Es ist wieder "Girls Day" - aber tut sich was?

26.04.2006: Die junge Frauengeneration in Deutschland verfügt über eine besonders gute Schulbildung. Dennoch entscheiden sich Mädchen im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Studienwahl noch immer überproportional häufig für "typisch weibliche" Berufsfelder oder Studienfächer.

Es ist aber kein Geheimnis, dass auch Institutionen und Strukturen Mädchen bei ihrer Ausbildungs- und Studienwahl beeinflussen, so dass sie sich überproportional häufig für "typisch weibliche" Berufsfelder oder Studienfächer und weniger für technische und techniknahe Bereiche entscheiden.

Helga Ostendorf, Politikwissenschaftlerin an der Freien Universität Berlin, hat die Berufsberatung genauer unter die Lupe genommen und kam zu dem Ergebnis, dass ausgerechnet die Berufsberatung die Entscheidung von Mädchen für traditionell weibliche Berufsfelder verstärkt.

Eine Ursache sieht sie darin, dass die BeraterInnen zu wenig über die zu Beratenden wissen. Sie gehen davon aus, dass den Mädchen Arbeitsumgebung und Arbeitsinhalte besonders wichtig seien. Jedoch haben bei den Mädchen Merkmale wie "Möglichkeiten zum Wiedereinstieg", "Aufstiegschancen" und "finanzielle Unabhängigkeit" bei ihrer Berufswahl einen deutlich höheren Stellenwert.

Ostendorf führt dies auf die begrenzten Informationsmöglichkeiten der BeraterInnen zurück. "Die Argumentation einschlägiger Veröffentlichungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) folgt häufig den Leitideen, dass Mädchen anders sind als Jungen und dass Frauen sich zuallererst um die Familie zu kümmern haben und erst danach - wenn überhaupt - um den Beruf. Die Annahme aber, dass Frauen mindestens für längere Zeit nicht erwerbstätig sein werden (und nicht sein sollten), impliziert, dass Mädchen keine tragfähige Erstausbildung brauchen."

Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Berufsberatung letzlich die Erschließung chancenreichen gewerblich-technischer Berufe für Mädchen bremst und im letzten Jahrzehnt immer weniger Mädchen in Berufe vermittelt hat, die von beiden Geschlechtern zu gleichen Anteilen erlernt werden.