Finanzkrise? Der "Schwarze Freitag" jährt sich bereits zum 79. Mal...

24.10.2008: Bankenkrise und staatlichen Hilfen zeigen es einmal mehr: Reiche beglücken, Arme unterdrücken!

Während Politik und Medien sich nun um die Banken sorgen, bleiben die Sorgen und Nöte der Bevölkerung unbeachtet. Über die Ängste eines möglichen Arbeitsplatzverlustes oder einer Verteuerung der Lebenshaltungskosten spricht niemand.
So fragen wir wie es möglich sein kann, das für die Banken Milliardenbeträge bereitgestellt werden, während die drängenden Fragen, wie Arbeit und gerechte Löhne, den gerechten und kostenlosen Zugang zu Bildung, die Sicherung der sozialen Infrastruktur und die Bekämpfung der Armut mittellos bleiben.
Diese Zustände sind keine Krisen, sondern Verbrechen.

Nehmt ihnen, eh´ sie verbrannt, die Welt aus der Hand.

Am 24. Oktober 1929, also vor 79 Jahren, erlebte die amerikanische Börse ihren "Black Thursday". Unmengen von Aktien wurden schlagartig zum Verkauf angeboten, ohne dass sie jemand haben wollte, und so fiel der Börsenkurs ins Bodenlose. Bis zum Mittag hatten sich über 11 Milliarden Dollar in Luft aufgelöst. Am folgenden Tag drang die Nachricht von den New Yorker Kursstürzen nach Europa durch und erschütterte dort ebenfalls die Börsen. Und so spricht man hier, seit dem 25. Oktober 1929, vom "Schwarzen Freitag". Was folgte war die Weltwirtschaftskrise.

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Schwarzer Freitag, Schwarze Regierung, Schwarze Zeiten


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WIR WOLLEN ROT!

24. Oktober 2008: Wie jede Woche treffen sich die Mitglieder der Falkengruppe zur Gruppenstunde. Eigentlich geht es darum, in die Planungen für das nächste Falkencamp einzusteigen und zu schauen, wo es einen geeigneten Zeltplatz für die nächste Falkenrepublik im Sommer 2009 gibt. Doch dann kommt alles anders:
Viele Jugendliche fragen sich, was hat es mit der Bankenkrise, den Unsummen von Geld und einem Rettungspaket auf sich? Die Beantwortung fällt wahrlich schwer und wird in der Gruppenstunde nur unzureichend beantwortet werden können. Denn die Begriffe, um die es hier geht, machen schwindelig: Aktien, Hausse und Baisse, Rendite, Kredite, Derivate, Spekulationsblase, Hedgefonds, Private-Equity-Firmen, New-Economy, Dow Jones Index, …

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Dies ist unsere Welt, doch sind es ihre Krisen!

"Überrascht sind wir also nicht!"

Eins jedoch lässt sich schnell und nüchtern feststellen. Dass dieses System, welches für diese "Bankenkrise" verantwortlich ist, nicht den Menschen dient, das war bereits vorher klar. Wie ist es sonst möglich, dass auf der einen Seite täglich Menschen an Hunger sterben müssen, während die Maxime des größtmöglichen Profits die Richtung gesellschaftlicher Entwicklung bestimmt? Überrascht sind wir also nicht. Auch die Glaubwürdigkeit dieses Systems lässt sich für uns ganz gut überprüfen. Jahrelang lautete der vermeintliche neoliberale Konsens, der Staat müsse sich zurückziehen. Der Markt werde schon alles regeln. Der Markt mit seinen Profitmechanismen, der auch noch gleich die Fragen von Arbeitsplätzen, Gesundheitsversorgung, Rente und Bildung für uns regeln soll. Nun, da wo der Druck des Gefüges unhaltbar wird, bemühen sich die Vertreter des kapitalistischen Geschäftemachens, den Staat in die Pflicht zu nehmen und ihn am kranken System teilhaben zu lassen. Während in den letzten Jahren die Gewinne also fleißig privatisiert wurden, werden nun die Verluste vergesellschaftet. Denn auch wenn kleinere SparerInnen möglicherweise in den Genuss der Sicherung ihrer Einlagen gelangen - wofür sie wiederum mit ihren Steuern zahlen müssen - so profitieren doch in erster Linie die Superreichen dieser Welt von den diversen staatlichen Unterstützungen. Die derzeitige Krise, welche eine reine Liquiditätskrise ist, bedeutet lediglich die Zuspitzung des kapitalistischen Schaffens: sie ist nichts anderes als eine noch verstärkte Umverteilung von Reichtum. An ihrem Ende werden die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer sein.

