Freundschaft ist international! Internationalismus bei den Falken stärken!
04.06.2003: BESCHLUSS der 30. Bundeskonferenz zur Internationalen Arbeit der Falken
Die Sozialistische Jugend Deutschlands - Die Falken versteht sich als internationalistischer Verband, der in der Tradition der sozialistischen ArbeiterInnenjugendbewegung steht. Dieses internationalistische Grundverständnis prägt unsere Theorie und Praxis.
Leider klaffen Anspruch und Realität im Verband mitunter weit auseinander, in Teilen des Verbandes ist die internationale Arbeit aus verschiedensten Gründen nicht mehr verankert. Es gibt aber auch gegenläufige Entwicklungen: einige Gliederungen sind seit Jahren kontinuierlich in der internationalen Arbeit mit gleichen PartnerInnen aktiv und daraus haben sich vielfältige Austauschmaßnahmen und andere Kooperationsprojekte entwickelt. Diese positiven und negativen Entwicklungen gilt es zu analysieren. In den letzten zwei Jahren hat die Internationale Kommission mit dieser Analyse begonnen. Eine wichtige Schlussfolgerung aus dieser ersten vorläufigen Analyse ist es, die Qualifizierung von GruppenleiterInnen für die internationale Arbeit zu verstärken. Klar ist auch, dass internationale Arbeit nur in der Verknüpfung mit der Ringarbeit erfolgreich sein. Internationale Aktivitäten müssen in die Arbeit der Gliederungen eingebunden sein, wenn sie es nicht sind, sind sie über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt.
Durch Qualifizierung und Austausch internationale Arbeit stärken
Um den Stellenwert der internationalen Arbeit im Verband weiter zu stärken wird die begonnene Qualifizierungsarbeit von GruppenleiterInnen fortgesetzt. Mit dem Handbuch zur internationalen Arbeit "Freundschaft ist international"ist bereits eine erste Hilfestellung für die Weiterentwicklung der internationalen Arbeit herausgegeben worden. Diese Loseblattsammlung soll in den kommenden zwei Jahren ständig erweitert werden.
Außerdem sollen Qualifizierungsmaßnahmen für GruppenleiterInnen in Zusammenarbeit mit beiden Bildungsstätten und in Kooperation mit den Gliederungen angeboten werden. Dabei muss es einerseits um die politische Fortbildung, andererseits um die organisatorische Qualifizierung für die internationale Arbeit gehen. Dieses kann unter anderem in dem jährlich geplanten "Forum internationale Arbeit"geschehen. Dieses Forum soll außerdem dazu beitragen, die regionalen internationalistischen Arbeitsansätze zu verknüpfen, GenossInnen aus der internationalistischen Praxis miteinander ins Gespräch zu bringen und so einen intensiveren Austausch über die internationale Arbeit des Verbandes jenseits von Kommissions- und Vorstandssitzungen zu ermöglichen.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass die internationale Arbeit (nicht nur) auf der Bundesebene mit der Arbeit der Ringe und deren Projekten verknüpft wird und sich somit gegenseitig ergänzt. Es gilt die vielleicht oftmals etwas abstrakte internationale Arbeit der Bundesebene erfahrbar zu machen durch umfangreiche Partizipationsmöglichkeiten für interessierte GenossInnen.
Internationale Solidarität
Als sozialistischer Jugendverband stellen wir dem Rassismus und einer Einteilung der Welt in gegeneinander konkurrierende Standorte unsere internationale Solidarität entgegen. Diese Solidarität gilt es, erfahrbar zu machen und praktisch und konkret zu stärken. Dazu ist eine Analyse des globalen Kapitalismus nötig, der weltweit Armut und ungerechte Strukturen fordert und fördert. Um jedoch gleichzeitig deutlich zu machen, dass wir nicht machtlos sind, dass Geschichte gemacht wird und Widerstand gegen eine ungerechte Weltordnung möglich ist, initiiert die Sozialistische Jugend ein bundesweites internationales Solidaritätsprojekt, an dem sich alle Gliederungen beteiligen können.
