Kinderarbeit verstößt gegen Kinderrechte, aber?...

12.06.2017: Der weltweite Aktionstag gegen Kinderabeit rückt das Thema wieder in den Fokus der vergesslichen Öffentlichkeit, viele Kinder erleben Armut und Ausbeutung aber jeden Tag. Und nachts.

Bei Falken ein Spaß, woanders nicht.

Es betrifft die benachteiligten Famlien weltweit, aber auch Kinder in Deutschland[1]. Denn, wo Kinder und ihre Familien arm sind, ziehen sie los und verkaufen ihre Kindheit, ihre Bildungschancen und ihre Gesundheit. Und es werden mehr, das belegen aktuelle Studien[2].

Also dann mal "Verbot von Kinderarbeit" fordern, dann wird das gut? So wie es Artikel 32 der UN-Konvention regeln möchte? Nein, so einfach ist es leider nicht, denn ein Verbot allein ändert erst einmal kein Stück an der Lebenssituation der Kinder in Not. Kapitalistische Ausbeutung lässt sich nicht durch Unterschriften stoppen.

In unserer Kinderzeitschrift "Freundschaft 03-2014" haben wir uns vor einiger Zeit intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt. Wie immer geht es unserer Zeitschrift dabei darum, Kindern und Teenagern das Thema näher zu bringen und Input für sie (und auch von ihnen selbst geschrieben) zu liefern.

Hier unten zum Nachlesen, hier zum Download im Netz.

Und mehr zu den Kinderrechten gibt es auf Für-Kinderrechte.de.

Freundschaft-Titelthema: Kinderarbeit

Verbot von Kinderarbeit! Ist das wirklich so einfach?

In der UN-Kinderrechtskonvention ist im Artikel 32 Absatz 1 das Verbot von Kinderarbeit festgelegt. Dort steht: "Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte."

Die Sprache der Kinderrechtskonvention ist ziemlich kompliziert und richtet sich eher an Fachleute als an Kinder. Der Artikel zu Kinderarbeit bestimmt, dass Kinder vor allen Arbeiten geschützt werden müssen, die für sie körperlich und seelisch gefährlich sein könnten. Außerdem darf Arbeit Kinder nicht davon abhalten, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen. Kinder sollen nicht arbeiten müssen, anstatt in die Schule zu gehen.

In Deutschland dürfen Kinder erst ab 13 Jahren arbeiten und dann auch nur in einem bestimmten Rahmen. Das soll sie vor allem vor all den Sachen schützen, die in der Kinderrechtskonvention beschrieben sind, also vor seelischen und körperlichen Gefahren. Es war ein langer Weg, das Verbot von Kinderarbeit in Deutschland und in anderen Ländern in Europa durchzusetzen. Heute gibt es in Europa wohl kaum noch Menschen, die Kinderarbeit gut finden oder der Meinung sind, dass Kinder lieber Geld verdienen sollten als zur Schule zu gehen. Es hat dabei allerdings auch geholfen, dass der Staat erkannt hat, dass Kinder, die nicht arbeiten müssen, sondern zur Schule gehen können und einfach mal spielen können, als Erwachsene bessere Arbeitskräfte sind.

Aber wie sieht es eigentlich in anderen Teilen der Welt aus?

Manch arbeitendes Kind in Lateinamerika, Asien oder Afrika stellt sich die Frage: Warum darf ich nicht arbeiten, wenn es mir damit viel besser geht? Wenn ich zum Lebensunterhalt meiner Familie beitrage, kann ich es mir leisten zur Schule zu gehen. Oder sie stellen fest: ich muss so oder so arbeiten, um zu überleben. Dadurch, dass es offiziell verboten ist, habe ich keine Möglichkeiten, meine Rechte während der Arbeit einzufordern.

Es gibt Arbeitende Kinder, die sich organisieren, fast wie bei den Falken, nur dass sie vor allem gegen ein absolutes Arbeitsverbot kämpfen. Sie sind Teil der Bewegung der Arbeitenden Kinder, die sich dafür einsetzt, dass alle Kinder in Würde leben und arbeiten können. In Lateinamerika ist diese Bewegung schon in den 1970er Jahren entstanden, und beispielsweise in Bolivien sind bis zu 7000 Kinder organisiert.(mehr dazu bei Geolino.de)

Für die Arbeitenden Kinder ist Arbeit ein Bestandteil eines würdevollen Lebens. Dabei fordern sie nicht irgendwelche Arbeit, sondern Arbeit, die ihren Fähigkeiten angemessen ist und bei der sie sich am liebsten die Zeit selbst einteilen können, um z.B. zwischendurch zu lernen, zu spielen, zu essen und andere Sachen zu tun, die Kinder gerne tun. Sie möchten selbst entscheiden, ob sie überhaupt arbeiten, welche Arbeit sie machen. Außerdem fordern sie auch eine gute Ausbildung. Viele der Arbeitenden Kinder sagen, dass sie gesellschaftlich nicht ausgeschlossen werden und besser teilhaben können, wenn sie arbeiten und dabei Geld verdienen. Sie verstehen sich als handelnde Mitglieder der Gesellschaft und wollen als solche behandelt werden. Wenn sie arbeiten, können sie ihre Familien unterstützen und unabhängiger entscheiden. Für sie ist ein allgemeines Arbeitsverbot für Kinder eine Form von Altersdiskriminierung, also von Ungleichbehandlung aufgrund des Alters. Die Unterscheidung zwischen Minderjährig und Volljährig halten sie für willkürlich. Den Arbeitenden Kindern ist wichtig, dass sie sinnvolle und für alle Menschen bedeutende Arbeit machen, die auch von ihrem sozialen Umfeld gewürdigt wird. So gibt es beispielsweise eine Bäckerei, die nur von Kindern betrieben wird. Ein generelles Altersverbot führt nach ihrer Meinung zu nichts, da die Kinder, die beim Arbeiten erwischt werden bestraft würden. Das ändert aber nichts daran, dass sie arbeiten müssen, um zu überleben, da Armut durch ein Arbeitsverbot nicht aufgehoben wird. Deswegen ist es für sie wichtig, für gute Arbeitsbedingungen zu kämpfen, die ihre Rechte auf Bildung, Freizeit, Unversehrtheit und vieles mehr nicht einschränken. Die Forderung nach dem Recht auf Arbeit richtet sich gegen jede Form des Arbeitszwangs, auch von den eigenen Eltern. Weiterhin sollten gefährliche Arbeiten verboten sein. Wie ihr seht, ist die Sache mit dem Verbot von Kinderarbeit und dem Recht auf Arbeit ein ziemlich schwieriges Thema.

Wichtig ist, dass die arbeitenden Kinder sich zusammengeschlossen haben, gemeinsam für besseres Wohlergehen streiten und so über sich selbst bestimmen. Aber solange wir im Kapitalismus leben, bleibt Lohnarbeit, die Ausbeutung der Arbeitskraft, egal ob es sich um Kinder oder Erwachsene handelt. So ist ein Recht auf Arbeit noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Auf der einen Seite denken wir, dass Kinder vor Ausbeutung geschützt werden müssen und sichergestellt werden muss, dass sie ihre Rechte wahrnehmen können. Auf der anderen Seite denken wir, dass Kinder selber wissen, was gut für sie ist und deswegen die Bewegung der Arbeitenden Kinder gehört werden soll.


[1] www.tagesschau.de/inland/welttag-kinderarbeit-101.html ^

[2] www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/september/kinderarmut-in-deutschland-waechst-weiter-mit-folgen-fuers-ganze-leben ^