"Knapp vorbei ist auch daneben"

30.05.2006: Kritik am "Kompetenz- Nachweis International" des Bundesministeriums für Jugend, der am 30. Mai in Berlin vorgestellt wird.

Knapp vorbei ...

Geforderte Kompetenzen für Internationalen Jugendaustausch bleiben unklar

Am 30. Mai präsentiert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Öffentlichkeit ein neues Instrument zur Zertifizierung ehrenamtlicher Arbeit: Den "Kompetenznachweis International". "Knapp vorbei ist eben auch daneben", äußert sich Sven Frye, Bundesvorsitzender der SJD - Die Falken skeptisch. "Ich befürchte, dass dies weder zu Qualifizierung noch Professionalisierung internationaler Jugendbegegnungen führen wird, stattdessen aber besteht die Gefahr der Verteuerung."

Aufwertung oder Verteuerung?

Der größte Anteil geförderter Jugendbegegnungen wird derzeit ehrenamtlich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Jugendverbänden organisiert und getragen. Unter Hinweis auf entsprechende europäische Vorgaben soll nun ein dreistufiges Zertifikat für internationale Arbeit eingeführt werden. Dies soll zur Professionalisierung und zu mehr Qualität beitragen. Mit der Ausstellung dieser Nachweise soll darüber hinaus die internationale Jugendarbeit eine Aufwertung erfahren. Die ersten beiden Stufen, der Teilnahmenachweis und der Engagementnachweis, sind vorwiegend für TeilnehmerInnen an Maßnahmen des internationalen Jugendaustausches gedacht. Diese Aufwertung der bisher üblichen Praxis begrüßen die Falken.

Problematisch ist jedoch spätestens die Stufe 3 einzuschätzen, der sogenannte Kompetenznachweis International. Dieser Kompetenznachweis darf nur von Personen ausgestellt werden, die dazu eine spezielle, externe Ausbildung durchlaufen haben. "Gegen diese Verlagerung nach Außen wehren wir uns", so Sven Frye,"es ist fraglich, ob das Ziel der Qualitätsentwicklung und Professionalisierung internationaler Jugendbegegnungen auf diesem Wege tatsächlich erreicht werden kann", so Sven Frye. Denn es wurden keine Standards oder ähnliches formuliert, sondern nur ein recht aufwendiges Zertifizierungsverfahren entwickelt. Das geht jedoch an der Realität der Jugendverbandsarbeit vorbei, die gerade von der Selbstorganisation junger Menschen und dem ehrenamtlichen Engagement lebt. Dies bedeutet keineswegs eine geringere Qualität der Arbeit, da schon in der Ausbildung zu JugendgruppenleiterInnen seit jeher hohe Qualitätsstandards erfüllt werden müssen.

JULEICA ergänzen

... am Helferteam

Daher fordern die Falken, das ohnehin bei vielen Jugendverbänden übliche Modul "internationale Arbeit" zu einem festen Bestandteil der Ausbildung im Rahmen der JuLeiCa zu machen, den Jugendverbänden aber ihre Eigenständigkeit in der Ausbildung und Bewertung weiterhin zuzugestehen.

Neben dem Mangel einer echten Notwendigkeit besteht darüber hinaus jedoch die Gefahr, dass schon nach "kurzer kostenloser Probezeit" entweder die Ausbildung kostenpflichtig wird, oder gar der Kompetenznachweis und die Anzahl der für die Ausstellung ausgebildeten Kräfte mit der finanziellen Förderung internationaler Jugendbegegnungen verknüpft wird. Sonst könnte dies in der Folge bedeuten, dass dieser außerordentlich wichtige Teil der Jugendarbeit, der europäische und internationale Zusammenhänge nachhaltig erlebbar macht, nur noch von wenigen Verbänden und Institutionen angeboten werden kann

"Die Motivation Jugendlicher für internationale Begegnungen soll erhöht und darf nicht durch bürokratische Hürden behindert werden", begründet Sven Frye die Position der Falken.

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