Unsere Arbeit in den Internationalen
IFM-SEI (International Falcon Movement)
Zusammen mit unseren Schwesterorganisationen Rote Falken Österreich, Unga Örnar Schweden und Woodcraft Folk Großbritannien traten wir auf dem IFM-Kongress 2001 an, die IFM-SEI zu reorganisieren und zu repolitisieren. Wir haben zusammen seitdem vieles erreicht, unsere Kinder- und Erziehungsinternationale veranstaltet wieder zahlreiche Aktivitäten und wird auch wieder politisch wahrgenommen. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber vor uns liegt noch viel Arbeit bis zu einer endgültig finanziell, strukturell und politisch konsolidierten IFM-SEI. Diesen Weg werden wir in den nächsten zwei Jahren weiter gehen. Das Hauptaugenmerk unseres Engagements muss daher der Politisierung und der Bildungsarbeit der IFM-SEI gelten. Dabei ist wichtig, dass die Internationale durch ihre Themen und Aktivitäten konkret erfahrbar für Mitglieder aus den einzelnen Organisationen wird. Deshalb beteiligen wir uns aktiv an der Bildungsarbeit der IFM-SEI.
Um den Reformprozess weiter voranzutreiben werden wir im Jahre 2004 anlässlich des 80. Geburtstages der Internationale den Kongress in der BRD ausrichten und uns auch zukünftig personell in das Präsidium einbringen. Wir werden auch in den nächsten zwei Jahren den Organisationsentwicklungsprozess der IFM-SEI in Mittel- und Osteuropa mit allen Kräften unterstützen. Zur Zeit entstehen zahlreiche Ansätze von Falkenorganisationen in diesen Ländern, nicht zuletzt auch aufgrund unseres Engagements in der Region in den vergangenen Jahren. Bei den neu entstehenden Organisationen ist für uns wichtig, dass es sich dabei um Selbstorganisationen von Kindern und Jugendlichen handelt, die demokratisch strukturiert sind. Diese Entwicklungen werden wir nach allen Kräften unterstützen. Mit den internationalen Seminaren im KLH besteht zu dem eine ausgezeichnete Möglichkeit, diese Organisationen kennenzulernen. Diese Seminare stehen allen Interessierten, auch aus unserem Verband, offen.
Wir begrüßen die Initiativen des IFM-SEI-Präsidiums, das Peace-Project für die Organisationen aus der Region des Nahen Osten wieder zu beleben. Leider ist eine Umsetzung, nicht zuletzt aufgrund der politischen Lage in Israel/Palästina, zur Zeit nicht absehbar. Wie auch in der Vergangenheit, werden wir dieses Projekt weiter unterstützen und uns aktiv an der Umsetzung beteiligen und über das Projekt im Verband berichten. Durch ein solches Projekt wird die IFM-SEI konkret erfahrbar. Interessierten Gruppen des Verbandes soll es ermöglicht werden, sich an einem potentiellen Peace-Camp zu beteiligen. Zusammen mit unseren europäischen Schwesterorganisationen sollten wir gemeinsam unsere Ansprüche an eine europäische Kinder- und Jugendpolitik diskutieren, um damit die IFM-SEI auch stärker in die bereits stattfindende Diskussion auf europäischer Ebene einzubringen und sich zu vernetzen.
IUSY (International Union of Socialist Youth)
In diesem Sommer findet in Griechenland das nächste IUSY-Festival statt. Der Verband wird sich aufgrund der Sommerferientermine der einzelnen Bundesländer leider nur mit einer kleineren Delegation als beim letzten Festival beteiligen können. Dennoch wollen wir uns auch wieder aktiv in die Diskussionen in den Seminaren und Workshops einmischen, zusammen mit der SJÖ ein gemeinsames Zelt organisieren und uns insbesondere in die Ausgestaltung des Frauen- und des Queerzeltes einbringen. Gerade der Themenschwerpunkt des Festivals "Global Action for Peace" bietet für uns als antimilitaristischer Verband die Möglichkeit unser deutliches und klares Nein! zu jedem Krieg intensiv in die Diskussion einzubringen.
Dieses werden wir aber nicht nur auf dem Festival tun, sondern auch in der Diskussion um das Positionspapier "Global Governance for Peace", welches auf dem nächsten Kongress beschlossen werden soll. Dieses werden wir gemeinsam tun mit unseren Partnerorganisationen wie zum Beispiel der FMUP aus Polen, der SJÖ, der serbischen SDO oder der JUSO Schweiz, genauso wie unseren außereuropäischen Organisationen wie der ANC Youth League aus Südafrika oder DAPSY Malaysia. Ziel muss es sein, den antimilitaristischen Grundkonsens zu verbreitern. Eine stärkere Vernetzung mit diesen und anderen Organisationen innerhalb des breiten IUSY-Spektrums erscheint sinnvoll.
Wichtig bleibt zudem unsere Mitarbeit in der Feminist Working Group und der LesBiGayTransgender-Group, um diese zu stärken, unsere guten Positionen dort einzubringen und zu versuchen, diese dort mehrheitsfähig zu machen.
