Schlagen ist verboten!

03.06.2001: Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung

Es gibt leider keinen Artikel der UN-Kinderrechtekonvention, der lautet ?Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung?. In der Konvention ist dieses Recht nur indirekt ausgedrückt, nämlich im Artikel 19. Dort steht: ?Die Vertragsstaaten treffen alle (...) Maßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Misshandlung (...) zu schützen.? Das kann man so interpretieren, dass einen niemand schlagen darf, auch nicht die Eltern. Bisher haben die Erwachsenen aber immer gesagt, dass eine Ohrfeige als ?Mittel der Erziehung? erlaubt ist.

Ein neues Gesetz

Das hat sich jetzt geändert. Der deutsche Bundestag hat am 6. Juli 2000 ein Gesetz beschlossen, in dem steht, dass Kinder gewaltfrei erzogen werden müssen. Die Eltern dürfen ihre Kinder also nicht mehr schlagen.

Wir pfeifen auf Backpfeifen!

Gewalt gegen Kinder gehört aber in vielen Familien zum Alltag. 80% aller Kinder haben in ihrer Familie schon Gewalt erlebt. Das kann von einer einmaligen Ohrfeige bis zum regelmäßigen Verprügeln reichen.

Sprechen statt hauen

Manche Eltern wissen sich im Streit mit ihren Kindern nicht mehr zu helfen und schlagen die Kinder. Wenn ihnen jemand sagt, dass sie das nicht dürfen, sagen sie oft: ?Eine Ohrfeige hat noch keinem geschadet?. Das stimmt aber nicht. Eine Ohrfeige schadet immer. Das merkt man ja schon daran, dass sie wehtut - wie soll etwas schmerzhaftes denn nicht schaden? Wahrscheinlich haben diese Eltern als Kind selber Ohrfeigen bekommen. Und diese Ohrfeigen haben ihnen auch geschadet - sie haben nämlich dazu geführt, dass sie jetzt ihre eigenen Kinder schlagen. Ihre Eltern haben ihnen das beigebracht, ohne es zu merken.

Schlagen macht wütend

Wenn Kinder öfter geschlagen werden, haben sie dauernd Angst - Angst vor Strafe. Außerdem provozieren Schläge Ärger, Wut und Rachegefühle. Das habt ihr bestimmt schon einmal erlebt, wenn ihr euch auf dem Schulhof geprügelt habt. Wenn einen jemand schlägt, wird man wütend und möchte zurückschlagen. Aber bei den Eltern traut man sich das natürlich nicht, die sind ja auch viel stärker. Oft wird diese Wut dann an schwächeren ausgelebt. Man schlägt vielleicht seinen kleinen Bruder, nur weil der einem gerade einen Legostein geklaut hat. Deswegen dürfen Eltern ihre Kinder nicht schlagen. Schlagen ist immer schlimm, egal wen man schlägt.

Wer kann helfen?

Aber was passiert, wenn ein Kind von seinen Eltern geschlagen wird? Zuerst ist es ganz wichtig, mit jemandem zu reden. Die Schläge müssen einem nicht peinlich sein. Den Eltern muss es peinlich sein, dass sie sich nicht unter Kontrolle haben. Man kann mit den Eltern selber reden. Vielleicht tut es ihnen schon leid und sie sehen ein, dass sie einen Fehler gemacht haben. Wenn das nicht geht, kann man mit seinen Freunden reden, mit der Lehrerin, mit dem Helfer oder der Helferin bei den Falken. Es gibt auch eine Telefonberatung, die ?Nummer gegen Kummer? vom Kinderschutzbund. Die Telefonnummer ist 0800/1110333. Der Anruf kostet nichts und man braucht seinen Namen nicht zu sagen.

Wenn die Eltern grob gegen das Recht auf gewaltfreie Erziehung verstoßen - wenn sie das Kind ganz oft und ganz schlimm schlagen - kann es passieren, dass sie von ihrem Kind getrennt werden. Dann muss ein Gericht entscheiden, dass die Eltern nicht in der Lage sind, ihr Kind richtig zu erziehen und dass es dem Kind woanders besser geht. Das Kind kann dann in einer Pflegefamilie oder in einem Heim leben. Das ist aber immer der allerletzte Schritt wenn gar nichts mehr geht. Vorher können die Eltern sich z.B. in einer Erziehungsberatungsstelle Hilfe holen oder zu einem Psychologen gehen.

Kinder müssen ihre Rechte kennen

Wichtig ist, dass sich nicht nur in den Gesetzen, sondern auch in den Köpfen der Erwachsenen etwas ändert. Sie müssen lernen, dass sie ihre Kinder nicht schlagen dürfen. Ein erster Schritt ist, dass alle Kinder wissen, welche Rechte sie haben. Und wenn euch jemand mit dem Spruch von der Ohrfeige, die nicht schadet, kommt, könnt ihr ihm ruhig einen Vogel zeigen.

(aus: FREUNDSCHAFT. Kinderzeitschrift der SJD-Die Falken, Heft 1 ? 2001)