Train for Change! - Das Tagebuch vom Camp

Immer wenn es die Zeit erlaubt, berichten wir aus Österreich und Tschechien

Samstag, 07.August 2010, Berlin/Deutschland :
Liebe Falken,

in der zweiten Woche hat es mit dem Internetzugang in Jedovnice nicht gut funktioniert, so dass ihr von zu Hause aus einen letzten Bericht erhaltet.

In der zweiten Woche haben wir bis zum Schluss noch viele Workshops besucht. Annika hat mit ganz vielen interessierten Teilnehmenden zusammen einen Solarkocher selber gebaut und darin Wasser für Tee gekocht. Das hat sogar funktioniert, wie ihr hier sehen könnt.

Beim Gummibärchenplanspiel im Themenbereich World Economic System, für das unser Verband zuständig war, haben wir in den drei Kontinenten rot, grün und blau sehr unterschiedliche Ausgangsbedingungen für das Leben der BewohnerInnen vorgefunden. Die BewohnerInnen mussten "Schiffe" produzieren. Einige haben Gewerkschaften gegründet und es dadurch geschafft den "Ungelernten" eine "Ausbildung" zu verschaffen. Manchmal mussten die "UnternehmerInnen" den Verlust einiger "Schiffe" hinnehmen, denn in den internationalen Gewässern zwischen den Kontinenten waren natürlich "PiratInnen" unterwegs. Einige "ArbeiterInnen" sind leider "gestorben", weil sie keine Nahrung (Gummibärchen) mehr zu essen hatten. Auf dem Gummibärchenfriedhof finden sich nun "Grabsteine" mit der Aufschrift "An unknown worker".

Bei der Abschlussveranstaltung haben die Falken aus Hessen-Süd den tschechischen Pionieren als Dankeschön ein Buch aus dem IFM-Camp in den 1960ern Jahren überreicht, das sie in ihren Gruppenräumen gefunden haben. Zum Abschluss haben wir "Falken sind affengeil" und "Im blauen Hemd" für alle gesungen.

Wir sind alle gut zu Hause in Dortmund, Bielefeld, Berlin, Oldenburg, Braunschweig, Kassel und Frankfurt angekommen. Auf der Zugfahrt zurück haben wir uns darüber unterhalten, was uns gut gefallen hat oder was schlecht gelaufen ist. Und da die letzte Nacht - wie sich das gehört - kurz war haben wir viel geschlafen. Die Falken aus Hessen-Süd und -Nord haben noch ein 5 tägiges-Auswertungs-Nachcamp in Jedovnice gemacht.

Zurück haben wir natürlich alle ausgetauschten E-Mail-Adressen und Facebookprofile eingegeben, um mit unseren neuen FreundInnen in Kontakt zu bleiben. Viele haben sich vorgenommen, im nächsten Jahr auf das CoCamp der Woodcraft Folk zu fahren, dort wird es um Kooperation gehen, um Co-existence, um

In der Galerie könnt ihr nun einige der schönsten Fotos aus dem T4C anschauen sowie dem link zu den Campnachrichten folgen.

Nun schwelgen wir nicht nur in Erinnerungen, sondern überlegen was wir aus den gewonnenen Erfahrungen und den Diskussionen mitgenommen haben, welche Themen uns besonders stark im Kopf geblieben sind und welche Themen wir weiter verfolgen wollen.

Mit Vorfreunde auf das nächste internationale Zeltlager grüßen euch eure Falken von überall


Dienstag, 03.August 2010, Jedovnice/Tschechische Republik :
Liebe Falken,

heute war in Jedovnice Ausflugstag. Viele aus unseren Dörfern sind nach Brno gefahren, das ist die nächstgrößere Stadt. Oder sie haben die Schluchten und Tropfsteinhöhlen in der Umgebung besucht. So sind viele Kilometer Fußmarsch und eindrucksvolle Bilder zusammen gekommen. Beim Abendessen haben wir dann ordentlich zugelangt.

