Solidarität muss praktisch werden!

03.03.2015: Für die praktische Solidarität mit jungen Geflüchteten

In vielen Falkengliederungen gehört die Arbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen bereits seit vielen Jahren zur gängigen Praxis, bei manchen wird sie erst durch die derzeitigen politischen Entwicklungen und sich daraus ergebenden Anfragen durch die Kommunen zu einem Thema, mit dem sie sich verstärkt auseinandersetzen müssen.

Bei der Arbeit mit Geflüchteten stehen wir vor besonderen Herausforderungen für unsere pädagogische Arbeit: In vielen Fällen handelt es sich gerade bei Kindern und Jugendlichen, die flüchten mussten, um Menschen, die bereits in sehr frühem Alter traumatische Erfahrungen gemacht haben. Für uns ist es wichtig, Sensibilität für diese besondere emotionale Situation der Geflüchteten und Empowerment in Bezug auf die Wahrnehmung ihrer eigener Interessen und Bedürfnisse in einem pädagogisch sinnvollen Handlungsrahmen zu verknüpfen, insbesondere, weil dies staatlichen Institutionen wie Schule oft nur vollkommen unzureichend gelingt.

Als antirassistischer und linker Jugendverband fordern wir politisch, gleiche Zugänge und Rechte für alle Menschen. Besonders Geflüchtete sind von vielen Dingen in unserer Gesellschaft systematisch ausgeschlossen. Bei uns soll das anders sein!

Die SJD- Die Falken sind ein Kinder- und Jugendverband, dessen Angebote jedem jungen Menschen zur Verfügung stehen, der sich mit ihren Grundsätzen identifizieren kann. Dafür muss die Möglichkeit bestehen, dass diese Angebote auch tatsächlich offen und erreichbar für alle sind, die daran teilnehmen möchten. Die Falken-Arbeit mit Geflüchteten bietet Herausforderungen, auf die wir uns vorbereiten sollten. Um diesem Anspruch gerecht werden, müssen wir unser Wissen auf diesem Gebiet vernetzen und uns professionalisieren.

Wie kann die Falken-Arbeit mit jungen Geflüchteten aussehen?

  • Wir können durch Mitteleinwerbungen eine für Geflüchtete bezahlbare bzw. kostenlose
  • Teilnahme an unseren Zeltlagern (und dem IFM-Camp) ermöglichen. Wir müssen darüber diskutieren, ob und wie wir unsere Häuser zur Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung stellen können.
  • Unsere Stadtteilarbeit z.B. mit unseren Spielmobilen könnte regelmäßig in Laufnähe zu Flüchtlingsunterkünften stattfinden und Helfer*innen können sich persönlich bei Eltern und Betreuer*innen vorstellen, um Berührungsängste abzubauen.
  • Flyer zu Veranstaltungen und anderen Angeboten können mehrsprachig formuliert sein.
  • Zusammen mit anderen lokalen Initiativen können Sammelaktionen für alles durchgeführt werden, was gerade gebraucht wird.
  • Wir können "Willkommenspakete" mit Informationen und dringend benötigten Dingen (Fahrtkarten, Stadtpläne, Schreibwaren etc.) verteilen.
  • Wir müssen auch unsere eigene, alltägliche Praxis immer wieder reflektieren, um sie auf Ausschlussmechanismen gegenüber Geflüchteten zu prüfen.
  • Dabei muss es unser Anspruch sein, über bloße Sozialarbeit hinaus zu gehen und geflüchteten Kindern und Jugendlichen eine politische Perspektive in unserem Verband zu eröffnen.

Neben der praktischen Arbeit für und mit mit jungen Geflüchteten sehen wir unsere politische Aufgabe darin, Lobbyarbeit für diejenigen zu machen, die keine ausreichende Lobby in der Bundesrepublik haben.- Wir können die Öffentlichkeitsarbeit für von Abschiebung bedrohte Menschen organisieren, Druck auf Parlamente ausüben und regelmäßig auf Missstände in der Versorgung, Unterbringung und Behandlung von Geflüchteten aufmerksam machen.

Wir haben beschlossen:

  • ein Forum zum Austausch für alle Gliederungen, die auf diesem Gebiet tätig sind oder sich damit auseinandersetzen möchten, zu organisieren.
  • eine Wochenendveranstaltung oder Tagung für unsere Helfer*innen zur Professionalisierung auf diesem Themengebiet mit auswärtiger Unterstützung (z.B. durch Pro Asyl oder Jugendliche Ohne Grenzen).
  • Der ZeV wird beauftragt, Kriterien und Bedingungen für die Aufnahme von Geflüchteten in unseren Häusern zu entwickeln und an die Vereine weiterzugeben.
  • das vorhandene Praxiswissen der Gliederungen zur Arbeit mit Geflüchteten schriftlich zusammentragen und verfügbar machen.
  • Der Verband trägt das Thema in der Vorbereitung auf das IFM-Camp an die Schwesterorganisationen heran, um im Vorfeld und vor Ort in intensiven Austausch zu treten.