Auch bei den IUSY-Aktivitäten muss es das Ziel sein, eine stärkere Beteiligung von interessierten GenossInnen aus dem Verband zu erreichen. Dieses ist zum Beispiel durch ein stärkere Berichterstattung über Aktivitäten in den Publikationen des Verbandes möglich, aber auch durch eine direkte Ansprache von GenossInnen, wobei klar sein muss, dass Infofluss keine Einbahnstrasse ist.
ECOSY (European Community Organisation of Socialist Youth)
Auf dem letzten ECOSY-Kongress hat es einen Generationswechsel gegeben, große Teile des Präsidiums traten nicht mehr an. Dadurch bietet sich unter Umständen die Chance zu einer Neuausrichtung der ECOSY. Wir wollen eine ECOSY, die sich mit für jungen Menschen relevanten Themen beschäftigt. Zudem hat sich der Charakter der ECOSY durch die Aufnahme zahlreicher Organisationen aus Mittel- und Osteuropa verändert. Dieses muss sich nun auch in der Arbeit der ECOSY wiederspiegeln. Wir unterstützen daher die angestrebte Reform der ECOSY. Wichtig ist für uns in erster Linie, dass ECOSY ein Netzwerk von Organisationen bleibt, eine Einbeziehung von Individuen wird von uns abgelehnt. Zudem wendet sich die SJD - Die Falken gegen die Tendenz, sich immer mehr als Politikberatung zu für die SPE zu verstehen. Wir werden uns wie bisher an den ECOSY-Aktivitäten nach Möglichkeit beteiligen, allerdings bleibt unser Handlungsrahmen die IUSY und ihr European Committee. Um unseren Vorstellungen von einer reformierten ECOSY ein stärkeres Gewicht zu verleihen, werden wir in Zukunft unsere Ideen und Arbeit eng mit FMUP aus Polen, der SJÖ und anderen interessierten Organisationen koordinieren.
Sozialforumsbewegung
Als sozialistischer Kinder- und Jugendverband tragen wir unsere Positionen und Handlungsorientierungen in die globalisierungskritische Bewegung. Diese Bewegung manifestiert sich unter anderem in der Sozialforumsbewegung wie Weltsozialforum und Europäisches Sozialforum. Diese Foren müssen zur Vernetzung und zur gemeinsamen Utopie-Entwicklung dienen, wie eine andere Welt aussehen kann, in der die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen abgeschafft ist. Unsere Inhalte müssen wir nicht nur innerhalb von IFM, IUSY und ECOSY vertreten, sondern auch innerhalb der Sozialforumsbewegung. Deshalb bringen wir uns aktiv ein in die Diskussion und gestalten diese mit. Diese Foren bieten Möglichkeiten zu einer breiten Partizipation. Die Breite und Vielfalt der Bewegung ist auch gleichzeitig ihre Stärke.
Schwerpunktregionen der internationalen Arbeit der Bundesebene
Mittel-, Südost- und Osteuropa: Der Hauptschwerpunkt der Arbeit der Bundesebene soll auch weiterhin die Unterstützung der sich immer noch entwickelnden politischen Kinder- und Jugendorganisationen bleiben. Ein Fokus wird dabei die Förderung von Organisationen haben, welche die Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen als eines ihrer Grundprinzipen betrachten Wir sehen zudem unsere Aufgabe in Anregungen und Impulssetzungen für den Aufbau weitere politischer Kinderarbeit in den genannten Regionen und die Unterstützung der bereits entstandenen Organisationen.
Zusammen mit der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein sollen die Ziele der Bildungsarbeit in den internationalen Seminaren vor diesem Hintergrund definiert werden und in ein Konzept zur Bildungsarbeit mit den Organisationen aus den Regionen werden soll. Die Bildungsmaßnahmen stehen natürlich auch weiter den Organisationen aus Westeuropa offen.
Nahost: Durch das Peace-Project ergeben sich umfangreiche Möglichkeiten für eine Wiederbelebung der Nahost-Arbeit auf Bundesebene, die in den letzten Jahren auch aufgrund der politischen Lage nicht in dem Umfang durchgeführt werden konnte, wie sie geplant war. Der Bundesverband wird sich auch zukünftig aktiv in die Umsetzung des Peace-Projects einbringen und eine aktive Teilnahme des Verbandes sicherstellen. Der Bundesverband wird versuchen in den nächsten zwei Jahren eine Delegation in die Region mit VertreterInnen der Bundesebene und der Gliederungen zu entsenden, wenn es die politische Lage erlaubt.
(Bei einigen Enthaltungen einstimmig angenommen.)