Über 1.000 Kinder, Jugendliche und HelferInnen essen ganz schön viel, es bilden sich lange Schlangen vor der Essensausgabe, da werden 120 Wassermelonen auf dem Platz verteilt, wir schleppen 200 Brötchen für das Frühstück in jedes der acht Dörfer. Das klappt wunderbar, denn alle packen selbstständig mit an.

Diejenigen, die heute tagsüber auf dem Platz geblieben sind haben aufgeräumt, wie so häufig Workshops vorbereitet, Geschenke für das Spiel "secret friend" gebastelt, die nächsten Sitzungen der Falken vorbereitet und Artikel für die Lagerzeitung geschrieben.

Auf der offenen Bühne wird heute abend ein vielen bekanntes Märchen neu "erzählt". Der Workshop zur "Heteronormativität in Märchen" hat ein Märchen umgeschrieben, so dass die klassischen Rollen der Prinzessin und dem Prinzen neu erzählt werden. Die Prinzessin kann mehr als hübsch sein und der Prinz reitet nicht heldenhaft auf dem Pferd heran, sondern bei uns heiraten Carlo und Cinderello und leben glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Holinky und Freundschaft! Maja


Samstag/Sonntag, 01.August 2010, Jedovnice/Tschechische Republik :
Liebe Falken,
wir sind wohlbehalten in Jedovnice in der Tschechischen Republik, dem zweiten Ort unseres IFM-Camps, angekommen.

Train for Change! - Das Tagebuch vom Camp


Der Umzug mit dem Train for Change hat wunderbar geklappt. Unser Gepäck ist mit dem LKW gefahren, wir sind mit einem Sonderzug gefahren. Sogar auf der Anzeigetafel im Bahnhof stand unser Zug angeschlagen mit Uhrzeit und dem Titel Train for Change. Pusti (=cool), oder? Ein ganzer Zug mit 10 Waggons nur für uns. Vorne und hinten gab es leere Wagen, in denen wir Musik hören, spielen und diskutieren konnten. Zwischendurch haben wir gequatscht, aus dem Fenster geschaut und die sich ändernde Landschaft an uns vorbeiziehen lassen. Wir haben die Alpen in Österreich nach und nach hinter uns gelassen und wohnen hier wieder an einem schönen See in einer leicht hügeligen Landschaft.

Den Platz in Jedovnice haben wir ganz für uns. Wir wohnen unverändert in den Dörfern, so dass wir unsere NachbarInnen schon kennen. Zwar gibt es hier viele kleine Holzhütten, in denen wir wohnen, aber die Pioniere haben auch Zelte für uns organisiert. Sie sind mal groß, mal klein, mal grün, mal bunt, mal ein Tipi, mal eine Jurte; also ein kunterbuntes und lustiges Durcheinander. So ist gesichert, dass wir unser Zelt leicht wieder erkennen, oder?

Gestern haben wir am Lagerfeuer gesessen und Lieder auf englisch, auf finnisch, auf arabisch, auf deutsch und auf russisch gesungen. Zum Glück ist auf der Rückseite der aktuellen Freundschaft das Lied Friedensmaler, das ohnehin in mehreren Sprachen gesungen wird, und das wir auf diesem Wege unseren Freundinnen und Freunden beibringen konnten. Es hat ihnen sehr gut gefallen. Auch bei der Spaßolympiade hatten wir jede Menge Spaß: Gummistiefelweitwurf, mit den Händen an den Füßen über eine Bank krabbeln und andere verrückte Spiele.

Am Abend haben wir alle zusammen die zweite Campwoche offiziell eröffnet. Das geht natürlich nicht ohne den Campsong (den Text können wir nun schon auswendig) und die neuesten Neuigkeiten, die das Medienteam in Fotos und Filmen gesammelt hat.

Heute ist Workshoptag. Nebenan findet gerade der Internationalismus-Workshop statt, hier lassen sich neue Kontakte schließen. Rinske bietet einen Workshop zu Sozialistischer Erziehung an, Maja organisiert den Workshop, in dem wir das Logo zu unserer Kampagne "Die Gruppe macht´s" auf T-Shirts drucken, während Bine und Immi das Planspiel zu Kinderrechten auf die Beine stellen.

