige Folge wäre eine allgemeine Spirale der Qualitätssenkung. Und der ausgebildete Garderobier oder die Parkplatzwächterin mit IHK-Ausbildung sind Blödsinn. Statt dessen können und müssen ungünstige Startchancen, sei es aufgrund von Handicaps, geringen Sprachkenntnissen oder Schulfrust, durch besondere Vorbereitung, Begleitung und Unterstützung ausgeglichen werden. Wer es trotzdem nicht im ersten Anlauf bis zum Abschluss schafft, sollte absolvierte Ausbildungsabschnitte anerkannt und zertifiziert bekommen.
Berufliche Perspektiven für Frauen und Männer
Junge Frauen dürfen nicht in "mädchentypische" Ausbildungen abgedrängt werden, durch Förderpläne u.a. ist die freie Berufswahl jenseits von Geschlechter-Zuschreibungen zu unterstützen. Neue Berufe müssen Frauen und Männern Perspektiven bieten. Und auch, wer Kinder zu betreuen hat, muss das mit der Ausbildung vereinbaren können.
Berufswahl darf nicht von Geldbeutel und Herkunft abhängen
Die Möglichkeiten der Berufswahl dürfen nicht von Geldbeutel und Herkunft abhängen. Die Ausbildungsvergütung muss zum leben reichen. Schulgeld- und Lernmittelfreiheit müssen sichergestellt sein. Unselige Diskussionen, Azubis sollten ihren Meistern wieder Lehrgeld zahlen, müssen beendet werden - das ist finsterstes 19. Jahrhundert.
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Arbeitslosigkeit bekämpfen!
Eine solide Ausbildung ist entscheidend wichtig für die Möglichkeiten und Aussichten jeder und jedes einzelnen. Deshalb setzen wir uns für gute berufliche Startchancen für alle Jugendlichen ein. Aber so wichtig Ausbildung, Qualifizierung und Vermittlung für die persönlichen Chancen sind, sie alleine können am Normalzustand der Massenarbeitslosigkeit nichts ändern. Die kapitalistische Gesellschaft beruht auf der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft: Wer erarbeitet, was sich teurer verkaufen lässt, bekommt ein Stückchen ab vom Kuchen des geschaffenen Reichtums. Durch immer bessere Maschinen und Computer kann aber immer mehr mit immer weniger menschlicher Arbeitskraft produziert werden. Klingt eigentlich gut, wenn weniger Stress nötig ist. Aber innerhalb der kapitalistischen Profitlogik heißt weniger rentable Arbeit mehr Erwerbslosigkeit - und heißt Erwerbslosigkeit Ausgrenzung. Da beißt sich die Katze in den Schwanz: "Autos kaufen keine Autos."
Politik gegen Arbeitslosigkeit ist möglich!
Trotzdem ist Politik gegen die Arbeitslosigkeit hier und jetzt möglich:
- Überstunden müssen abgebaut und Arbeitszeiten verkürzt werden: Wir wollen weniger Arbeit - aber die für alle!
- Notwendige Arbeit muss finanziert werden: Fehlende Kinderbetreuung, geschlossene Freizeitheime oder Schulen, in die es reinregnet und fehlende Arbeitsplätze sind zwei Seiten der selben Medaille.
- Reichtum muss umverteilt werden. Von oben nach unten, nicht umgekehrt! Lohnsenkungen und erst recht jede Kürzung bei Arbeitslosen- und Sozialhilfe sind ungerecht und außerdem arbeitsmarktpolitisch großer Mist. Sie machen ärmer und zwingen zum Konsumverzicht.
Allein machen sie Dich ein!
Alleine sind wir leise. Zusammen werden wir laut und setzen uns ein für eine bessere Ausbildung. Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken fordert
- die Verankerung des Rechtsanspruchs auf eine volle Berufsausbildung,
- die sofortige Einführung der Umlagefinanzierung eines auswahlfähigen Angebots an Ausbildungsplätzen,
- eine umfassende Reform des Berufsbildungsgesetzes, um die Qualität der Ausbildung zu verbessern,
- Mitbestimmungsrechte für alle Auszubildenden,
- Gleiche Chancen durch umfassende Förderung
- Eine Ausbildungsvergütung, die zum Leben reicht,
- die konsequente Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit durch Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung des Reichtums von oben nach unten.






