"Reiche Eltern für alle!" - Junge Menschen haben Lust auf das ganze Leben!

17.10.2008: Zwischen der Armut der Einen und dem Reichtum der Anderen bestehen strukturelle Zusammenhänge

1992 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 17. Oktober zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut. Zum 16. Mal jährt sich in diesem Jahr ein Gedenktag mit einem gutem Vorsatz: Aber
die Armut wächst!
Zwischen der Armut der Einen und dem Reichtum der Anderen bestehen strukturelle Zusammenhänge. Diese Zusammenhänge offen zu legen sollte Teil sein einer Auseinandersetzung mit wachsender sozialer Ungleichheit.

  • Laut des zweiten "Armuts- und Reichtumsberichts" der Bundesregierung galten im Jahr 2003 ganze 13,5 Prozent der Bevölkerung als arm, das sind rund elf Millionen Menschen. Jeder achte Mensch in Deutschland ist armutsgefährdet. Ohne Transfers wäre es jeder Vierte. 10% aller HilfeempfängerInnen sind arm trotz Arbeit - ihr Einkommen reicht nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Tendenz ist steigend.
  • Mehr als ein Drittel der Armen oder von Armut Bedrohten sind Alleinerziehende und ihre Kinder. Fast jedes siebte Kind ist von Armut betroffen und beinahe jeder fünfte Jugendliche. 26% der Kinder unter 15 Jahren sind arm. D.h. in Deutschland sind 3 Mio. Kinder unter 15 Jahren von Armut betroffen, 1,8 Mio. beziehen Transferleistungen. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef wächst die Armut von Kindern in Deutschland sogar stärker als in den meisten anderen Industrieländern.
  • Wer über einen niedrigen Bildungsstand verfügt, ist stärker gefährdet in die Armut abzugleiten. Haben Vater und Mutter keinen Job, ist auch ihr Kind mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit später arbeitslos. Jedes vierte Kind, dessen Eltern keinen Schulabschluss haben, wird später ebenfalls von staatlichen Transfers leben. So wird die Armut vererbt und auf Lebenszeit zementiert.
  • Menschen mit Migrationshintergrund sind überproportional häufig von Armut betroffen.

Das kann nicht sein! Materielle Sicherheit ist eine wichtige Grundlage für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe! Falken fordern Reiche Eltern für alle!

Arbeitsmarkt- und bildungspolitische Ansätze bauen auf der Bekämpfung der materiellen Armut auf. Armut ist mehr als materielle Armut, doch ohne eine Veränderung der materiellen Basis, ohne Umverteilung des Reichtums, kann Armut nicht wirksam bekämpft werden! Wir brauchen eine armutsfeste Grundsicherung für alle Kinder und Jugendlichen.

Wenn wir von Armut reden, dürfen wir nicht vergessen, dass daran auch die Frage von Teilhabe geknüpft ist. Dazu die
Kampagne der Falken aus Niedersachsen:

Reiche Eltern für alle!

"(...) Junge Menschen sind hungrig auf das ganze Leben. Leben heißt nach den Sternen zu greifen. Leben heißt Teilhaben. Junge Menschen haben Hunger auf ein Leben mit der Freiheit, selbst zu gestalten und selbst gewählte Wege zu gehen. (...)

Und weil der Mensch ein Mensch ist
braucht der seine Freizeit bitte sehr!
Es macht ihn ein Event nicht froh
das schafft keine Erholung her.

Dort zu sein, wo etwas passiert, kostet: Musik machen, Sport treiben, im Café sitzen, schwimmen oder in die Disco gehen, Computer und Handy, Konzert und Ausfug. Das kann sich nicht jede/r leisten. Nicht beteiligt sein, macht schnell einsam. Welche Plätze bleiben denen, die keinen Feierabend, keine Pläne haben und auch kein Einkommen, über das sie frei verfügen können? Zu wenig Raum für jeden jungen Menschen voller Träume. Jede Idee, einmal etwas Besonderes zu machen, bleibt eine unerreichbare Träumerei. Eltern haben das ihren Kindern zu erklären, wenn die Anderen in die Sommerferien fahren und zu viele Jugendliche den Freunden, wenn diese abends weg gehen. Und selbst die Ecken, wo man unter sich sein kann, ohne Stress und Rechtfertigung, sind so dünn gesät, dass nur die Glotze mit dem alltäglich betäubenden Frust und den großen Traumbildern bleibt. Das ist die Armut dieser Gesellschaft.

Und weil der Mensch ein Mensch ist
will er ein eignes Leben bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht schlau
dass schafft keine Zukunft her."


Links zu unseren Beschlüssen:
"Armut hat ein junges Gesicht", 2006
"Nur teilen ist schöner", 2003