Wir senden euch sonnige und sozialistische Grüße sowie ein lautes Freundschaft!
eure Falken aus Jedovnice



Freitag, 29.Juli 2010, Döbriach/Österreich:
Liebe Genossen, liebe Genossinnen,

unser letzter Tag in Döbriach neigt sich dem Ende zu. Wir haben unsere Taschen gepackt, damit diese in die LKW´s geladen werden können. Unser Gepäck reist nämlich im LKW von Döbriach nach Jedovnice. Wir aber reisen im Train for Change.

Dementsprechend war der Morgen von letzten technischen Informationen über den bevorstehenden Umzug mit dem Sonderzug geprägt. Alles ist gut durchorganisiert, so dass der Umzug mit dem gesamten Camp ein lustiges Abenteuer werden kann.

Noch nicht erwähnt haben wir die gestrige Demonstration. Es hat eine Demonstration durch alle Dörfer bis vor die Türen des gerade tagenden zentralen Teams gegeben. Die DemonstrantInnen forderten mehr Käse, Kaffee und Müsli für das Frühstück. Leider ist das Frühstück hier einseitig gewesen, überwiegend weiße Brötchen, eine Sorte Marmelade und ein wenig Streichkäse. Viele aus unserer Delegation haben sich der Forderung angeschlossen und waren mit "Müsli statt Marmelade"-Plakaten dabei. In einigen Dörfern konnten wir die zuerst skeptischen GenossInnen überzeugen, sich der Demo anzuschließen. Die Demo hat zu vielen Diskussionen geführt, das ist im Sinne der Selbstorganisation und Demokratie ein guter Anfang.

Am Abend gab es eine kleine Erste-Woche-Abschiedsveranstaltung auf dem Festplatz. Heute haben auch Tamsin und Tim aus dem Präsidium der IFM-SEI eine kleine Ansprache gehalten. Wir haben den fleißigen HelferInnen der Kinderfreunde und Rote Falken gedankt, die neuesten Neuigkeiten in den vom Medienteam selbtsgedrehten Filmen gesehen und natürlich gemeinsam den Campsong gesungen. Danke für den schönen Campsong an Kai aus dem UB Gelsenkirchen. Plötzlich standen auch wieder Alexandra und Ludwig - unsere EntdeckerInnen auf der Bühne und haben uns auf die Reise eingestimmt.

Nachdem wir uns in der ersten Woche der Analyse der Gesellschaft gewidmet haben, folgt in der zweiten Woche die Idee des "Action for a Social Change". Wir werden in den Workshops diskutieren, ausprobieren und darüber nachdenken, wie wir die Welt jeden Tag ein bißchen bunter, gerechter und solidarischer gestalten können.

Liebe Genossinnen und Genossen: morgen müssen wir sehr früh aufstehen, damit der Umzug funktioniert. Darum wünschen wir eine gute letzte Nacht auf dem wirklich schönen Platz in Döbriach.

Prátelství, Sadaka und Freundschaft!
eure Falken aus Döbriach


Donnerstag, 29.Juli 2010, Döbriach/Österreich:

Liebe GenossInnen,liebe Genossen,

heute regnet es das erste Mal in Döbriach. Aber das seit drei Tagen angekündigte Gewitter ist zum Glück noch immer nicht angekommen.

Die Stimmung im Train for Change ist gut. Wenn wir so über den Platz laufen, dann treffen wir viele uns bekannte Gesichter aus den anderen Dörfern, die wir in den letzten Tagen beim Abendprogramm, beim Volleyball, im Jugendclub oder im Workshop kennengelernt haben. Am Lagerfeuer teilen wir das Stockbrot und haben festgestellt, dass, obwohl wir nicht alle eine gemeinsame Sprache haben, das Spielen trotzdem hervorragend klappt.

Am Donnerstag ist wieder ein "global day", das sind die zentralen Tage an denen Workshops stattfinden.