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Gebrauch statt Geschäft

Bei all dem Budenzauber ist jedoch die eigentliche Frage für junge SozialistInnen, wie eine Gesellschaft gestrickt sein muss, damit sie den Menschen und nicht den Profiten dient. Es geht nämlich nicht um den Finanzwert einer Ware, sondern um den Gebrauchswert. Die vielen kleinen Häuschen in Amerika, deren Kredite von ihren BewohnerInnen nicht mehr abbezahlt werden können, bringen dies einmal mehr zum Vorschein. Das Häuschen ist da. Es wurde geschaffen durch Arbeit. Doch nun müssen die BewohnerInnen raus. Und warum? Weil die Häuschen in der kapitalistischen Logik einen anderen Zweck haben. Sie sind nämlich in erster Linie nicht gebaut worden um bewohnt, sondern um verkauft zu werden. Der Zweck des Häuschens in der bestehenden Gesellschaft ist es also, dem Verkäufer, der Bank und dem Spekulanten einen gewissen Profit zu bescheren. Tut es dies nicht, so steht es leer und ist für seinen eigentlichen Gebrauch nicht nutzbar, während die vorherigen BewohnerInnen in Zeltstädten leben. Die Häuser aber sind da, ebenso wie die ungeheuren Produktionsmöglichkeiten, die die Beseitigung aller Armut und allen Elends in der Welt ermöglichen würden.

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Unser Wissen muss unsere Waffe sein

Oskar Negt sprach während seines Referates auf unserem Sozialismuskongress (Link) die aktuellen Entwicklungen an und mahnte, wie auch Christoph Butterwegge in seinem Artikel "Ist der Kasinokapitalismus am Ende?", vor den Gefahren für die Demokratie und dem Erstarken totalitärer, autoritärer Herrschaftsformen. Dem gegenüber stehen aber immer gesellschaftspolitische Alternativkonzepte, die unsere Welt sozialer, gerechter, humaner und demokratischer machen können.
Für uns als Sozialistische Jugend wird einmal mehr klar, wie wichtig unsere selbstorganisierte politische Praxis ist. Ob auf unseren Zeltlagern, in unseren Stadtteilgruppen, durch Teilnahme an Demonstrationen oder bei unserem Sozialismuskongress und unseren Seminaren. Es liegt an uns, die Fragen der Zeit theoretisch und praktisch zu beantworten und das heißt: für eine sozialistische Gesellschaft zu kämpfen.

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"Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt?"


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Bilanz-Tanz


Nach der Pfeife des Kapitals tanzten wir Tarantella.
Die Trommel schlägt den Krisenrhythmus immer schneller.
Beenden wir den Tanz.
Jetzt machen wir Bilanz.

Immer weniger besitzen immer mehr, auf der einen Seite,
ihnen gegenüber immer mehr immer ärmere Leute.
Das ist der Widerspruch
wie aus dem Bilderbuch.

Die ganze Wahrheit ist, das haben wir bewiesen:
Dies ist unsere Welt, doch sind es ihre Krisen.
Sie kriegen den Karren nicht flott.
Die Firma ist bankrott.

In immer größere Kriege haben sie uns getrieben,
uns als Kanonenfutter abgeschrieben.
Nur ein Kampf interessiert:
der wird jetzt gegen sie geführt.

Der Globus des Profits samt Zins und Zinseszins,
er taumelt schon am Rande des Ruins.
Nehmt ihnen , eh´ sie verbrannt,
die Welt aus der Hand.

(aus der Proletenpassion)

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