Bei Immi im Kinderrechteworkshop waren viele Kinder. Sie haben eine Weltkarte mit fünf Kategorien gemalt. Die Kinder haben diskutiert wie gut oder schlecht einige Kinderrechte beachtet werden, z.B. Kinderarmut, Kinderausbeutung, Gewalt und Mitbestimmung. Sie haben festgestellt, dass es viele Unterschiede gibt und es in keinem Land ideal ist. Die unterschiedlichen Situationen haben sie auf der Weltkarte farbig markiert. Rot ist schlecht und blau wäre ideal.

Das Medienteam gibt jeden Tag eine Zeitung heraus. So wissen wir was in den anderen Dörfern los ist, wie die Wetteraussichten sind, lesen Witze und Bilder aus dem non-smoking-workshop. Ja, eine Gruppe Jugendlicher, die Aufklärung über die schädlichen Folgen des Rauchens betreibt gibt es hier auch.

Jeden Tag um 16 Uhr ist action time. Wir haben schon alle gleichzeitig in die Hände geklatscht oder sind auf einem Bein gehüpft. Heute ist "freeze" an der Reihe. D.h. wir werden alle gleichzeitig in der Bewegung, die wir gerde ausführen einfrieren. Das wird sicherlich lustig ausschauen.

Servus und Freundschaft!
eure Falken aus Döbriach


Mittwoch, 28.Juli 2010, Döbriach/Österreich:

Liebe Falken,

am Mittwoch ist traditionell Ausflugstag in Döbriach. Diese Tradition haben viele von uns übernommen. Die Falken aus Weser-Ems sind 7 km bis nach Radenthein gewandert und haben dort in einer Mine Granat geschürft.

Vor dem Abendessen haben sich fast alle aus unserer Delegation auf dem Festplatz zum Gruppenfoto getroffen, das ihr bald hier sehen könnt.

Und jetzt endet gerade der Afrikaabend und die offene Bühne auf dem Festplatz. Wir haben wirklich viele kreative Kinder und Jugendliche hier, die schöne Filme drehen, toll singen oder Gitarre spielen können. Wir wechseln jetzt zum Lagerfeuer in die Dörfer und singen dort noch ein bißchen weiter.

Freundschaft!
eure Falken aus Döbriach


Dienstag, 27.Juli 2010, Döbriach/Österreich:

Liebe Genossinnen und Genossen,

über 100 Kinder, Jugendliche und HelferInnen der SJD - Die Falken senden euch viele Grüße aus dem IFM-Camp nach Hause und in eure Sommerzeltlager.

Wir sind nun schon zwei Tage im Train for Change und wohnen alle in verschiedenen Dörfern, z.B. im Dorf Internationalismus, Freundschaft und Solidarität. Noch können wir nicht alle Namen unserer DorfnachbarInnen, denn es sind über 1.000 Falken hier. Aber das wird sich heute Abend beim Dorfabend ändern. Wir sollen etwas über SJD - Die Falken erzählen und ein bekanntes Spiel aus unserem Verband mitbringen. Alle anderen bringen auch ein Spiel mit. Mal schauen, was uns einfällt...

Am Montagabend war die große Zeltlagereröffnung. Jede Organisation ist begrüßt worden, wir haben getanzt und den den Campsong gesungen.

Nach dem ganzen Kennenlernen und Platz erkunden ist heute das erste Mal Workshoptag. HelferInnen der SJD - Die Falken haben Workshops angeboten wie "Beetween flirting and harassment" im Themenbereich gender and sexuality oder den Workshop "Anticapitalist fashion design" im Themenbereich World Economic System. In allen Workshops waren sehr viele Kinder, Jugendliche aber so manch/e ein/e HelferIn. Das war toll, weil wir uns in verschiedenen Sprachen ausgetauscht haben. Heute Nachmittag betreuen einige von uns Stationen der Kinderrechterallye. Ihr seht, wir sind schön beschäftigt.

Zum Glück scheint die Sonne in Döbriach und haben wir unsere Freundinnen und Freunde von IYU, IYF, Hashomer Hatzair und HaNoar HaOved VeHaLomed aus Palästina und Israel in unserem Dorf.

Amitié, Amistad und Freundschaft!


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